Sardiniens wilde Westküste

Die schönste Gegend auf Sardinien? Für mich bislang im Westen. Warum? Weil es von hübschen Städtchen, über wunderschöne Strände bis hin zu grünen Naturparks einfach alles gibt.

Wohin reisen auf Sardinien? Die Auswahl ist schwierig, denn eigentlich ist es auf der italienischen Insel überall schön. Viel falsch machen kannst du demnach nicht. Nach einer Rundreise durch Sardinien ist für mich aber klar, dass der Teil, der mir am besten gefallen hat, der Westen ist. Es gibt einfach unglaublich viel zu entdecken! Dazu gehören auch Orte, die touristisch nicht ganz so überlaufen sind, wie in anderen Teilen der Insel. Der Westen Sardiniens präsentiert sich zudem etwas wilder und bietet viel Raum für Entdeckungen.

Unterwegs in Sardiniens Westen.

Unterwegs in Sardiniens Westen.

Meine Entdeckungen im Westen Sardiniens

Der Naturpark Monte Arci

Sardinien ist bekannt für seine Strände und das Meer, das in allen Blautönen schillert. Das Innere der Insel ist grün und gebirgig, du kannst hier ebenso Wanderferien machen und tagelang Natur- oder Nationalparks erkunden. Wir wollen uns das natürlich nicht entgehen lassen und entscheiden uns für den Naturpark Monte Arci, da wir ganz in der Nähe übernachten.

Der ehemalige Vulkan Monte Arci wurde von der UNESCO zum Welterbe erklärt und gehört zum Geomineralpark Sardiniens. Früher war der Berg Fundort des Obsidians, dem „Schwarzen Gold“ der Steinzeit. Willst du genaueres über den Obsidian erfahren? Dann bist du im Obsidianmuseum in Pau gut aufgehoben.

Wir biegen in Uras von der Schnellstrasse ab und fahren Richtung Morgongiori und über eine wunderschöne, kurvenreiche Strecke nach Ales und von dort weiter nach Pau. Unterwegs müssen wir die Fahrt unterbrechen, da die Strasse von einer Schafherde in Beschlag genommen wird. Wir sind überrascht, wie viele Schafe es auf Sardinien gibt. Wenn es noch etwas bewölkt ist, erinnert uns Sardinien ganz oft an Irland.

Sardinien, nicht Irland.

Sardinien, nicht Irland.

Unterwegs auf Sardinien.

Unterwegs auf Sardinien.

Wir wollen einen ganz bestimmten Aussichtspunkt besuchen, welchen ich auf Instagram entdeckt habe. Wir wissen dazu nur, dass die Aussichtsplattform in der Nähe von Pau sein muss. Im ausgestorbenen Dörfchen fragen wir also im Obsidianmuseum nach, ob uns jemand sagen kann, wo wir diese Plattform genau finden. Immer alles die Strasse am Ortseingang rauf, durch den Wald und wir würden dann automatisch hinkommen, heisst es. Genau so fahren wir auch, durch Wälder, über Rumpelstrassen, bis wir an einem Häuschen mitten im Wald ankommen, in dem ein paar Männer gerade ein BBQ vorbereiten.

Auf unsere Frage, wo es denn hier in der Nähe einen Aussichtspunkt gäbe, meinen sie, dass wir einfach ums Haus laufen sollen. Und tatsächlich, vor uns breitet sich der Naturpark in seiner ganzen Pracht aus. Hier wäre eine super Fernsicht möglich, aber es ist einer der bewölkten Tage auf Sardinien. Weiter schlimm ist das aber nicht. Auch nicht, als es anfängt zu regnen. Das Wetter verleiht der Gegend eine eigenwillige Stimmung, aus den Baukronen steigt Dampf auf. Es fehlen nur noch ein paar Kobolde die durch den Wald flitzen. Ein super Ausflug, um eine etwas andere Seite von Sardinien kennenzulernen.

Der Naturpark Monte Arci.

Der Naturpark Monte Arci.

Ein toller Aussichtspunkt - trotz Bewölkung.

Ein toller Aussichtspunkt – trotz Bewölkung.

Der Nationalpark Monte Arci auf Sardinien.

Der Naturpark Monte Arci auf Sardinien.

Der Strand Is Arutas

Den schönsten Strand der Insel habe ich bereits in meinem Artikel über die 5 Highlights Sardiniens erwähnt: Is Arutas. Bereits der eigenwillige Name lässt mich neugierig werden. Der sichelförmige Strand gehört zu den speziellsten und schönsten, die ich je gesehen habe. Die vielen kleinen Quarzsteinchen schimmern in allen möglichen Farben: rosa, grün, bernsteinfarben oder weiss glitzern sie. Wie überall auf Sardinien ist auch hier das Wasser klar. Besonders schön im Mai ist die Blütenpracht im Hintergrund. Der Strand geht nahtlos in eine blühende Wiese über und ein Holzsteg führt zurück zum ansässigen Restaurant.

Is Arutas auf Sardinien.

Is Arutas auf Sardinien.

Hier wollen wir uns einen Imbiss gönnen. Aber wir kommen rein und wissen gleich, dass daraus nichts wird. Nebst dem Personal, dass uns geflissentlich ignoriert, sind alle Tische mit Plastikgeschirr gedeckt. Das Restaurant geht tatsächlich als richtiges Lokal durch und ist weitaus mehr als nur eine einfache Strandkneipe. Nebst der offensichtlichen Dummheit aus umwelttechnischen Gründen – wieso sollte ich Restaurantpreise bezahlen, um aus Plastikbechern zu trinken und mit Plastikgeschirr zu essen? Wir machen kehrt und uns in dem Fall lieber hungrig auf den Rückweg. Die Müllberge in der Hochsaison will ich mir gar nicht vorstellen.

Restaurantbesuch am Strand von Is Arutas.

Restaurantbesuch am Strand von Is Arutas.

Grün soweit das Auge reicht.

Grün soweit das Auge reicht.

Quarzsteine am Strand Is Arutas.

Quarzsteine am Strand Is Arutas.

Die Ausgrabungsstätte Tharros

Im Westen Sardiniens lässt sich Geschichte hautnah erleben. Dies klappt in den Ruinen der phönizisch-punischen Stadt Tharros besonders gut. Diese findest du auf der Sinis-Halbinsel an wunderschöner Lage. Die Lage der Stadt wurde damals wirklich gut gewählt, die Sicht ist atemberaubend.

Tharros auf der Sinis-Halbinsel.

Tharros auf der Sinis-Halbinsel.

Eine Vielzahl an antiken Bauten gibt es zu bestaunen.

Eine Vielzahl an antiken Bauten gibt es zu bestaunen.

Die Aussicht von Tharros ist überall Top!

Die Aussicht von Tharros ist überall Top!

Ausgrabungsarbeiten haben die alte Stadt in den 1960er Jahre zum Vorschein gebracht. Zwischen dem 11. und 8. Jahrhundert v. Chr. war die Stadt eine reiche Handelskolonie. Mit den häufigen Sarazeneneinfällen begann der Untergang der Stadt, bis sie im Jahr 1070 aufgehoben wurde und man sich auf Oristano als neues Zentrum konzentriert hat.

Tempel, Häuser, Läden, eine Nekropolis – für geschichtsinteressierte birgt Tharros einige Schätze. Aber auch wenn du dich nur mässig mit der sardischen Geschichte auseinandersetzt, der Besuch lohnt sich bereits wegen der Aussicht, die einfach traumhaft ist.

Die Stätte Tharros auf der Sinis-Halbinsel.

Die Stätte Tharros auf der Sinis-Halbinsel.

Überall Blumen auf Sardinien.

Überall Blumen auf Sardinien.

Tharros auf Sardinien.

Tharros auf Sardinien.

Tharros, Sinis-Halbinsel, Sardinien, Italien.

Tharros, Sinis-Halbinsel, Sardinien, Italien.

Die Stadt Oristano

Das kleine Städtchen Oristano hat es mir angetan. Ein beschaulicher Ort, gemütlich und alles andere als überlaufen – gefühlt schlägt hier das Herz der Region. Was genau wir hier machen? Rumschlendern. Durch die Gassen laufen, die Zeit geniessen, ab und zu mal einkehren. In welchem Restaurant oder in welcher Kneipe wir landen, dass entscheidet meistens unsere Anderthalbjährige. Sie hat die eigenartige Angewohnheit, immer mal wieder in solche Läden reinzustürmen und damit alle zu entzücken. Da bleibt uns ja fast nichts Anderes übrig, als uns dann was Feines zu bestellen….

Ciao aus Oristano.

Ciao aus Oristano.

In Oristano freuen wir uns über besonders leckere Pizza, schauen uns den Dom an und jagen Tauben auf dem Rathausplatz. Wie schon erwähnt, Oristano ist ein Ort für Geniesser. Hier lässt es sich endlich runterfahren und sinnlos die Zeit totschlagen – genauso wie es sein soll.

Auf dem Rathausplatz in Oristano.

Auf dem Rathausplatz in Oristano.

In Oristano freut sich jemand über Pizza!

In Oristano freut sich jemand über Pizza!

Beim Rumschlendern entdecken wir hübsche Gassen.

Beim Rumschlendern entdecken wir hübsche Gassen.

Unterwegs in Oristano, Sardinien.

Unterwegs in Oristano, Sardinien.

Oristano, Sardinien.

Oristano, Sardinien.

Übernachtung im Agriturismo

Den Westen Sardiniens erkunden wir von unserem Landhotel aus. Agriturismo ist das Schlagwort und wird gross geschrieben. Das Schöne an dieser Insel ist, dass, auch wenn es jährlich so viele Touristen anzieht, keine grossen Hotelbunker gibt. Sardinien setzt auf das Kleine Feine. Es finden sich gediegene Gutshöfe oder einfache Unterkünfte auf Landwirtschaftsbetrieben. Und genau so übernachten wir für ein paar Tage in Marrubiu. Es ist ein kleiner Hof, allerdings kein aktiver Bauernhof, sondern eher ein Landhof. Er wird von der Besitzerin mit ihrer Tochter herzlich betrieben.

Das Frühstückshäuschen unseres Agriturismos.

Das Frühstückshäuschen unseres Agriturismos.

Wir bewohnen eines von drei Zimmern und geniessen das Grün um uns herum. Ausserdem gibt es hier Katzen und Hunde, Truthähne und viel Platz zum draussen spielen. Der Nachbar ruft uns freudig zu sich und zeigt unserer Tochter sein Grundstück mit Eseln, Pferden, Ziegen und weiteren Hunden. Für sie ist das jeden Tag aufs Neue pures Vergnügen. Wer mit Kindern reist oder auch sonst einfach mal was Anderes sehen will als Hotels, ist mit Agriturismo sehr gut aufgehoben.

Landleben auf Sardinien.

Landleben auf Sardinien.

Gemütlichkeit wird in den sardischen Agriturismos gross geschrieben.

Gemütlichkeit wird in den sardischen Agriturismos gross geschrieben.

Wir haben das Glück, dass wir auch gleich noch einer festlichen Prozession beiwohnen durften. Im Frühjahr ist die Chance im katholischen Sardinien gross, bei so etwas dabei zu sein. Obwohl ich nicht rausfinde, zu Ehren welcher Heiligen die Veranstaltung stattfindet, ist es doch ein Erlebnis. Ganz Marrubiu ist in heller Aufregung. Alle sind rausgeputzt und bereit für das grosse Fest, welches das ganze Wochenende dauert. Wir freuen uns mit ihnen und geniessen die Abwechslung.

Katholische Prozession im Westen Sardiniens.

Katholische Prozession im Westen Sardiniens.

Auch der Traktor wird dafür herausgeputzt.

Auch der Traktor wird dafür herausgeputzt.

Die Dörfer am Wegesrand

Was uns auch immer wieder gefällt ist der ungeplante Besuch von kleinen Orten. Und davon gibt es auf Sardinien einige. Einfach so aus lauter Lust zum Kennenlernen, weil uns der Hunger plagt oder unsere Kleinste nach einem Stopp verlangt. So entdecken wir natürlich viele Spielplätze, kommen mit italienischen Familien in Kontakt und erhalten einen kleinen Einblick in das Leben der Sarden, die nicht im Tourismus oder in grossen Städten arbeiten.

So kann ein Stopp in einem verschlafenen Dorf aussehen.

So kann ein Stopp in einem verschlafenen Dorf aussehen.

Kleine Kirschen prägen das Bild auf Sardinien.

Kleine Kirschen prägen das Bild auf Sardinien.

Im gebirgigen Inland finden wir immer wieder schöne Ausblicke. Wir überlassen den Schafherden den Vortritt oder gelangen unverhofft zu Köstlichkeiten. Beispielsweise in Uras legen wir einen ungeplanten Mittagshalt ein. Etwas mürrisch bestelle ich das einzige vegetarische Gericht auf der Karte: Spaghetti mit Trüffelsauce. Was soll ich dazu sagen? Noch heute träume ich davon! Es waren die wohl besten Spaghetti auf ganz Sardinien. Und ich habe eine Menge davon gegessen.

Das ist einer der Nachteile des Reisens mit Kindern, die sich auch schnell mal in einen Vorteil kehren können. Wir können nichts mehr nach Plan machen, suchen uns keine speziell empfohlenen Restaurants mehr raus, sondern reisen wieder wie früher auf gut Glück. So kann zwar einiges schiefgehen, aber eben auch für unerwartete Überraschungen sorgen.

Ausblicke auf kleine Ortschaften auf Sardinien.

Ausblicke auf kleine Ortschaften auf Sardinien.

Die Panoramafahrt Bosa-Alghero

Wer wie wir einen Roadtrip durch Sardinien plant, dem möchte ich die Strecke zwischen Bosa und Alghero ans Herz legen. Es sei eine der schönsten Strecken der Insel, so sagt man. Kurvenreich schlängelt sich die Strasse den Klippen der Westküste entlang und bietet immer wieder fantastische Ausblicke. Auch hier blüht das Blumenmeer und verwöhnt unsere Augen.

Zusätzlich gilt die Stadt Bosa als eine der schönsten Sardiniens. Wir haben nur einen Zwischenstopp eingelegt und sind kurz durchgeschlendert. Tatsächlich sieht der Stadtkern toll aus und wir wären gerne länger geblieben. Der unglaublich starke Wind hat den Aufenthalt aber nicht sehr gemütlich gemacht, daher sind wir bald weiter Richtung Stintino gefahren.

Bosa gehört zu den schönsten Städten Sardiniens.

Bosa gehört zu den schönsten Städten Sardiniens.

Bosa, Sardinien.

Bosa, Sardinien.

Fast ein bisschen wie Venedig....

Fast ein bisschen wie Venedig….

Bist du ohne Kinder unterwegs? Dann nimm diese Panoramafahrt unbedingt in die Reiseplanung auf! Hast du Kids im Auto? Dann empfehle ich diese Strecke nur, wenn diese auch nicht an Reiseübelkeit leiden. Ansonsten kann die Route zur Tortur werden und erscheint endlos. Nur so eine kleine Randbemerkung, die durchaus mit Erfahrungen verbunden ist…

Fahrt von Bosa nach Alghero.

Fahrt von Bosa nach Alghero.

Von Bosa nach Alghero: Eine paradiesische Strecke.

Von Bosa nach Alghero: Eine paradiesische Strecke.

Der Westen Sardiniens erscheint mir am ursprünglichsten und wildesten der Insel (ohne die Ostküste wirklich gut zu kennen). Für mich definitiv die schönste Region der Insel. Einziger kleiner Wehrmutstropfen ist, dass wir keine wilden Flamingos gesehen haben, obwohl wir uns aktiv auf die Suche danach gemacht haben. Wir sind dazu zum Stagno di Molentargius in Cagliari gefahren oder nach Cabras, ganz in der Nähe von Oristano. Leider ist es uns aber vergönnt geblieben. Vielleicht das nächste Mal?

Hast du jetzt auch Lust gekriegt Sardinien zu bereisen? Dann gibts hier noch viel mehr Inspiration:

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Wie hast du die Westküste Sardiniens erlebt?

2 Kommentare

  • Angie sagt:

    Liebe Sarah,

    ich war vor ein paar Jahren auf Sardinien. Hatte aber echt Pech mit dem Wetter 🙁 Wenn ich aber deine Artikel mir so anschaue, habe ich wieder richtig Lust auf die Insel! Aber bitte mit so tollem Wetter, wie du es hattest 😀

    Liebe Grüße,
    Angie

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