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Auswahlkriterien für ETFs

Auswahlkriterien für ETFs

Investieren in ETFs ist einfach – so heisst es. Doch ein erster Blick auf die Möglichkeiten kann einem fast erschlagen, so vielseitig diese sind. Welchen ETF also auswählen? Und nach welchen Kriterien? Wir helfen weiter.

Das Investieren in ETFs ist für viele einer der ersten Schritte am Kapitalmarkt. Es gibt jedoch für die gleichen Regionen oder Märkte oft eine Vielzahl an ETFs, die sich – bis auf den Namen des Anbieters –  kaum unterscheiden. Welchen also auswählen?

Wir zeigen dir, welche Kennzahlen du unter die Lupe nehmen solltest und wie du dich entscheiden kannst. Einen Überblick zu ETFs und welche Chancen und Risiken sie bieten findest du hier.

Darauf musst du achten

Kosten & Gebühren

Eine der wichtigsten Kennzahlen sind die Kosten und Gebühren. Bei ETFs werden diese “TER” genannt. TER steht für “Total Expense Ratio” und steht somit für die Gesamtkostenquote. Diese kosten werden automatisch vom Fondservermögen abgezogen. Die TER sollte bei ETFs maximal 0,50 % betragen. Je niedriger die TER, desto weniger wird deine Rendite dadurch geschmälert. Dies beinhaltet jedoch nicht die Kosten bei deinem Broker für den Kauf bzw. Verkauf von ETFs oder die Sparplanausführung.

Durch die “TER” sind Kosten der Fonds vergleichbar geworden. Es gibt jedoch ein paar Gebühren, die nicht durch die TER abgedeckt sind, z. B. Transaktionskosten, falls der ETF einmal umgeschichtet werden sollte (sehr seltener Fall).

Mach es dir jedoch nicht komplizierter als es sein muss und vergleich die TER deiner angepeilten ETFs.

Fondsvolumen

Die Kosten und Gebühren sind zwar wichtig – sollten jedoch nicht die einzige Entscheidungsgrundlage bilden. Du solltest dir auch das Fondvolumen anschauen. Hier gilt ganz einfach: Je höher desto besser. Je höher das Volumen ist, desto wirtschaftlicher kann der Fonds betrieben werden und desto niedriger sind die Gebühren für dich. Es sollten mindestens 50 Mio. EUR sein bei kleineren Nischen-ETFs, bei grossen bekannten ETFs mind. 100 Mio. EUR, besser 150 Mio. EUR.

Thesaurierend oder Ausschüttend

Bei der Auswahl des ETFs musst du dir überlegen, ob du einen ausschüttenden oder thesaurierenden willst. Thesaurierend bedeutet, dass die Dividendenzahlungen aus dem ETF direkt wieder angelegt werden. Das ist ideal, wenn du langfristig investieren und vom Zinseszinseffekt profitieren möchtest.

Bei einem ausschüttenden ETF werden die Dividenden ausgezahlt und landen auf deinem Verrechnungskonto. Dies ist ideal, wenn du ein passives Einkommen generieren möchtest und frei über die Erträge verfügen willst.

Replikationsmethode

Hier wird generell zwischen physischer und synthetischer Replikation unterschieden. Replikation beschreibt, wie der ETF den Index nachbildet.

Bei der physischen Replikation hält der ETF tatsächlich die Titel, die auch im Index vertreten sind und bei der physischen Methode wird nochmals zwischen (vollständiger) Replikation und optimierten Sampling unterschieden.

Durch die vollständige physische Replikation enthält der ETF tatsächlich alle Titel, beim Sampling werden oft nur die grössten und liquidesten Titel gekauft die den grössten Einfluss auf den Index haben und ausreichend sind, um ihn entsprechend nachzubilden.

Bei einer synthetischen Replikation lässt sich der Anbieter die Wertentwicklung des Index durch ein Tauschgeschäft (einen so genannten Swap) mit einer Partnerbank zusichern. Das theoretische Risiko hierbei besteht in einer potenziellen Pleite der Partnerbank. Gesetzlich ist jedoch geregelt, dass der Swap-Anteil eines ETFs maximal bei 10 % liegen darf. In der Praxis ist der Wert oft geringer und es sind weitere Sicherheiten hinterlegt.

In der Praxis spielt dies meist keine Rolle und du hast auch nicht immer alle Varianten bei deinem Wunsch-ETF zur Verfügung. Aber es ist gut zu wissen, wie der Anbieter den Index nachbildet.Auswahlkriterien für ETFs

Fondsdomizil

Das Fondsdomizil ist der Ort, an dem der Fonds aufgelegt wird. In Europa ist dies oft Irland oder Luxemburg. Hier sind die bürokratischen und steuerlichen Gegebenheiten am besten für die Fondsanbieter. In Europa aufgelegte ETFs erkennst du am Kürzel “UCITS” im Namen des ETFs.

UCITS steht für „Undertakings for Collective Investments in Transferable Securities” und bedeutet, dass der Fonds den Regeln hinsichtlich Anlegerschutz der EU entspricht.

Fondswährung

Das Vermögen eines ETF wird in der Fondwährung verwaltet. Die meisten ETFs auf den MSCI World beispielsweise werden in USD gehandelt. Ca. 2/3 des MSCI World besteht aus Unternehmen aus den USA und entsprechend ist dieser USD-lastig. Wird nun der US-Dollar schwächer gegenüber dem Euro, verlieren die Aktien in Euro an Wert. Genau so kann es aber umgekehrt laufen. Langfristig gesehen gleichen sich die Währungsschwankungen aus. Da ETFs ein langfristiges Investment darstellen sollen, vermindert dies das Risiko. Bei einem starken Euro oder Franken und einem entsprechend schwachen Dollar würdest du bei einem Kauf wiederrum mehr Anteile erwerben.

Des Weiteren kannst du durch Diversifikation auch das Währungsrisiko minimieren, in dem du beispielsweise auch einen ETF auf Unternehmen aus Europa hältst einen oder einen währungsgesicherten, so genannte “hedged ETFs”. Diese abgesicherten ETFs gibt es jedoch nicht gratis, eine Versicherung kostet immer Geld und schmälert so deine Rendite. Wir raten davon ab.

Ausserdem hast du ja sicherlich auch Anlagen oder einen Notgroschen in deiner Heimatwährung CHF oder EUR. So stellt ein Investment in USD auch eine zusätzliche Diversifikation dar.

Der Zusammenhang zwischen Währung, Kursentwicklung ist nicht ganz trivial und in der Praxis bei einem langen Anlagehorizont vernachlässigbar, da sich dies i.d.R. ausgleicht.

Auch zu beachten ist, dass die Unternehmen in einem MSCI World weltweit tätige Unternehmen sind. Eine Firma wie beispielsweise Microsoft verkauft ihre Produkte ja nicht nur in den USA, sondern rund um den Globus. So handeln diese auch mit Fremdwährungen, was den USD-Anteil auch schmälert.

In der Praxis sollte dich das nicht vom Investieren in einen ETF mit Fondswährung US-Dollar abhalten, in der Praxis gleichen sich die Kurse über einen langen Zeitraum aus und die Firmen handeln global mit allen möglichen Währungen. Und als Privatperson kriegst du dies wahrscheinlich nicht alles perfekt gemanagt.

Dein Broker in Deutschland oder in der Schweiz zeigt dir deinen Betrag immer in EUR oder CHF an, da du das Konto immer in der Heimatwährung führst.

Fondsalter

Der ETF sollte seit mindestens einem Jahr bestehen, besser drei oder gar fünf Jahre. Hier gilt auch, je länger desto besser. Die ETF sind dann stabil am Markt etabliert, haben ein entsprechendes Fondsvolumen und können so wirtschaftlich betrieben werden was sich in geringen Gebühren für dich wiederspiegelt.

Vergleichen

Wo kannst du nun diese ganzen Daten vergleichen?

Unsere Lieblingsseite ist hierfür: justETF

Hier steht dir eine umfangreiche und übersichtliche Datenbank zur Verfügung, die dir auf einen Blick alle Daten zu deinem Wunsch-ETF mit den oben genannten Kriterien zur Verfügung stellt. Auch kannst du hier sehr gut ETFs nach Rendite, Volumen, TER etc. sortieren.

Bevor du jedoch final investierst, solltest du dir auf der Seite des Fondsanbieters nochmals die Daten gegenprüfen und das jeweilige Factsheet anschauen.

Fazit

Es gibt ein paar Kennzahlen auf die du bei der ETF-Auswahl achten solltest. Da sind insbesondere die Kosten (TER), das Alter, Fondvolumen und die Ertragsverwendung (ausschüttend oder thesaurierend).

Es gibt noch komplexere Themen wie die Replikationsmethode oder das Thema Fremdwährungen. Bei einem langen Anlagehorizont und einem weltweite gestreuten ETF kannst du dies normalerweise vernachlässigen, solltest aber einmal gehört haben, was es damit auf sich hat und was theoretische Risiken sind. Lass dich hiervon bitte nicht vom Investieren abschrecken.

Welches sind deine Favoriten und auf welche Kennzahlen achtest du?

Achtung: Das ist keine Anlageberatung. Wir geben hier nach bestem Wissen und Gewissen unsere Erfahrungen und Meinungen wieder und vermitteln teils externe Quellen. Eine Investition ist jedoch deine eigene Entscheidung und soll gut überlegt sein. Investiere nur in das, was du auch wirklich verstehst und mit Geld, dass du auch wirklich hast. Wir übernehmen keine Haftung für deine Investitionen und daraus resultierende Ergebnisse.

Über die/den Autor/in

Das Reisen habe ich als Groundhopper an Fussballspielen in allen Gegenden der Welt lieben gelernt. Heute ist ein entspannter Morgen mit den Kids für mich der perfekte Start in den Tag und ausklingen lasse ich ihn am liebsten beim Sonnenuntergang am Strand. Ich bin ein Fan von ETFs, habe mich in Nicaragua verliebt und ich kann nicht ohne Pizza leben. Mein Ziel ist finanzielle Freiheit für mich und meine Familie.

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