Psiri, Monastiraki und Exarchia – Athens coolste Viertel

Athen ist jung, hip und laut. Mag sein, dass die Stadt einst ein verschlafenes Kaff war. Das hat sich aber gehörig verändert in den letzten Jahren. Athen kann sich sehen lassen und reiht sich mittlerweile problemlos in die Liga der europäischen Topstädte ein. Obwohl sie gerne noch etwas aussen vor gelassen von grossen Namen wie Paris oder London übertrumpft wird: Du solltest schleunigst nach Athen reisen.

Am Anfang ist es in jeder neuen Stadt etwas schwierig, bis man einmal den Überblick über die jeweiligen Viertel hat und weiss, wo was zu finden ist. Damit dir das in Athen nicht so geht, stelle ich dir hier die drei coolsten Viertel vor. Jedes dieser Viertel hat seinen ganz eigenen Charakter, aber eines haben sie alle gemeinsam: Sie beherbergen die schönsten Streetart Bilder. Ja, ich liebe Streetart. In Athen ist eigentlich jede Hauswand besprayt. Leider auch von Schmierereien von Kids, die es einfach nicht besser können. Aber die wirklichen Kunstwerke, die bleiben hier unangetastet und strahlen teilweise meterhoch von Hauswänden herunter.

Streetart in Psiri

 

Psiri

Die Anfänge von Psiri liegen weit zurück, als Viertel von Einwanderern, Gesetzlosen und Revolutionären, war es über Jahrhunderte bekannt. Hier versteckte sich, wer von der Polizei nicht gefunden werden wollte, wer irgendwas verbrochen hatte. Diese Zeiten liegen aber sehr lange zurück. Nach und nach wurde die Gegend zur Heimat von Handwerkern, es reihten sich ein Betrieb an den nächsten, Märkte nahmen ihren Ursprung hier und die Arbeiterklasse nannte es ihre Heimat. Aber auch das ist mittlerweile Geschichte, denn heute ist Psiri in erster Linie ein Ort des Vergnügens.

Psiri ist ein pulsierendes Viertel mit einem abwechslungsreichen Nachtleben. Was angesagt ist, läuft hier. Tagsüber lässt es sich gemütlich durch die Strassen flanieren, einkaufen und in einem der vielen Restaurants einkehren. Sie haben alle Tische auf den Bürgersteigen und servieren unter dem freien Himmel leckerste Gerichte. Hier finden sich auch einige kleine Boutiquen und Kunstläden.

Psiri - Hier lässt es sich gemütlich essenSchon Mittags wird in Psiri gegessen und getrunkenNachts ist Psiri der Place to be

Ab und zu sieht man Shops die verlassen aussehen, es aber eigentlich gar nicht sind. Viele Bars öffnen erst Abends ab 18 Uhr, da sind die Strassen urplötzlich voller Tische, voller Musik und auch voller Leute. Alle zieht es hier hin. Zum Aperitif, um zu sehen und gesehen zu werden und um sich die Nacht um die Ohren zu schlagen.

Streetart in PsiriPsiri hat einen ganz eigenen StilStreetart wird in Psiri gross gemalt

 

Monastiraki

Eigentlich ein Teil von Plaka, dem grössten Touristenviertel Athens, ist Monastiraki doch wieder ganz anders. Was du in Monastiraki bestimmt findest, ist eine Gelegenheit, dein Geld loszuwerden. Hier findest du nämlich einen grossen Flohmarkt. Ein grosses Schild sagt jedenfalls, dass du hier den Flohmarkt betrittst. In Wahrheit ist es aber eher ein Basar mit vielen kleinen Geschäften.

Basar in Monastiraki

Hier findest du alles: Die neusten Sneakers, kitschige Souvenirs, coole Lederklamotten oder ein neues Fahrrad. Die wahren Perlen musst du aber suchen, denn in erster Linie gibts Kitsch und das in Massen. I love Greece-Shirts und die Akropolis als Kühlschrankmagnet sind aber einfach zu finden…

Wann du aber unbedingt herkommen solltest, ist Sonntags. Dann gibt es nämlich nebst den üblichen Shops tatsächlich einen richtigen Flohmarkt. Viele Leute breiten ihre Sachen auf Decken am Boden aus und versuchen so, ihre Ware zu verschachern. Zwischendurch gibt immer wieder mal Souvlaki zu naschen oder einen Kaffee zum mitnehmen. Sonntags ist die Stimmung hier tatsächlich am besten und der Handel ist spannend zu beobachten (und natürlich auch zu betreiben). Sonntags breitet sich der Markt mitunter bis nach Psiri oder Thission aus, so viele Leute wollen ihr Dinge hier loswerden.

Flohmarkt in MonastirakiFlohmarkt in Monastiraki

Den Flohmarkt erreichst du ganz einfach vom Zentrum Monastirakis aus, dem gleichnamigen Platz, wo du auch die Metrostation findest. Der Monastiraki-Platz ist ein spannender Ort, um sich hinzusetzen und den Menschen zuzuschauen. Hier kommt und geht alles, egal in welche Richtung. Ist man in der Gegend, überquert man früher oder später den Platz. In der Ecke des Platzes ist eine hübsche, restaurierte türkische Moschee, heute das keramische Museeum. Ebenso findest du über den Platz Zugang zur römischen und zur alten Agora sowie der Hadriansbibliothek, was du dir auf jeden Fall anschauen solltest.

Flohmarkt in MonastirakiFlohmarkt in Monastiraki

 

Exarchia

Bekannt ist das alternative Exarchia schon lange als Studentenviertel und Szenetreffpunkt. Hier gibts an jeder Ecke Copyshops, Cafés und Kneipen. Man sieht einige schräge Gestalten vorbeihuschen, aber meist so richtig liebenswert schräg. Die Streetart erreicht hier ihren Höhepunkt, kaum ein Meter ist nicht bemalt. In diesem Viertel ist aber fast hinter jedem Graffiti eine politische Botschaft zu finden. Das Viertel ist weitgehendst autonom, die Polizei wagt sich nur in Extremsituationen hin. An den strategischen Ein- und Ausgangspunkten ist aber vor allem an Wochenenden vermehrtes Polizeiaufkommen zu sehen.

Streetart in Exarchia

Exarchia ist aber nicht nur einfach ein Viertel mit ein paar rebellischen Studenten, sondern blickt auf eine ereignisreiche Geschichte zurück. Die Aggressivität der Polizei gegenüber kommt hier nicht von ungefähr, den Exarchia ist traditioneller Ausgangspunkt von Demonstrationen und Protestaktionen. Nicht umsonst wird das Viertel auch als Anarchia bezeichnet.

Der Hauptgrund ist aber, dass hier bereits zwei mal Jugendliche von der Polizei erschossen worden sind. Zuletzt war das Alexandros Grigoropoulos, der nur 15 Jahre alt wurde. An der Strassenecke wo er erschossen wurde, zeugt heute eine Gedenktafel von seinem Tod. Dieser löste 2008 landesweit heftige Proteste aus, die auch auf weitere Teile Europas übergriffen.

Gedenkstätte für Alexandros GrigoropoulosDie Botschaft ist klar

Die Polizei ist in Exarchia nicht sehr beliebtExarchia ist aber nicht einfach nur ein Anarchistenzentrum. Hier gibt es ein tolles Nachtleben mit einer lebendigen Szene, viele kleine Geschäfte mit spezialisiertem Angebot und Konzerte von Bands, die es wert sind, sie zu entdecken. Die Leute hier sind freundlich und heissen einem willkommen. Das Stadtviertel zieht aber eine besondere Art von Leuten an. Menschen zum Beispiel, die die Pflastersteine von einem Parkplatz aufreissen und dort Büsche und Blumen pflanzen, um mehr Grünflächen im Viertel zu haben…

coole Streetart in Exarchiagemütliche Cafés sind in Exarchia überall zu finden

 

Das sind meine drei besten Viertel in Athen. Natürlich gibt es noch einige mehr und auch bekanntere, wie beispielsweise die Tourihochburg Plaka. Aber das ist doch nur halb so spannend, oder nicht? Psiri, Monastiraki und Exarchia solltest du dir jedenfalls nicht entgehen lassen.

Warst du auch schon dort? Welches Viertel hat dir am besten gefallen?

 

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