Italien und der Traum von Capri

„Und, auf welche Insel fährst du?“, fragt mich meine Kollegin, als ich ihr erzähle, dass ich das Wochenende in Neapel verbringe. „Insel? Ich gehe nach Neapel. In die Stadt.“

„Aber weswegen alle nach Neapel reisen, das sind doch die Inseln! Capri und Ischia, um nur die bekanntesten zu nennen. Das macht doch die Gegend erst aus.“

Zum Glück hat mir das meine Kollegin am Tag vor meiner Abreise noch gesagt. Die Karte habe ich mir nämlich nie so genau angeschaut und ob ich überhaupt auf die Idee gekommen wäre? Ich google nach Bildern von Capri und es verschlägt mir fast die Sprache. So schön soll es dort sein? Klar doch, da will ich hin.

Als die Fähre im Hafen von Neapel ablegt, freue ich mich auf einen Tag am Meer, einen lang vermissten Inseltag eben. Wieder einmal ein richtig schöner, warmer Tag am türkisblauen Golf von Neapel. Der Hafen liegt schon hinter uns und wir gleiten am Vesuv vorbei. Erhaben thront der Vulkan über Neapel, die Stadt kriecht an ihm hoch. Ein aktiver Vulkan der jederzeit ausbrechen kann und die Menschen wohnen nicht nur an seinem Fuss, nein, direkt an seinen Hängen.

Im Hafen von Neapel, im Hintergrund der Vesuv.

Im Hafen von Neapel, im Hintergrund der Vesuv.

Blick auf Neapel.

Blick auf Neapel.

Als wir uns der Insel Capri nähern, beschleicht mich langsam aber sicher eine Vorahnung. Kann es sein, dass es tatsächlich so schön ist? Das Bild das sich mir beim Anlegen im Hafen von Capri bietet, ist unvergesslich. Wie auf einer Postkarte zeigt sich die Insel. Farbenfrohe Häuser reihen sich der Hafenstrasse entlang, das Meer schimmert und die Hänge sind mit einem leichten Vorhang aus Morgennebel bedeckt. Einfach wunderschön und ich gerate bereits in Fotoextase.

Die Ankunft auf Capri ist unvergleichlich.

Die Ankunft auf Capri ist unvergleichlich.

Fährhafen neben Ausflugsbooten auf Capri.

Fährhafen neben Ausflugsbooten auf Capri.

Der Hafen von Capri.

Der Hafen von Capri.

Was abschreckend ist – wie in jedem Hafen, besonders an einem Sonntag – sind die schieren Menschenmassen. Touristenströme von der Fähre kommend, gemischt mit Händlern und Tourenanbieter an Land. Ein Chaos und Geschrei, wie es eben nur an Fährhäfen gibt. Bei mir macht sich der Impuls breit, sofort wieder abzuhauen. Aber ich weiss, gerade an solchen Destinationen fahren die Leute hin um zu Essen und zu Trinken. Sobald man sich etwas aus dem Zentrum wegbewegt, begegnet man kaum mehr einer Menschenseele. So sollte es auch hier sein.

Erst muss ich mich aber jetzt durch das Zentrum von Capri quälen. Von der Fähre kommend gleich rechts am Hafen, fährt eine Zahnradbahn in das Zentrum des Dörfchens. In ein paar Minuten ist man dort und mitten auf der Piazzetta, dem touristischen Zentrum der Insel. Hier gibt es Restaurants mit überteuerten Preisen und keine ruhige Minute.

Die Piazzetta, das touristische Zentrum Capris.

Die Piazzetta, das touristische Zentrum Capris.

Ich mache mich auf eine kleine Wanderung über die Insel und fliehe somit schnellstmöglich aus dem Zentrum. Der Via Camerelle entlang geht es aus Capri Zentrum raus. An dieser Strasse sehe ich erstmal, dass Capri die Insel des Jetsets ist. Es reihen sich Designerboutiquen aneinander, Prada, Gucci und wie sie alle heissen.

Entlang der Via Camerelle reihen sich die Designerläden.

Entlang der Via Camerelle reihen sich die Designerläden.

Doch es wie erwartet, sobald ich die Strasse hinter mir gelassen habe, bin ich ziemlich alleine. Nur ganz selten kommen mir andere Wanderer entgegen und so kann ich die Insel in vollen Zügen geniessen. Die Via Tragara führt an Villen und Luxushotels vorbei, bis diese am Aussichtspunkt Tragara, von wo auch die Faraglioni zu sehen sind, die Wahrzeichen Capris. Links davon geht es die Treppe runter und hier fängt der schöne Wanderweg erst richtig an.

Entlang der Via Tragara zum Aussichtspunkt.

Entlang der Via Tragara zum Aussichtspunkt.

Hübsche Gassen verstecken sich unterwegs.

Hübsche Gassen verstecken sich unterwegs.

Aussicht entlang der Via Tragara.

Aussicht entlang der Via Tragara.

Wunderschöner Ausblick vom Tragara Aussichtspunkt.

Wunderschöner Ausblick vom Tragara Aussichtspunkt.

Gemütlich spaziere ich entlang dem Strässchen und geniesse alle paar Meter den sagenhaften Ausblick. Das Meer glitzert und die Motorboote hinterlassen schäumende Muster im Wasser. Es riecht gut, nach Sommer und nach Italien. Dieser unvergleichliche Geruch.

Mein Blick schweift zur Spitze Capo Masullo, wo die etwas eigentümliche Villa des italienisch Schriftstellers Curzio Malaparte thront. Ich beobachte Möwen, wandere durch ein Wäldchen, passiere die Grotte die Matromania. Nach einigen Treppenstufen gönne ich mir im einzigen Restaurant auf dem Weg einen frisch gepressten Orangensaft für sagenhafte 5 Euro. Danach geht es weiter zum eigentlichen Highlight, dem  Arco Naturale. Hier zeigt sich die Insel einmal mehr im Postkartenidyll und ich staune wieder, wo ich da so unverhofft gelandet bin.

Wandern auf Capri.

Wandern auf Capri.

Nicht nur mir gefällt es auf der Insel.

Nicht nur mir gefällt es auf der Insel.

Die eigentümliche Villa von Curzio Malaparte.

Die eigentümliche Villa von Curzio Malaparte.

Blumenpracht auf Capri.

Blumenpracht auf Capri.

Capri ist einfach schön!

Capri ist einfach schön!

Ich bin nicht alleine unterwegs auf Capri...

Ich bin nicht alleine unterwegs auf Capri…

Der Arco Naturale auf Capri.

Der Arco Naturale auf Capri.

Nun führt der Fussweg auf der Via Matermania wieder zurück nach Capri, mitten auf die Piazzetta. Irgendwo in der Stadt suche ich mir ein schattiges Plätzchen und geniesse mein wohlverdientes Mittagessen, welches aus einem Sandwich Caprese besteht. Dieses Esse ich sehr langsam und genussvoll, schliesslich habe ich 12 Euro dafür bezahlt. Ausser Eiscreme das günstigste, was die Karte hergibt! Ja, Capri kostet was. Hier gibt es nichts günstig und schon gar nicht umsonst. Aber wunderschön ist es!

Zurück auf der Via Matermania.

Zurück auf der Via Matermania.

Eine kleine Rast unterwegs...

Eine kleine Rast unterwegs…

Ich laufe planlos durch das Städtchen, lasse mich treiben und überraschen, wo es mich hinverschlägt. Die Insel ist nicht gross und Capri Stadt erst recht nicht. Daher habe ich schnell einen Überblick und lande schliesslich im Botanischen Garten, welcher den Ausblick auf die Via Krupp erlaubt.

Dieser Serpentinenpfad ist eine Fussgängerverindung zum Meer und wurde 1900 vom deutschen Industriellen Friedrich Alfred Krupp angelegt, welcher sich in den Wintermonaten auf Capri aufhielt. Heute ist die Strasse eine Touristenattraktion und ein beliebtes Fotomotiv.

Die Via Krupp auf Capri.

Die Via Krupp auf Capri.

Gelati gehört auf Capri natürlich auch dazu!

Gelati gehört auf Capri natürlich auch dazu!

Die Insel bietet an allen Ecken tolle Ausblicke. Den schönsten habe ich aber vom Aussichtspunkt Cannone genossen. Hier bin ich eher zufällig gelandet. Neben der Kirche am Hauptplatz geht rechts davon ein Gässchen hoch, welchem ich auf gut Glück gefolgt bin. Zuoberst angekommen bietet sich mir ein Ausblick so schön, dass ich dort eine ganze Weile sitzen bleibe.

Auch hier gilt, quasi kein Mensch kommt dahin, weil man sich ja bewegen muss. Für viele ein Hindernis, wie es scheint. Zu beiden Seiten bewundere ich die wunderschöne Insel, das Meer, die Möwen und geniesse einfach meine Zeit hier. Capri ist ein Traum!

Zum Aussichtspunkt Cannone.

Zum Aussichtspunkt Cannone.

Eine herrliche Aussicht vom Punta Cannone.

Eine herrliche Aussicht vom Punta Cannone.

Capris beste Aussicht: Der Punta Cannone.

Capris beste Aussicht: Der Punta Cannone.

Reisetipps

  • Capri besuchen über 90% der Touristen als Tagesausflug. Die Insel ist sehr teuer, Unterkünfte kosten um die 200 Euro und auch die Essenspreise sind happig.
  • Vom Hafen von Neapel legen täglich mehrere Fähren ab nach Capri. Je nachdem dauert die Überfahrt 50 bis 90 Minuten. Genauere Informationen gibts bei Capri Tourism (Zeitplan zum download). Die Anfahrt ist auch von Sorrento möglich.
  • Die Kosten für die Überfahrt von Neapel nach Capri sind pro Weg zwischen 13 und 18 Euro.

Warst du auch schon auf Capri und bist so begeistert davon?

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