Mexiko

San Cristóbal de las Casas – Die Perle im Hochland Chiapas

San Cristóbal de las Casas - Die Perle im Hochland Chiapas

Meine erste Station in Mexiko ist San Cristóbal de las Casas und schon als ich ankomme merke ich, dass das ein Ort meines Geschmacks ist. Auf dem Weg zu meinem Hostel komme ich aus dem Staunen kaum raus. Die Kolonialarchitektur beeindruckt mich und auch, dass hier anscheinend alles gepflegt und restauriert wird. An vielen Gebäuden gibt Arbeiter die auf einem Gerüst rumturnen und die alten Gebäude aufwändig restaurieren. Ein so reiches koloniales Erbe haben einige Orte, besonders in Zentral- und Südamerika, aber noch lange nicht überall wird mit so viel Hingabe gepflegt.

Beeindruckende Architektur in San Cristobal de las Casas in Mexiko.

Der Ort liegt im Hochland Chiapas auf 2100 Metern. Daher ist es tagsüber schön angenehm warm, aber nachts kann es empfindlich kalt werden. Sehr kalt sogar. Als ich die Stadt im Februar besucht habe, sank das Thermometer bis zu 4 Grad! Für mich ein kleiner Schock, ich bin mir solch tiefe Temperaturen mittlerweile nicht mehr gewohnt.

San Cristóbal de las Casas ist einer der wenigen touristisch erschlossenen Orte in Chiapas, ist aber nicht sonderlich bekannt. 1994 gelangte er für kurze Zeit ins Bewusstsein der Weltöffentlichkeit, da die Zapatisten hier ihren Aufstand begannen. Mittlerweile ist der Ort aber ruhig und der Tourismus nimmt auch hier ihren Lauf. Es ist aber noch sehr ruhig und gemütlich, die Menschen sind freundlich und neugierig.

San Cristobal de las Casas in Mexiko ist eine Augenweide - überall gibt es wunderschöne Bauten.

Um mir einen Überblick über die Stadt zu verschaffen, kämpfe ich mich erstmals die vielen Treppenstufen zum Cerro San Cristóbal rauf. Darauf steht – wie ist es in Mexiko auch anders zu erwarten – natürlich eine Kirche. Der Ausblick über die Stadt ist fantastisch.

Aber noch besser gefällt mir die Sicht von der Kirche Guadalupe. Von beiden Kirchen habe ich zwar eine andere Sicht auf die Stadt, aber ein Besuch lohnt sich bei beiden. Überhaupt, in der ganzen Stadt gibts so viele Kirchen! Wirklich an jeder Ecke. Ein paar sehe ich mir auch von Innen an. Sie sind zwar alle ganz schön, aber nicht wirklich speziell. Die speziellste Kirche die ich je gesehen habe steht in Chamula, ganz in der Nähe, aber dazu später mehr.

Aufstieg zur Kirche Guadaloupe in San Cristobal de las Casas.Aussicht vom Cerro San Cristobal in Mexiko.

In San Cristóbal de las Casas gibt nämlich noch etwas ganz anderes zu entdecken: Der lokale Markt. Es gibt zwar in jedem Kaff einen lokalen Markt, aber der in San Cristóbal ist ganz besonders schön.

Er ist sehr ursprünglich, Touristen und Einheimische vermischen sich hier wunderbar. Es gibt alles zu kaufen, was ein Mexikaner so zum Leben braucht. Das Angebot ist nicht auf Touristen ausgelegt, was ein Bummel über den Markt erst recht spannend macht. Irgendwann verliere ich mich sogar in den verwinkelten Gassen, aber das macht nichts. Ich laufe einfach weiter und schaue mir die Berge voller leuchtender Früchte an, bedaure die kopfüber aufgehängten Hühner und schnuppere an den frischen Schnittblumen.

Der lokale Markt in San Cristobal de las Casas.Ein organisiertes Chaos - Der Markt in San Cristobal de las Casas in Mexiko.Auf dem Markt in San Cristobal de las Casas in Mexiko gibt es fast alles zu kaufen.Berge von Früchten und Gemüse auf dem lokalen Markt in San Cristobal de las Casas in Mexiko.

Am Wochenende und Abends trifft sich die halbe Stadt am Zocalo, dem Hauptplatz der Stadt, oder auch vor der Kathedrale San Cristóbal Mártir. Dort wird dann der Tratsch des Tages ausgetauscht, Cornets gegessen und flaniert. Es macht Spass, sich einfach hinzusetzen und zuzuschauen und mit der Person nebenan ein Schwätzchen zu halten.

Flanieren am Zocalo in San Cristobal de las Casas in Mexiko.Abends ist die Stimmung in der Nähe des Zocalos in San Cristobal de las Casas ganz besonders schön.Tratschen, Sehen und Gesehen werden - Darum gehts abends in San Cristobal de las Casas.

 

Ausflug nach San Juan Chamula

Vieles habe ich über die Kirche in Chamula gelesen. Patrick und Katrin beispielsweise haben von diesem Ausflug geschwärmt. Und diese spezielle Kirche, in der Fotos verboten sind, wollte ich natürlich auch erleben.

Es gibt überall in der Stadt Touren nach Chamula, die man buchen kann. Das ist aber gar nicht notwendig, denn in der Calle Honduras fahren mehrmals stündlich Collectivos hin, was nur ein paar Pesos kostet. Auch von Chamula zurück nach San Cristóbal gehts ganz einfach per Collectivo (Sammeltaxi). Die Fahrt dauert je nach Stopps 30-40 Minuten.

Viele Leute sind in Jamula unterwegs.Der Maya Karneval in Jamula, Nähe San Juan de las Casas in Mexiko.

Als ich in Chamula ankomme, bin ich erstaunt über die vielen Leute. Es ist Sonntag und zusätzlich Markttag, daher schiebe ich das diesem Umstand zu. Als aber von allen Seiten musizierende Gruppen ins Dorf ziehen bemerke ich, dass heute etwas anders ist als sonst. Und tatsächlich: Es ist Maya Karneval.

Der Maya Karneval in Jamula.Der Maya Karneval in Jamula, Mexiko.

Ich habe keine Ahnung gehabt, aber freue mich unheimlich, dass ich spontan diese Feier erleben darf. Es scheint jedenfalls ein Männerfest zu sein, denn die Musiker die durch die Strassen ziehen, sind vor allem Männer, die in schöne Kostüme gehüllt sind. Auch die Männer, die den Umzug begleiten, sind in hübsche Trachten gehüllt, die einen in weisse Felle, die anderen in schwarze. Was genau das aber bedeutet, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Die Menschen sind sehr in ihre Umzüge eingespannt und ich bleibe mitten in diesem Spektakel lieber am Rande, als stille Beobachterin.

Männer in ihren Trachten am Maya Karneval in Jamula, Mexiko.Beim Maya Karneval fliesst auch nicht wenig Alkohol.

Viele Mayas sprechen hier Spanisch als Zweitsprache, ihre Muttersprachen sind so verschieden wie die unterschiedlichen Stämme. Als Tourist sollte man immer fragen bevor man von jemandem ein Foto machen will, denn Personen zu fotografieren, ist von den Mayas nicht gerne gesehen.

Aber wozu ich ja eigentlich hergekommen bin, ist die Kirche. Schon von aussen sieht sie sehr schön aus, so ganz anders als die protzigen Bauten der Eroberer. Der Eintritt kostet 20 Pesos und im Inneren ist das Fotografieren strengstens verboten.

Maya Karneval in San Juan de Jamula in Mexiko.

Beim Betreten der Kirche wandelt sich die Stimmung schlagartig. Weihrauch schlägt mir entgegen, hunderte Kerzen flackern im Luftzug, Blumen hängen von den Wänden herunter und der Boden ist voller Tannennadeln. Ganz wenig fühle ich mich an Weihnachten erinnert. Beim Näherkommen flankieren mich die Heiligenstatuen auf beiden Seiten, die von einem Priester immer wieder mit Weihrauch umrundet werden. Bänke gibt es keine, die Menschen sitzen in Gruppen am Boden und zünden auf Knien fleissig Kerzen an. Ab und zu wird hier von Schamanen auch mal ein Huhn geschlachtet. Katholizismus und uralte Traditionen vermischen sich.

Ich bin fasziniert und halte mich eine ganze Weile in der Kirche auf, staune und beobachte. Schon nur wegen dieser Kirche hat sicher die Fahrt nach Chamula gelohnt, noch nie habe ich auch nur etwas ähnlich faszinierendes gesehen.

Nicht alle nehmen das Fotoverbot gleich ernst wie ich. Bei Google gibt es ein paar Bilder vom Innern, die sind aber mehr schlecht als recht und dem tatsächlichen Geschehen werden sie keinenfalls gerecht. Aber so hast du wenigstens eine ungefähre Vorstellung davon, wie es dort aussieht.

Und da es Sonntag und Karneval gleichermassen ist, gibts natürlich auch einen grossen Markt. Manche Dinge sind überall auf der Welt gleich.

Markt in Jamula, Mexiko.Jamula hat einen grossen Markt.

 

Unterkunft

San Cristóbal de las Casas hat viele tolle Unterkünfte in allen Preisklassen. Ich entscheide mich für das Rossco Backpackers Hostel und bin vollauf zufrieden. Das Rossco hat Privatzimmer und Mehrbettenzimmer, so gibts also für alle Bedürfnisse etwas. Die Zimmer sind geräumig und auf dem ganzen Anwesen gibt es sehr gut funktionierendes Wifi.

Das Frühstück ist inbegriffen, ist aber wie an den meisten Orten nichts wahnsinniges: Toast, Marmelade und etwas Früchte. Aber die Küche kann mitbenutzt werden und wer will, kann sich so auch sein eigenes Essen zubereiten. Das Rossco Backpackers hat einen schönen Innenhof mit einem Garten, wo sich auch immer die zum Hostel gehörenden Hunde und Katzen aufhalten. Abends gibt es jeweils ein Lagerfeuer im Garten – bei den Temperaturen perfekt. In Mexiko gibt es nämlich keine Heizungen im Zimmer, daher ist es schön, sich am Feuer aufzuwärmen und so auch weitere Reisende kennenzulernen. Für die kalte Nacht stehen aber genügend Decken zur Verfügung und so es wird kuschelig warm.

Das Rossco Backpackers in San Cristobal de las Casas besitzt ein schönes Anwesen.Im Rosscos Backpackers gibt es Einzel- und auch Mehrbettzimmer.

Besonders gefällt mir aber, dass es so viele Rückzugsmöglichkeiten gibt. Ein Lesezimmer mit Sofa steht ebenso zur Verfügung, wie eine hübsche Dachterrasse mit Ausblick zur nächsten Kirche, die natürlich gleich um die Ecke ist.

Die Lage ist sehr gut, nicht ganz mitten im Zentrum, sondern ein paar Blocks entfernt. Ich bin jedoch innerhalb ein paar Minuten bei der nächsten Kirche (ist ja klar) und auf einem Markt. Ess- und Ausgehmöglichkeiten sind ganz in der Nähe, ebenso wie Geldwechselstuben, Wäschereien und alles was das Backpacker-Herz sonst noch so begehrt.

Im Rosscos Backpackers gibt es viele Rückzugsorte.Eine tolle Aussicht im Rosscos Backpackers gibts auf der Dachterrasse.

San Cristóbal de las Casas ist ein perfekter Einstieg in Mexiko. Meiner Meinung nach viel besser als Cancun oder sonst irgendwo in Yucatan. Die Stadt setzt andere Massstäbe, ist traditionell, aber gleichzeitig touristisch erschlossen.

Fährt man nur ein paar Kilometer in die umliegenden Dörfer, werden längst verlorengeglaubte Mayatraditionen lebendig und Spanisch ist fast eine Fremdsprache. So ist Mexiko richtig faszinierend!

Mexiko, immer eine Reise wert.

 

Warst du auch schon in San Cristóbal de las Casas? Was hat dir am besten gefallen dort?

**Das Rossco Backpackers hat mir die Unterkunft zur Verfügung gestellt. Wie immer kannst du dir sicher sein, dass meine Meinung meine eigene ist.**

Über die Autorin

Hauptsache unterwegs - egal ob alleine, als Paar oder mit der ganzen Familie. Von der Langzeitreise als Backpackerin bis hin zur Familienreise vor der Haustüre geht alles. Einen besonderen Fokus setze ich auf das Thema Nachhaltigkeit. Komm mit und entdecke mit mir die Welt. Es gibt noch so viele Abenteuer zu erleben!

18 Kommentare

  • Step
    23. März 2015 um 9:19

    klingt super – erinnert mich auch sehr an die orte im hochland von guatemala, die ebenfalls sehr stark von der maya kultur geprägt sind. ich kenne von mexiko bisher nur cancun (furchtbar) und dessen umgebung (chichen itza, coba, tulum, playa del carmen, isla mujeres). das herz von chiapas liegt aber sehr weit oben in meiner prioritätenliste – nach dem bericht hier jetzt noch mehr. mit ausnahme der 4 grad in der nacht vielleicht 😉

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    • Sarah
      23. März 2015 um 22:49

      Ja, die Kälte in der Nacht ist nicht sehr verlockend. Trotzdem ist San Cristobal eine Reise wert – unbedingt sogar! Es ist wirklich eine ganz besonders schöne Stadt und eben auch die Dörfer rund herum.

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  • Patrick
    23. März 2015 um 11:32

    Ach ja, ich merke gerade, dass mir Mexiko ein bisschen fehlt 🙂 Es ist schon schön dort, gerade auch in San Cristobal. Nur etwas frisch.

    Antworten
    • Sarah
      23. März 2015 um 22:48

      Wunderschön in San Cristobal. Wenn nur das mit dem frisch nicht wäre… 🙂

      Antworten
  • Simon
    25. März 2015 um 15:41

    Ciao Sarah

    hach ja, auch ich vermisse Mexiko 🙂
    Eine Anmerkung zu dem Ausflug. Ich habe es tatsächlich bei Patrick auch gelesen, dass der Ausflug ohne Führung einfach und günstig geht.

    Trotzdem haben wir uns für eine Führung entschieden. Eine Guided-Tour macht man ja nicht, weil man nicht weiss, dass es ohne günstiger geht, sondern vielmehr, da man mit einem Guide sehr viel mehr Hintergrundwissen mitbekommt. Möglich ist eine Tour ja immer ohne Guide.

    Ich finde es auf einer Tour unheimlich spannend und bisher immer lohnenswert, wie auch in diesem Fall (wenn auch nicht der günstigste Weg, einen Ort zu besuchen). Gerade das Hintergrundwissen zur Kirche, den Ritualen, den Leuten und ihren Lebensstilen ist unbezahlbar.

    Lieber Gruss, Simon

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    • Sarah
      27. März 2015 um 4:16

      Klar, ein Guide bietet immer sehr viel mehr Hintergrundwissen und eine Menge an Informationen. Jeder muss immer vor Ort für sich entscheiden, was es einem Wert ist und ob man einen Guide will. Aber du weisst das ja selbst am besten, gerade auf Weltreise, kann man sich nicht immer und überall einen Guide leisten. Ich mache das gelegentlich, aber wie in Chamula, eben nicht immer. Wer mehr Hintergrundwissen über die dortigen Tradtionen möchte, ist damit aber sicher gut bedient.

      Antworten
      • Simon
        27. März 2015 um 9:07

        Liebe Sarah
        Bin 100% mit dir einig.
        Lieber Gruss, Simon

        Antworten
  • Stef
    29. März 2015 um 22:11

    Oh danke, der Post kommt genau richtig, werde in ca. einem Monat dort sein.

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  • Katharina
    15. Februar 2018 um 0:44

    Hahahaha 🙂 Ich musste sehr schmunzeln, als ich über Google auf deinen Artikel gestoßen bin. Mir ist nämlich vor zwei Tagen haargenau das gleiche in San Juan Chamula passiert! Ich dachte noch, Mensch, diese Kirche scheint ja wirklich SEHR beliebt zu sein, und schwupps war ich mittendrin im Karneval und musste mich vor dem Bullen in Sicherheit bringen. Echt ein tolles Erlebnis (und die Sache mit den Fellen konnte ich ebenfalls nicht in Erfahrung bringen :-)).

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    • Sarah Althaus
      16. Februar 2018 um 13:52

      Haha, super! Das ist schon eine ziemliche Überraschung, wenn man eigentlich nur eine Kirche bestaunen will und dann ganz plötzlich mitten im Maya-Karneval steht!

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