Ab in die Berge: Gran Canaria einmal anders

Was siehst du vor deinem inneren Auge, wenn du an Gran Canaria denkst? Hotelbunker? Partyvolk? Volle Strände und Massentourismus? Es kann gut sein, dass du genau das alles im Süden der Insel finden würdest. Deswegen habe ich die Kanareninsel immer schön links liegen gelassen – not my style. Dachte ich jedenfalls.

Nun mit Baby unterwegs, erschien mir Gran Canaria als optimale Destination für einen ersten Familienurlaub. Mit der Hoffnung, dass meine Tochter das Reisegen geerbt hat (Spoiler: Zum Glück, ja!), sind wir also mit der Idee auf die Kanareninsel geflogen, dass es doch auch eine andere Seite geben musste. Ein ursprünglicheres Gran Canaria, abseits des Massentourismus und den Bettenburgen.

Geht Gran Canaria auch anders?

Geht Gran Canaria auch anders?

Der erste Schritt für uns war, eine entsprechende Unterkunft zu buchen. Wir haben uns spontan für eine Finca im Landesinnern entschieden. Wir haben eine Top Unterkunft gefunden und sogar in einer Höhle gewohnt! Auf den Kanaren gibt es ganze Dörfer mit Wohnungen, die in den Berg gebaut sind. Ein Erlebnis ist es allemal.

Daheim in Fontanales

Fündig geworden sind wir in der Nähe von Fontanales. Hier, mitten in den Kanarischen Bergen auf 1000 Meter Höhe, haben wir unser Haus gefunden. Schön abgelegen, alleine wäre es niemals zu finden. Deswegen treffen wir die Vermieterin in einer Kneipe in Fontanales.

Unser Ferienhaus ist sozusagen eine Höhle, direkt in den Stein gebaut, was für uns eine Überraschung ist. So haben wir das nicht erwarten, aber wir sind begeistert. Fontanales hat ansonsten nicht viel zu bieten. Es ist ein hübsches Bergdörfchen, viel mehr gibt es dazu aber nicht zu sagen. Für uns aber eine perfekte Location, um das Landesinnere der Insel und die Strände im Norden und Osten zu erkunden. Und vom Landesinnern möchte ich hier etwas mehr erzählen…

Unsere Höhlenwohnung in Fontanales.

Unsere Höhlenwohnung in Fontanales.

Eine Finca im Inselinnern Gran Canarias.

Eine Finca im Inselinnern Gran Canarias.

Pool mit Aussicht!

Pool mit Aussicht!

Dorfleben in Moya

Ein kleines Bergdörfchen, nicht weit von unserer Unterkunft entfernt, ist Moya. Es ist ruhig, unaufgeregt und lädt zu einem kleinen Spaziergang ein. Eine hübsche Fussgängerzone führt durch das Zentrum, hier lohnt sich die Einkehr in eine kleine Kneipe oder eine der verführerischen Bäckereien. Am Ende der Fussgängerzone gelangen wir zur Kirche Nuestra Senora de la Candelaria, welche am Steilhang oberhalb der Schlucht von Moya erbaut worden ist. Die Aussicht ist herrlich, hier lassen sich ein paar ruhige Minuten geniessen.

Des weiteren besuchen wir in Moya das Geburtshaus von Tomás Morales, welches heute ein Museum ist und alles über das Leben des Poeten hergibt. Moya ist top für alle, die das Unaufgeregte suchen und in Ruhe auf der Insel ankommen wollen.

Fussgängerzone in Moya.

Fussgängerzone in Moya.

Blick auf Moya.

Blick auf Moya.

Zur Wallfahrt nach Teror

Ein wunderschöner Ort und bestens geeignet, um traditionelles Kleinstadtleben auf der Insel kennenzulernen, ist Teror. Auch wenn der Name beim ersten Hören etwas abschrecken kann, sollte  das Städtchen auf jeden Reiseplan gehören. Es ist tatsächlich wunderschön, was es vor allem seinen architektonisch vielfältigen Balkone geschuldet ist. Eine Augenweide für alle, die einen Spaziergang durch das Städtchen machen.

Teror ist auf Gran Canaria vor allem bekannt für die Basilika mit der Virgen del Pino, die Schutzheilige der Insel. Die Stadt ist ein Wallfahrtsort mit besonderer Bedeutung für die Einwohner Gran Canarias. Die Kirche ist nicht zu verfehlen, da sie direkt im Zentrum des Ortes, an der Plaza de Teror steht. Hier ist der Mittelpunkt des Ortes, das Zentrum des Lebens von Teror und es lohnt sich, eines der angrenzenden Cafés zu besuchen und einfach dem Treiben zu zu schauen.

Teror ist ein Wallfahrtsort auf Gran Canaria.

Teror ist ein Wallfahrtsort auf Gran Canaria.

Architektonisch ist Teror eine Augenweide.

Architektonisch ist Teror eine Augenweide.

Höhlenwohnungen in Artenara

Der Ortskern von Artenara liegt auf 1269 Meter. Das ist zwar noch nicht der höchste Punkt der Gemeinde, diese ist jedoch die am höchstgelegene der Insel. Artenara ist unbedingt einen Besuch wert. Der Ort ist zwar sehr klein und hat nur wenige Einwohner, aber es gibt einiges, was ein Besuch hier rechtfertigt. Das schöne Dorfbild tut das seine, dass ich mich hier gleich von Beginn weg wohl fühle. Viele der Häuser sind Höhlen, die in Stein gehauen sind, genau wie unsere Ferienwohnung. Auf den ersten Blick ist die manchmal fast nicht zu erkennen, bei genauerem Hinsehen, ist die spezielle Bauweise jedoch gut zu erkennen. Zu den Höhlenwohnungen gibt es auch ein eigenes Museum im Ort.

Höhlenwohnungen in Artenara.

Höhlenwohnungen in Artenara.

Artenara, ein wunderschönes Dörfchen.

Artenara, ein wunderschönes Dörfchen.

Unterwegs in Artenara auf Gran Canaria.

Unterwegs in Artenara auf Gran Canaria.

In und um Artenara gibt es einige Aussichtspunkte. Gleich am Ortseingang ist der Mirador de la Atalaya zu finden, welcher einen schönen Blick über die Gemeinde ermöglicht. Dies gibts ebenso von der grossen Christusstatue, die über Artenara wacht. Gleich hinter der Kirche gibt es eine schöne Aussichtsplattform, der Mirador de Unamuno, wo it dem Roque Nublo, dem Roque Bentaiga und der Caldera von Tejeda das Zentrum der Insel bestaunt werden kann. Hier nehme ich das erste Mal bewusst war, wie gross die Insel eigentlich ist.

Die Aussicht geniessen in Artenara.

Die Aussicht geniessen in Artenara.

Ein weiteres Highlight ist die kleine Höhlenkapelle von Artenara. Diese findet man ganz einfach, in dem man an der Hauptkirche und dem Museum vorbeiläuft und einem kleinen Weg bergauf folgt, der an vielen Höhlenwohnungen vorbeiführt. Oben angekommen lohnt nicht nur der Blick in die kleine Kapelle, sondern auch die Aussicht über die Schlucht von Tejeda.

Empfehlen möchte ich hier auch den Shop Arte Gaia, gleich unterhalb der Plaza an der Hauptstrasse, welcher auch als Café dient. Hier kann man gut rumstöbern und einige Mitbringsel erstehen. Von den bekannten Saucen Mojo Rojo und Mojo Verde, über Honig bis hin zu Wein oder dem kanarischen Rum – hier gib es alles hausgemacht zu erstehen.

Artenara ist ein wunderschönes kleines Dörfchen, was ich unbedingt zu besuchen empfehle. Wer auch eine Bleibe im Inselinnern sucht und den Massentourismus entgehen möchte, findet hier bestimmt auch eine tolle Unterkunft.

Artenara auf Gran Canaria.

Artenara auf Gran Canaria.

Schönheiten auf Gran Canaria.

Schönheiten auf Gran Canaria.

Artenara, das höchstgelegene Dorf auf Gran Canaria.

Artenara, das höchstgelegene Dorf auf Gran Canaria.

Wanderung zum Roque Nublo

Bereits von weit her ist der Roque Nublo, das Wahrzeichen Gran Canarias, immer wieder zu sehen. Der mahnende Felsfinger rückt immer wieder ins Blickfeld, vor allem, als wir das Dorf Antanara besucht haben. Klar, dass wir uns den näher ansehen wollen!

Wir fahren also direkt darauf zu. Schon seit ein paar Tagen sind wir im Innern der Insel unterwegs und die Bergstrassen sind wir uns mittlerweile gewohnt. Diese führen auch zum Roque Nublo, welcher auf dem immerhin 2000 Meter hohen Gipfelregion Cumbre liegt, welche von der UNESCO zum Biospährenreservat erklärt worden ist.

Der Roque Nublo, da wollen wir hin!

Der Roque Nublo, da wollen wir hin!

Wir wissen so vage, dass es irgendwo einen Parkplatz gibt, von wo man in angeblich 40 Minuten zum Roque Nublo hinlaufen kann. Durch unsere ungenauen Infos (oder durch etwas Glück), halten wir aber bereits ca. 15 Minuten vorher auf der GC-60 bei ein paar Parkplätzen an und starten hier die Wanderung. Dass das nicht „der“ Parkplatz war von dem alle reden, wird uns spätestens bewusst, als wir mehr oder weniger alleine auf der Strecke sind. Zuerst haben wir sogar etwas Mühe den Einstieg zu finden, aber dann geht es bergauf und -ab zu einem kleinen Stausee. Die Umgebung ist wunderschön, wir sehen auf die weite der Insel, Passstrassen und Berge hinunter. Gran Canaria kann tatsächlich was, und nicht nur Massentourismus! Hier ist es ruhig, schön und menschenleer.

Wandern auf Gran Canaria.

Wandern auf Gran Canaria.

Herrliche Ausblicke unterwegs!

Herrliche Ausblicke unterwegs!

Der Weg wechselt sich flache Teilstücke mit steilen Aufstiegen, aber immer gibt es vieles zu sehen und die Wälder und Lavablöcke lassen uns staunen. Das erste Mal mit Baby wandernd, sind wir nicht besonders schnell unterwegs. Als wir den Roque Nublo vor uns auftauchen sehen, sind wir dennoch erstaunt, wie weit entfernt er noch ist.

Hier versuchen wir abzuschätzen, wie weit die Strecke wohl noch ist. Schliesslich sind wir schon eine Stunde unterwegs. Ein Paar, welches uns entgegenkommt meint, dass es wohl nochmals so 1-1.5 Stunden seien bis zum Ziel. Auf Grund dessen und des fortgeschrittenen Nachmittags entschliessen wir uns, nicht bis zum Roque Nublo hochzulaufen und stattdessen hier umzudrehen. Oben würden wir ja auch noch Zeit brauchen und den selben Weg sollte es wieder zurück gehen. Für uns und unsere kleine Tochter zu viel und wir drehen also auf halber Strecke um.

Fundstücke auf der Wanderung.

Fundstücke auf der Wanderung.

Für uns ist dies aber völlig in Ordnung und tut der Schönheit der Strecke überhaupt keinen Abbruch. Wir geniessen die Wanderung voll und ganz und der Roque Nublo ist von weitem ja schlussendlich noch schöner anzuschauen. Ohne Baby wären wir weiter gewandert und ich würde diese Strecke auch unbedingt allen empfehlen, anstatt die normale Touristenroute vom grossen Parkplatz aus zu nehmen. Dort fahren wir nämlich später vorbei und sind froh, dass wir vorher gestoppt haben. Massentourismus pur.

So sieht das Innere Gran Canarias aus!

So sieht das Innere Gran Canarias aus!

Überraschende Aussichten auf Gran Canaria.

Überraschende Aussichten auf Gran Canaria.

Abendstimmung am Cruz de Tejeda

Der höchste Pass Gran Canarias ist das Cruz de Tejeda, wo einige Landstrassen zusammenkommen. Obwohl es ansonsten hier nichts zu sehen oder tun gibt, ist es immer voll. Das liegt nicht nur an den Strassen die hier zusammenkommen, sondern auch an der Beliebtheit der Strecke für Biker. Schliesslich wollen alle über den höchsten Pass fahren. Lohnen tut sich dieser vor allem der Aussicht wegen, welche es tatsächlich in sich hat. Am besten lässt sich hier die Abendstimmung geniessen, wenn Nebelschwaden über die Berge ziehen und gleichzeitig die Sonne die umliegenden Berge in ein Schattenspiel verwandeln. Atemberaubend und empfohlen zum nachmachen!

Der Nebel kommt!

Der Nebel kommt!

Abendstimmung am Cruz de Tejada.

Abendstimmung am Cruz de Tejeda.

Traumhaft!

Traumhaft!

Reiseinformationen

  • Anreise: Germania fliegt direkt ab Zürich in 4.5 Stunden nach Las Palmas de Gran Canaria.
  • Unterkunft: Unter Naturacanaria gibt es unsere Höhlenwohnung zu mieten. Auch weitere Unterkünfte sind im Angebot. Preis-/Leistungsverhältnis Top, sauber, freundlich, mit Pool und meinerseits sehr zu empfehlen.
  • Mietwagen: Wer das Innere der Insel erkunden will, empfehle ich einen Mietwagen. Höchste Flexibilität ist so gewährleistet, Serpentinen fahren muss man aber mögen!

    Überraschendes Gran Canaria!

    Überraschendes Gran Canaria!

Gran Canaria hat uns voll überrascht. Das Klischee von Hotelbunker, Bettenburgen und Touristen in Sandalen und weissen Socken haben wir, zum Glück, nicht gefunden. Es kann gut sein, dass man diese Vorurteile bestätigt bekommt – im Süden an Stränden wie Playa del Inglés. Aber im bergigen Innern der Insel ist davon nicht zu sehen. Hier werden alle glücklich die in die Natur wollen, das Wandern mögen und gerne Bergstrassen fahren. Ausserdem ist Gran Canaria viel grösser, als wir erwartet haben. Von all den Dörfern im Innern der Insel, die wir gerne gesehen hätten, sind noch einige Aussen vor geblieben. Wer weiss, vielleicht das nächste Mal? Aber erst haben wir auch noch die Küste im Norden und Westen erkundet. Und davon gibts demnächst mehr auf meinem Blog.

Wie hat Gran Canaria auf dich gewirkt? Hast du das Innere der Insel auch erkundet?

Meine Reise nach Gran Canaria wurde von Germania Schweiz und dem Spanischen Fremdenverkehrsamt unterstützt. Herzlichen Dank. Mein Programm habe ich aber selbst bestimmt und auch sonst wurde diese Reise davon nicht beeinflusst.

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