Gran Canarias Norden – Wilde Buchten und einsame Wanderungen

Die Kanarieninsel Gran Canaria hat uns bereits überzeugt. Von unserer Reise im Inselinnern durften wir unsere Vorurteile abgeben und uns eines besseren belehren lassen. Wir haben bemerkt, dass Gran Canaria weit mehr kann als Massentourismus und sind eine ganze Woche Bergstrassen gefahren, durch Wälder gewandert und haben Bilder gesehen, die wir so nicht mit der Insel in Verbindung gebracht hätten. Oder denkst du bei nebelverhangenen Gipfeln, Lorbeerwäldern und Wanderungen auf fast 2000 Metern Höhe an Gran Canaria?

Aber natürlich haben wir es uns auch nicht nehmen lassen, die Strände zu geniessen. Denn schliesslich sind wir auf einer Insel und ich liebe das Meer über alles. Da wir den touristischen Süden umgehen wollten, haben wir uns einfach in die genau entgegengesetzte Richtung aufgemacht und uns den Norden der Insel angesehen.

Hauptstadtflair und Stadtstrandleben 

Früher oder später landen alle irgendwann in der Hauptstadt Las Palmas de Gran Canaria. Bei uns war es schon am ersten Tag soweit, am 25. Dezember. Da in unserem Dorf alle Läden wegen den Weihnachtsfeiertagen geschlossen waren, hofften wir, dass wir in der Hauptstadt zu was essbarem kommen würden. Schliesslich haben wir eine Ferienwohnung und müssen selber kochen.

Was einige als Vorteil anschauen, könnte ich gut umgehen und jeden Tag drei Mal unterwegs essen. Ich mag es, die landestypische Küche auszuprobieren und finde das Einkaufen für eine Woche immer etwas mühsam. Es müssen Basics wie Salz, Öl oder Butter angeschafft werden, die wir dann nie in einer Woche aufessen können. Mit nach Hause nehmen ist manchmal nicht möglich und die Nachmieter essen in der Regel kein angefangenes Essen. Auch wenn es nur Butter ist. Bei uns endet es damit, dass wir jeden Abend Pasta kochen. Das war ja irgendwie vorhersehbar.

Aber zurück zu Las Palmas. Abgesehen von ein paar Bäckereien haben wir keine Läden gefunden die geöffnet waren, haben uns aber die Altstadt von Las Palmas angesehen. Die Stadt an sich ist bereits viel grösser, als ich sie mir vorgestellt habe und die Altstadt kann gut mit Städten auf dem spanischen Festland mithalten. Es gibt einiges zu sehen!

Die Altstadt von Las Palmas de Gran Canaria.

Die Altstadt von Las Palmas de Gran Canaria.

Unterwegs in Las Palmas auf Gran Canaria.

Unterwegs in Las Palmas auf Gran Canaria.

Typische Häuserfronten in Las Palmas.

Typische Häuserfronten in Las Palmas.

Las Palmas: Architektonisch interessant.

Las Palmas: Architektonisch interessant.

Natürlich haben wir uns auch noch einen Strand zu Gemüte gezogen und haben den Playa de las Canteras im Norden der Stadt besucht. Es ist ein hübscher Strand, aber eben ein Stadtstrand. Die unschönen Bauten im Hintergrund tun ihr eigenes, um die Umgebung zu verschandeln. Für einen ersten Blick über den Horizont und die Füsse mit klarem Meerwasser zu umspülen, reicht es aber allemal.

Playa de las Canteras in Las Palmas auf Gran Canaria.

Playa de las Canteras in Las Palmas auf Gran Canaria.

Las Palmas de Gran Canaria.

Las Palmas de Gran Canaria.

Wildes San Felipe

Im Norden der Insel gibt es unzählige Strände, die praktisch leer sind. Natürlich ist in den Sommermonaten mehr los als über die Weihnachtszeit, da es in der Regel zu kalt zum Baden ist. Im Süden Gran Canarias ist zwar auch im Winter Badezeit, denn das Klima unterscheidet sich drastisch von der viel kühleren Nordseite der Insel. Dementsprechend finden sich im Norden auch kaum Badetouristen und die Strände gehören den Einheimischen. Viele der Strände sind Kieselstrände, San Felipe teils auch, aber es gibt auch Sand.

Jetzt im Winter ist das Meer wild und ein paar Surfer tummeln sich in den Wellen. Wir unternehmen einen langen Strandspaziergang und erfreuen uns an den Gewalten des Meeres. Es ist einfach viel schöner als die Badestrände im Süden.

Der wilde Strand von San Felipe.

Der wilde Strand von San Felipe.

San Felipe, einsamer Strand auf Gran Canaria.

San Felipe, einsamer Strand auf Gran Canaria.

Im Naturschwimmbad Roque Prieto

Gran Canaria zeigt sich wieder von einer ganz neuen Seite, als wir Richtung Roque Prieto fahren. Wir wollen unbedingt eines der Naturschwimmbäder besuchen und fahren zuerst Kilometer um Kilometer durch Bananenplantagen. Bisher war mir gar nicht bewusst, dass auf den Kanaren so viele Bananen angebaut werden. Dies ist bei uns eher unbekannt, da 90% der Bananen der Kanaren auf das Festland in Spanien verkauft werden und die restlichen 10% auf der Insel verbleiben. Es mutet irgendwie futuristisch an, durch die mit Plastik zugedeckten Plantagen zu fahren. Langsam dämmert es mir, was der Reiseführer im Abschnitt über Roque Prieto mit „Lokalkolorit“ gemeint hat. Hier wird angebaut, gearbeitet und nichts ist für Touristen künstlich aufgehübscht.

So sieht es auch aus, als wir bei Roque Prieto ankommen. Ein bisschen Einöde und ein paar gelangweilte Leute. Umso mehr sind wir überrascht, als wir das Naturschwimmbad entdecken: Wunderschön! Wir sind die einzigen hier und geniesse die Zeit umso mehr. Ruhe pur, keine Menschenmassen und das Meer für uns alleine. Hier kann wunderbar gebadet und die ansonsten wilde Nordküste voll genossen werden. Im Sommer wohl herrlich hier. Wir haben uns auf Grund der eher kühleren Temperaturen vom Baden abhalten lassen – und durch die rote Flagge am Strand. Wer in der Gegend ist, sollte sich ein Besuch von Roque Prieto aber keinenfalls nehmen lassen!

Unterwegs zum Naturschwimmbad Roque Prieto.

Unterwegs zum Naturschwimmbad Roque Prieto.

Roque Prieto

Roque Prieto

Käse und Kunsthandwerk in Santa María de Guía

Im kleinen Städtchen geht es beschaulich zu und her und allzu viel gibt es hier nicht zu entdecken. Die übersichtliche Altstadt ist zwar ein Spaziergang wert, extra dahin fahren muss dafür aber niemand. Das alltägliche kanarische Leben lässt sich auf dem Plaza Mayor besonders gut beobachten – auch am Dienstag und Sonntag Vormittag. Da findet nämlich auf dem Plaza Grande der Kunsthandwerksmarkt statt. Hier können auch die bekannten Kanarischen Messer erstanden werden. Berühmt ist Santa María de Guía aber auch für etwas anderes: Dem Queso de Flor de Guía, einer Art Blütenkäse. In der Altstadt oder auf dem Markt sind viele Gelegenheiten zum Probieren vorhanden. Es lohnt sich, er ist tatsächlich super lecker.

Die Altstadt von Santa María de Guía.

Die Altstadt von Santa María de Guía.

Farbenfrohes Santa María de Guía.

Farbenfrohes Santa María de Guía.

Sardina del Norte oder die Nordsee auf Kanarisch

Wer ein Stück ursprüngliches Gran Canaria sucht, der findet es in Sardina del Norte. Das kleine Fischerdörfchen ist wohltuend unspektakulär und lockt mit Ruhe und Beschaulichkeit. Hierhin verirren sich höchstens eine handvoll Touristen, ist Sardina del Norte doch auch genau am anderen Ende der Hotelbunker im Süden. Wer von dort nach Sardina fährt, muss einen Tagestrip daraus machen – und genau dieser Umstand hat das Dörfchen wohl vom Massentourismus verschont.

Wirklich viel gibt es auch gar nicht zu sehen. Es gibt weder grosse Denkmäler, lange Strandpromenaden noch sonstige Touristenattraktionen (hört sich nicht schon das Wort „Touristenattraktion“ abschreckend an?). Aber im Hafen liegen zahlreiche Fischerboote der Canarios, die ein hübsches Bild abgeben, beim Tauchen können Mantarochen beobachtet werden und in der windgeschützten Bucht von Sardina kann wunderbar gebadet werden.

Kurz vor dem Ortseingang führt ein Weg zum Leuchtturm, dem „Faro de Sardina“. Auf einer Landzunge direkt an der rauen Atlantikküste, könnte man sich hier fälschlicherweise an der Nordsee wähnen.

Insgesamt ist Sardina del Norte noch ein echter Geheimtipp und wirklich allen zu empfehlen, die das ursprünglichere Gran Canaria suchen.

Der Leuchtturm von Sardina del Norte.

Der Leuchtturm von Sardina del Norte.

Sardina del Norte ist ein hübsches Fischerdorf.

Sardina del Norte ist ein hübsches Fischerdorf.

Schöne Badebucht in Sardina del Norte.

Schöne Badebucht in Sardina del Norte.

Abendliches Fischen.

Abendliches Fischen.

Agaete und die Wanderung zur Playa de Guayedra

Einmal mehr haben wir in dieser Woche den Versuch einer Wanderung unternommen. Gleich vorneweg: Ohne anständiges Kartenmaterial ist Wandern auf Gran Canaria nix. Dementsprechend (und dem Baby wegen…), haben wir auch hier nur die halbe Wanderung geschafft. Diese ist nicht minder schön, aber gut ausgeschildert ist der Weg leider nicht. Eigentlich könnten wir diesen Trip als „Woche der halben Wanderungen“ in die Geschichtsbücher eingehen lassen. Wieso?->Hier gibts mehr dazu.)

Wandern auf Gran Canaria.

Wandern auf Gran Canaria.

Hier starten wir von der Plaza vor der Kirche Parroco Alonso Lujar der Hauptstrasse entlang Richtung Hafen Puerto de las Nieves. Beim Kreisel gehts dann Richtung La Aldea de San Nicolas und gleich beim Haus, dass gemäss Reiseführer wie zwei Rieseneier aussieht, führt der Weg bergauf. Bereits hier gibt es schöne Ausblicke auf Agaete und den Hafen. Ein kleines Stück muss der Hauptstrasse gefolgt werden, bis ein Trampelpfad zur Küste mit schwarzem Strand und an die Playa de Guayedra führt.

Playa de Guayedra

Playa de Guayedra

Wieder zurück zur Abzweigung geht es bergauf und von hier ein ganzes Stück. Mit Baby ist Wandern um einiges anstrengender und dementsprechend langsam sind wir unterwegs. Wir geniessen das Unterwegs sein und die Fernsicht und staunen einmal mehr über die Vielfalt der Insel, welche uns vollkommen überrascht hat. Es ist eine abwechslungsreiche Wanderung, die zusätzlich über einen kleinen Pass führt, wo wir aber vorher wieder den Rückweg antreten. In dieser Gegend kreuzen sich viele Wanderwege und es gibt somit einiges an Alternativen zu begehen.

Wandern in der Umgebung von Agaete.

Wandern in der Umgebung von Agaete.

Aussicht auf Agaete.

Aussicht auf Agaete.

Unterwegs in Agaete.

Unterwegs in Agaete.

Zurück in Agaete geniessen wir die schrumpeligen Papas Arrugadas mit Mojo Rojo und schauen dem Treiben im schönen Städtchen zu. Es ist Samstag und es findet ein Dorffest mit Musik, Openair Disco und Marktständen statt. Zum Abschluss besuchen wir noch den kleinen aber feinen Botanischen Garten, in dem es einfach herrlich riecht!

Eine abwechslungsreiche Reise durch Gran Canaria geht für uns zu Ende. Wir sind positiv überrascht und durften wieder einmal unsere Vorurteile über Bord werfen. Das tut doch immer wieder gut! Und ja, man kann Gran Canaria durchaus besuchen und die Dünen von Maspalomas links liegen lassen…

Was denkst du jetzt über Gran Canaria? Konnte ich dir eine andere Seite der Insel aufzeigen?

Meine Reise nach Gran Canaria wurde von Germania Schweiz und dem Spanischen Fremdenverkehrsamt unterstützt. Herzlichen Dank. Mein Programm habe ich aber selbst bestimmt und auch sonst wurde diese Reise davon nicht beeinflusst.

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