Die Philippinen, das etwas andere Südostasien

Einen Monat habe ich jetzt auf den Philippinen verbracht und schon zu Beginn habe ich bemerkt, dass sich diese Inseln vom Rest Südostasiens abheben. Obwohl hier vieles typisch asiatisch ist, ist trotzdem irgendwie alles anders. Irgendwie ist es so spanisch. Aber auch amerikanisch. Dann doch wieder ganz eigen philippinisch.

Die Sprache

Tagalog, die Nationalsprache der Philippinen, ist ganz anders als die weiteren südostasiatischen Sprachen und Dialekte. Ich bilde mir immer wieder ein, dass hier Spanisch gesprochen wird, da doch ab und zu einige Brocken herauszuhören sind. Natürlich etwas abgeändert, aber trotzdem. Es wird auch nicht wie sonst in Asien üblich, ruhig und leise gesprochen, sondern oftmals wild gestikuliert und rumgeschrien. Gesichtsverlust? Nicht auf den Philippinen. Hier gehts heissblütig zu und her. Für mich eine willkommene Abwechslung.

Die Beachboys

Kein wunderschöner Strand ohne die dazugehörenden Beachboys! Sie sind braungebrannt, haben immer etwas längere, wuschelige Haare, sind sehnig und muskelbepackt und um kein Abenteuer verlegen. Natürlich sind sie alle Tourguides, Divemaster und Surfer und massieren mit Vorliebe willige Westlerinnen. Ja, die Gattung gibts in Asien in dem Ausmass nur noch in Indonesien, aber sonst? Auf den Philippinen! Ach herrje, sie sind schon eine Augenweide. Aber irgendwann hat man ihre Masche dann oft genug gehört und ist nur noch auf der Flucht!

Das Essen

Die Philippinen können mit wunderschöner Natur und hammergeilen Stränden auftrumpfen, aber das Essen gehört nicht zu den grossen Errungenschaften. Bestimmt gibts die eine oder andere Köstlichkeit, aber im grossen und ganzen gibt immer nur Reis mit Hähnchen und das ganz völlig fad und ungewürzt.

Ab und zu wird dann auch noch Balut gegessen, ein Entenembryo. Das trifft bestimmt auch nicht jedermanns Geschmack. Das ganze Land ist aber überzogen mit Fastfoodketten, Mac Donalds, Jollibee und co. sind überall zu haben. Im Gegensatz zum Rest Asiens, sind die Philippinen für kulinarische Köstlichkeiten jedenfalls nicht die richtige Destination.

Busfahrt auf den Philippinen

Die Neugier

Die Philippinos sind unglaublich neugierig. Eigentlich habe ich noch nie so neugierige Fragen gestellt bekommen wie auf den Philippinen. Die Neugier hier geht weiter über das übliche „Bist du verheiratet?“, „Warum nicht?“, „Wie alt bist du?“ hinaus. Sie platzen mit den allerpersönlichsten Fragen geradewegs heraus. Gerne auch mal mitten in Menschenmassen. Eigentlich hatte ich hier die skurillsten  Diskussionen überhaupt. Beispiel gefällig?

Ich gehe in den 7-Eleven Shop. Beim öffnen der Tür schallt mir lautstark ein fünffaches „Hello Ma’am“ entgegen. Fünf Mädels stehen hinter dem Tresen und schauen mich erwartungsfroh an. Die erste platzt gleich heraus:

Verkäuferin: „Ma’am, du bist so wunderschön.“

Ich: „Ähhhh, danke. Ich finde dich auch wunderschön.“

Verkäuferin: „No Ma’am, du bist wunderschön, nicht ich.“

Ich: „Äh, ok. Ich hätte gerne Kaugummi.“

Verkäuferin: „Was bedeutet das Tattoo auf deinem Arm?“

Ich: „Das ist ein Kompass-Tattoo. Es soll mich immer daran erinnern meinen eigenen Weg zu gehen.“

Verkäuferin: „Oh, ich will auch so ein Tattoo. Warum hast du keinen Freund?“

Ich: „Na weil ich eben keinen habe. Weiss doch auch nicht.“

Verkäuferin: „Dann suchst du hier einen Freund, richtig?“

Ich: „Nein, ich suche keinen Freund. Es dreht sich nicht immer alles nur um Männer.“

Verkäuferin: Ruhe. Staunen. Sie berät sich mit ihren Freundinnen. „Das habe ich so noch gar nie bedacht. Aber ich mag das. Ich werde da mal genauer darüber nachdenken.“

Ich: „Ok, kann ich jetzt meinen Kaugummi bezahlen?“

Verkäuferin: „Sind deine Eltern noch zusammen?“

Ich: „Nein, sind sie nicht.“

Verkäuferin: „Meine auch nicht. Also eigentlich hat sich mein Vater umgebracht.“

Und so geht das dann weiter und weiter. Eigentlich wollte ich ja nur Kaugummi! Die Neugier ist unersättlich. Aber ich finds eigentlich gar nicht so unangenehm. Es ist zwar genau das Gegenteil von der Kultur wo ich aufgewachsen bin. In Europa muss man sich jahrelang kennen um was persönliches zu erfahren. Ich finde die Philippinos ganz erfrischend!

Männer mit ihren Hähnen auf den Philippinen

Die Kleidung

In ganz Südostasien wird Wert auf eine angemessene Bekleidung gelegt. Das heisst, lange Kleidung ist immer der kurzen vorzuziehen. Schultern und Knie sollten immer bedeckt sein. Männer tragen keine Shorts und Frauen keinen Ausschnitt. Nicht so auf den Philippinen. Hier sind die Kleidersitten viel freier, Frauen tragen Shorts und kurze Röcke und Männer oftmals gar kein T-Shirt.

Die Kultur

Während man in vielen südostasiatischen Kulturen Überbleibsel der Franzosen oder auch der Briten findet, wird die philippinische Kultur doch sehr stark von Nordamerika beeinflusst. Die Amerikaner haben zwar das Land besetzt, der Einfluss kommt aber eher daher, dass sehr viele Philippinos in Nordamerika aufgewachsen sind oder einen Teil ihres Lebens dort verbracht haben.

Nordamerika ist ein beliebtes Ziel um Arbeit zu suchen oder um auszuwandern. Jedoch kommen viele nach einer bestimmten Zeit wieder in ihre Heimat zurück, was sich dann auch in der Kultur bemerkbar macht. Dies gilt jedenfalls für die Städte, auf dem Land ist der Einfluss bestimmt nicht so ausgeprägt, da die Landbewohner auch nicht unbedingt zu dem Teil der Bevölkerung gehören, die auswandern.

Die Philippinen

Die Philippinen haben sich völlig anders entwickelt als der Rest von Südostasien. Wahrscheinlich liegt das auch daran, dass so viele verschiedene Nationen hier waren. Die Japaner, die Amerikaner, die Spanier… Jeder wollte sich ein Stück davon abschneiden und hat seine Spuren hinterlassen. Es ist ein ganz spezieller kultureller Mix und natürlich kommen je nach dem wo man in den Philippinen ist, die unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen und Stämme hinzu.

Das Leben spielt sich unter Umständen ganz anders ab, wenn man Luzon im Norden besucht, als wenn man die Philippinos in Mindanao kennenlernt. Es gibt verschiedene Bevölkerungsgruppen, unterschiedliche Religionen und differenzierte Auffassungen der einzelnen Lebensweisen. Genau das macht das Land mit seinen vielen Inseln auch erst so richtig interessant. Je mehr Inseln und Regionen man von den Philippinen bereist, desto eher kann man sich ein differenziertes Bild machen. Meine Beobachtungen beruhen einzig auf dem Grossraum Manila/Parañaque und der Insel Palawan.

Die Philippinen sind anders als der Rest Südostasiens. Es gibt aber auch Dinge, die alle gemeinsam haben: überschäumender Nationalstolz, Neugier auf Neues, Hilfsbereitschaft und eine grosszügige Gastfreundschaft.

Findest du auch, dass sich die Philippinen vom Rest Südostasiens abheben? Oder bist du da anderer Meinung?

18 Kommentare

  • Valerie sagt:

    Da muss ich Dir Recht geben: Die Philippinen sind wirklich anders als z.B. Thailand oder Malaysia. Aber bei dem Thema Essen muss ich mal einhaken: Es gibt sehr leckere und auch sehr vielfältige Gerichte auf den Philippinen. Und ungewürzt ist nicht Standard. Ich hab ein paar Rezepte auf meinem Blog. Kannst Dich dort gerne mal vom Gegenteil überzeugen 🙂

    • Sarah sagt:

      Ich glaube dir gerne, dass es auch leckere und gut gewürzte Gerichte gibt. Aber anscheinend sind die an mir vorbeigerauscht. Dennoch glaube ich, dass die Philippinen nicht gerade mit ihrer Küche trumpfen können. Es gibt in Südostasien viel bessere Kochkünste. Aber die Philippinen können ja sonst mit ganz vielen tollen Sachen aufwarten. Bei meinem nächsten Besuch werde ich die von dir beschreibenen Gerichte aber sicher ausprobieren! Danke für die Tipps.

      • Alfred sagt:

        Hi Sarah

        Ich lebe normalerweise in Sri Lanka und für mich sind die Phillipinen ein Schlemmerland. Man merkt natürlich, dass da auch mal die Amis waren ….. Habe immer super gegessen, kein Vergleich zu Sri Lanka, mit seinem indischen Essen.

  • Daniel sagt:

    Mir gefallen die Philippinen wirklich super. Palawan ist der absolute Traum (Fiji Asiens). Die Philippinos sind wirklich locker drauf und nicht überfreundlich wie in anderen Teilen von Asien. Was mir besser zusagt.

    Mit dem Essen magst Du recht haben. Das Essen ist in Thailand sicher besser. Aber man findet auch in den Philippinen gutes Essen. Meist ist es dann aber Thailändische oder Koreanische Küche 😉

    Dachte bis jetzt die Nachfragerei ob man auf der Suche nach einem Partner ist, sei nur bei männlichen Solo-Reisenden der Fall. Da bin ich fast schon froh wenn es den Frauen nicht besser geht 😉

    Wenn Du noch Zeit hast: Suche nach TAO Philippines. Bester Trip den ich je gemacht habe.

  • Oh Gott, ich hab mich weggeschmissen bei dem Dialog 😀
    Sehr interessanter Einblick, habe selbst leider keine Ahnung von Südostasien.
    Lg steffi

    • Sarah sagt:

      Solche Dialoge sind auf den Philippinen Alltag. Die Leute sind wirklich unglaublich neugierig, was mich aber überhaupt nicht gestört hat. Ich fands eigentlich ganz lustig!

  • Mike sagt:

    Klasse geschrieben! War schon viel in Südostasien unterwegs, aber noch nie auf den Philippinen. Interessant, dass es da so anders zugeht. Hoffe, dass ich da mal hinkomme. Dein Bericht macht mich auf alle Fälle ebenfalls sehr neugierig:-) Danke.

  • Maik sagt:

    In den meisten Punkten stimme ich Dir zu (okay, die Beachboys kann ich nicht einschätzen), auch und gerade beim Essen. Die ewige Ausfragerei fand ich allerdings auf die Dauer anstrengend und dann doch unhöflich. Zumal man als Alleinreisender eh das „Opfer“ ist 😉

    • Sarah sagt:

      Ich fand die Fragerei eigentlich ganz sympathisch. Einfach frisch von der Leber weg mal fragen, ohne sich bei allem Gedanken machen zu müssen, ob man das denn darf oder nicht. Find ich ganz ok so. 🙂

  • Timo sagt:

    Hi Sarah,
    so erfrischend Du die Filipinos findest, so erfrischend locker liest sich auch Dein Bericht! Herrlich.
    Ich stimme Dir in jedem Punkt zu. Obwohl ich das Land liebe, zähle ich deren Gerichte nicht zu den Highlights Fernostasiens. Generell gibt es natürlich auch auf dem Archipel der Philippinen Gewürze, diese jedoch gehören hier nicht zur Standardausstattung einer jeden Küche und sind meist nur in grösseren Märkten und Verpackungseinheiten erhältlich. Man kombiniert im Prinzip fast alles, nur leider meist ohne Gewürze – wenn es dann nett und meist etwas künstlich-farbenfroh ausschaut, wird es schnell als delicious angepriesen.
    Nun, solche Eindrücke sind natürlich immer sehr subjektiv. Dennoch gibt es sicher auch eindeutige Tendenzen.
    Dafür ist es in vielen Punkten viel lockerer und entspannter und das Land als solches hat gerade aufgrund der wechselvollen Geschichte sowohl landschaftlich als auch kulturell irre viel zu bieten. Das Erkunden des Landes lohnt sich daher immer.
    Mabuhay ang Pilipinas!

    • Sarah sagt:

      Stimmt, mit dem Essen kann ich mich immer noch nicht anfreunden. Wie schon erwähnt, gibt es sicher einzelne Köstlichkeiten, das bezweifle ich nicht. Aber im Grossen und Ganzen gehört die philippinische Küche bestimmt nicht zu den Besten, schon gar nicht in Südostasien. Aber erfrischend anders sind die Filipinos – und genau das mag ich an ihnen so.

  • Rico sagt:

    Also, ehrlich gesagt, ich liebe die Philippinen. Essen – na ja, da kann Thailand mehr bieten. Aber die Leute sind ehrlich und ihr Lachen ansteckend. Sehr wissensgierig und hilfsbereit. Geht mal nach Bantayan Island ( muss ja nicht immer Boracay sein ! ) . Traumhaft. Paradies auf Erden.

  • Kaja sagt:

    Oh ja, das Essen auf den Philippinen ist so eine Sache für sich.. Die Mangos waren super auf Boracay, aber der Rest war irgendwie nicht ganz so toll und gefühlt war überall kiloweise Zucker drin. Die Neugier der Philippiner kann ich auch unterschreiben, insbesondere die Kinder sind da ganz schön direkt! Aber dabei super freundlich. Habe direkt schon den nächsten Trip nach Cebu gebucht! 🙂

    Liebe Grüße aus Hong Kong!

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