Ist das Unterwegs sein mit Kindern eigentlich noch dasselbe wie früher? Was hat sich verändert? Und ist es zu empfehlen?
Wer hier schon länger mit dabei ist weiss: Reisen ist mein Lebensinhalt. Die Lust auf Neues, andere Länder, Kulturen und Landschaften, die ich früher nur aus Büchern kannte, begleitet mich seit ich ein kleines Mädchen bin.
Ich bin viel und weit gereist – und auch lange. Anderthalb Jahre am Stück habe ich die Welt allein bereist und so vieles erlebt, dass ich selbst immer wieder staune. Mehrere monatelange Reisen und Auslandaufenthalte später, sind dann plötzlich diese beiden Kinder da, die seitdem mein Leben mitbestimmen.
Und ich reise immer noch. Und nicht trotz ihnen, sondern mit ihnen.

In einem chinesischen Tempel in Malaysia.
Aber reist es sich gleich? Was hat sich verändert? Nach vielen Ausflügen, Wochenendtrips, Ferien und einer einjährigen Weltreise mit zwei Kleinkindern wage ich einen kleinen Rück- und Ausblick.
Was sich wirklich verändert
Die Destination
Die Wahl der Destination ist nicht mehr ganz so unbeschwert wie ohne Kinder. Fragen zu möglichen Krankheiten und der medizinischen Versorgung werden anders gewichtet als früher. Dinge, die mich früher kaum beschäftigt haben, spielen nun eine Rolle. Nicht aus Angst, sondern aus Verantwortung
Die Distanz
Das Thema Reiseübelkeit begleitet uns seit Jahren, vor allem bei Autofahrten. Stundenlage Strecken, kurvige Strassen und endlose Etappen sind deshalb kaum mehr attraktiv. Wir unternehmen wieterhin Roadtrips, aber in angepasstem Rahmen. Kürzer, bewusster, mit mehr Pausen. Nicht alles was früher möglich war, fühlt sich heute noch sinnvoll an.
Das Tempo
Wir sind langsam unterwegs, sehr langsam. Nicht weil wir wollen, sondern weil wir müssen. Pausen sind keine Option mehr, sondern Notwendigkeit. Unsere Kinder lassen sich nicht stressen und wenn, dann merken wir sehr schnell, dass wir Druck rausnehmen müssen.
Dadurch hat sich unser Blick verändert: Wir sehen weniger bleiben länger, tauchen tiefer ein. Auf unserer Weltreise waren wir oft mehrere Monate am selben Ort. Und genau dort entsteht Tiefe.
Die Energie
Energie ist kostbar. Das gilt im Alltag und auf Reisen gleichermassen. Planen, buchen, organisieren, vorausschauen – all das kostet Kraft. Mehrere Bedürfnisse gleichzeitig im Blick zu behalten erfordert Aufmerksamkeit, Geduld und Flexibilität. Das ist nicht immer leicht, aber es gehört dazu.
Die Illusion von Freiheit
Früher habe ich auf Reisen das Gefühl von grenzenloser Freiheit gespürt. Das gibt es heute so nicht mehr. Auch am aufregendsten Reiseziel der Welt wird mein Tag von Schlafzyklen, Hunger und Bedürfnissen der Kinder gesteuert. Der Sonnenuntergang fällt aus, weil ein Kind überfordert ist und für den Sonnenaufgang ist es zu früh, weil alle noch schlafen. Freiheit sieht heute anders aus, auch auf Reisen.

In Ecuador am Kokosnuss schlürfen.
Was sich nicht verändert
Die Neugier
Die ist noch immer da. Unverändert. Ich will reisen, sehen, fühlen, verstehen und entdecken. Menschen und Tiere kennenlernen, andere Lebensweisen, Naturschönheiten entdecken, Sprachen lernen. Und ich will das alles meinen Kindern mitgeben.
Die Verbindung
Gemeinsam zu reisen schafft eine besondere Nähe. Was Jürgen und ich mit unseren Kindern bereits erlebt haben, schweisst uns zusammen und schafft unbezahlbare Erinnerungen – an freche Waschbären, irre Taxifahrten, leckere Kokosnüsse und Menschen, über die wir immer wieder reden. Und das Reisen verbindet uns auf eine Weise, die man nur erlebt, wenn man sich ein Jahr lang nicht ausweichen kann.
Die Art des Reisens
Wir gehen zwar nicht mehr auf tagelange Treks und ich reise gerade auch nicht mehr durch den Dschungel von Borneo, aber wir können immer noch nicht eine Woche in einem Hotel bleiben. Zu gross ist die Sehnsucht nach Abenteuern und Erlebnissen – auch wenn die im Moment weniger abseits oder extrem sind. Aber wir sind unterwegs und wir sind immer noch überzeugt: Bewegung im Aussen bringt Bewegung im Inneren.
Anders ist nicht schlechter
Ich musste zuerst lernen, dass das Reisen sich mit Kleinkindern verändert. Es ist kein Ersatz für das frühere Unterwegssein. Und das muss es auch nicht.
Ich gebe zu, manchmal vermisse ich die Leichtigkeit von früher, das Losgehen ohne Plan, das Bleiben ohne Uhrzeit und das Entscheiden nur für mich.
Aber vermissen heisst nicht bereuen. Ich habe das alles intensiv gelebt und zehre noch heute von den Erinnerungen – genauso, wie von den Erinnerungen unserer Familienreisen. Diese sind anders, zarter, leiser. Und getragen von der Verbundenheit mit drei Menschen, mit denen ich das alles teilen darf.
Falls du gerade zweifelst
Wenn du denkst, Reisen mit Kindern ist kompliziert und kein richtiges Reisen mehr: Du hast recht. Und du liegst gleichzeitig falsch.
Es ist kein gleiches Reisen. Es ist ambivalent, wie der Alltag mit Kindern auch. Und es ist ok, wenn du Dinge von früher vermisst. Du darfst aber trotzdem losgehen.
So wie wir uns verändern, verändert sich auch das Reisen. Und genau darin liegt die Schönheit.
Was hat sich für dich beim Reisen verändert und was ist geblieben?
Packliste für eine Weltreise mit Kleinkindern: Was wir wirklich gebraucht haben





1 Kommentar
Step
10. Januar 2026 um 11:05Für mich nicht viel – aber ich habe auch keine Kinder, kann es mir daher auch nicht vorstellen. Was ich nur mitkriege ist, dass die Kinder, die als reisende Kinder aufwachsen, später selbst voll offen und neugierig und interessiert sind, einfach, weil es von Anfang an Teil ihres Lebens ist, unterwegs zu sein und auch dadurch, dass sie mehr kennenlernen in ihrer Kindheit, sich weniger vor dem Unbekannten fürchten.
Selbst haben sich höchstens meine Ansprüche geändert. Ich brauche selbst weiterhin keine Luxusunterkünfte, aber ein sauberes Zimmel mit funktionierender Dusche in sicherer Lage ist schon mein Anspruch inzwischen. Auch gehe ich unterwegs einfach gerne gut essen – ich koste mich gern durch, es kann gern der Straßenimbiss sein, aber einen Reisetag in einem angenehmen Restaurant bei einem guten Mahl ausklingen zu lassen, hat für mich echt Qualität, die ich schätze.
Mehr fällt mir dazu nicht ein, aber schöne Grüße von der Südinsel Neuseelands!