Von der Liebe, der Leidenschaft und dem Weg nach Hause

Das ist ungefähr der fünfte Versuch für diesen Artikel. Ich habe bereits über zweitausend Wörter geschrieben, sie aber immer wieder verworfen. Zu viel geht im Moment in mir vor und für einmal kann ich meine Gefühle schlecht in Worte fassen. Ich versuche es trotzdem nochmals. Ein sechstes Mal.

Ich bringe momentan auch keinen halbwegs schlauen Reisebericht zustande, deshalb lasse ich es sein, anstatt dich mit halbpatzigen Sachen vollzumüllen. Denn mein Kopf und mein Herz sind derzeit voll mit Gedanken und Gefühlen, die ich erstmals verarbeiten muss.

Heute ist mein letzter Tag in Zentralamerika. Morgen Montag fliege ich nach Europa zurück. Ja, genau. Europa. Und es schmerzt. Unglaublich fest.

Seit 17 Monaten bin ich nun in der Welt unterwegs. Man könnte meinen, ich habe mittlerweile genug vom Reisen. Aber nein. Das Ding mit dem Reisen ist, je mehr ich unterwegs bin, je mehr will ich sehen. Es ist eine unheilbare Sucht. Aber das ist auch gar nicht das Problem, ich kann, will und werde immer reisen, jetzt noch mehr als zuvor. Aber mein grosser Trip, meine Weltreise, die neigt sich langsam aber sicher dem Ende zu.

Ich bin auf dem Weg zurück in die Schweiz.

Ich freue mich auch auf die Schweiz, auf den Sommer, meine Familie und meine Freunde. Und auf alles was kommt, denn es stehen viele Projekte an, auf die ich mich unglaublich freue.

Wunderschöne Natur in Nicaragua.

Aber das Wissen, dass meine Weltreise jetzt zu Ende geht, lässt mich wehmütig werden. Ich hatte in den letzten anderthalb Jahren die Zeit meines Lebens. Ja, so war es tatsächlich. Ich habe so vieles gesehen, erlebt und gelernt, dass ich es kaum in Worte fassen kann.

Und wie sagt man so schön? Das Beste kommt zum Schluss. Nicaragua. Ich habe mich so richtig fest in das Land verliebt. Vielleicht habe ich so viel aus meiner Zeit in Nicaragua rausgeholt wie ich nur konnte, weil ich mit dem Wissen dahin gereist bin, dass es meine „letzte neue Destination“ auf dieser Reise ist.

Vor ein paar Tagen bin ich über den malerischen Grenzübergang zwischen San Carlos und Los Chiles nach Costa Rica gereist. Per Boot ging es dem Grenzfluss entlang nach Costa Rica. Affen sind in den Bäumen rumgehüpft, Schildkröten haben sich auf den Baumwurzeln gesonnt und ich musste ausreisen. Und ich habe angefangen zu heulen. Das ist mir noch nie passiert. Es ist schliesslich ein Land das ich verlassen habe, keine Beziehung die in die Brüche ging! Aber ich konnte nicht anders. Nicaragua hat sich seinen Weg in meine Seele gekämpft.

Wie könnte ich Nicaragua auch nicht lieben?

Eine Leserin hat auf meiner Facebookseite geschrieben: „Nicaragua ist wie ein kleines, schmutziges Kind mit Kulleraugen.“ Ich finde das ziemlich treffend. Das Kind ist dreckig, stinkt und nervt. Es quengelt rum und will deine Aufmerksamkeit. Und du kannst nicht anders als es zu baden, zu umarmen und ihm zu sagen, dass alles wieder gut wird. Und schon hat es dich in dein Herz geschlossen und du wirst es nie wieder los.

Genau so geht es mir mit Nicaragua. Das Land ist manchmal nervenaufreibend, der Transport der Horror, der Strom fällt aus oder es gibt gerade kein Wasser. Den ganzen Tag nicht.

Auf der anderen Seite ist da die Brandung im Pazifik die in meinen Ohren rauscht, während ich die spektakulärsten Sonnenuntergänge seit langem beobachte. Kolibris, die um meinen Kopf schwirren, während ich einen Spaziergang in einem Dorf in den Bergen unternehme. Leon, meine Lieblingsstadt, wo mir ihre Männer auf kitschige lateinamerikanische Art unentwegt ihre Liebe versichern. Essen, das wirklich gut ist, wenn ich in den einheimischen Kneipen danach suche. Und Temperaturen, die so hoch sind, wie es wohl nur mir gefallen kann.

Ach, ich könnte wohl noch ewig so weiterfahren. Aber wie du merkst, Nicaragua ist für mich etwas ganz besonderes. Es ist ein Land, wo ich mir ernsthaft vorstellen kann zu leben.

Ausblick über die Berge Nicaraguas.

Aber jetzt geht es erstmals nach Europa zurück. Der Flug ist gebucht und lässt sich nicht verschieben. Ab Dienstag bin ich also in: Barcelona. Dort lasse ich mir erstmals eine Woche Zeit um anzukommen und mich wieder an das europäische Leben zu gewöhnen.

Ich werde Tapas essen, in der Stadt rumschlendern, mir seit langer Zeit wieder mal eine anständige Garderobe zulegen und schlussendlich eine Konferenz besuchen. Ja, Sarah goes Business! Es wartet die TBEX an der Costa Brava, die Travel Blogger Exchange Konferenz.

Trotz meiner Melancholie jetzt, freue ich mich sehr darauf. Es warten ein paar Tage voller Workshops, Vorträge, Bloggertrips und ganz viele Leute, die die gleiche Leidenschaft teilen wie ich: Das Reisen. Viele von ihnen kenne ich seit langem online und ich werde sie erstmals live treffen. So viele Begegnungen die warten!

Danach gehts im selben Stil weiter und ich mache mich auf zur allerletzten Destination meiner Weltreise: Berlin. Ja, ich war bisher noch nie in Berlin. Und auch dort reise ich für eine Konferenz hin, die DNX, die Digitale Nomaden Konferenz. Auch dort warten ganz viele spannende Menschen, die ich kennenlernen und von denen ich lernen will. Ps. Falls du auch auf der TBEX oder der DNX anzutreffen bist, gib mir Bescheid!

Und danach? Ja, dann geht es endgültig Richtung Schweiz. Von Berlin mit der Bahn direkt nach Bern. Dann wird meine Weltreise offiziell zu Ende sein.

Aber wenn ich es mir ganz genau überlege, hat meine Reise erst so richtig begonnen. Denn was mit mir in den letzten Monaten alles passiert ist, ist nochmals eine ganz andere Geschichte. Und die erfährst du, sobald ich tatsächlich wieder zu Hause bin…

25 Kommentare

  • Step sagt:

    na dann – willkommen zurück in good old europa. wo die züge pünktlich flitzen, der strom immer fliesst und der müll immer weggeräumt wird. ich bin mir sicher, du wirst dich auch hier wieder eingewöhnen. und barcelona und berlin sind ja ein sehr netter einstand. dass eine globetrotterin wie du noch nie in berlin war, ist eigentlich sowieso sensationell – berlin find ich eine der coolsten städte dieses kontinents, nicht optisch schön und auch nicht perfekt, aber gerade deshalb extrem spannend und vor allem multikulturell und weltoffen. ich darf kommende woche auch wieder ein paar tage dort verbringen – gefolgt von einem trip nach danzig und warschau die woche drauf!

    dann guten flug – und vielleicht kreuzen sich unsere wege ja mal im sommer im schönen alten europa – bin eigentlich eh auch recht häufig in der schweiz 🙂

    • Sarah sagt:

      Danke dir! Ich freu mich schon total auf Berlin, bis jetzt habe ich es einfach noch nicht geschafft. Aber das wird sich ja jetzt ändern. Und du hast ja wie immer auch wieder viele Trips vor, super! Wenn du das nächste Mal in der Schweiz bist, dann melde dich! 🙂

  • Anne sagt:

    ohhh, das gleiche habe ich nun schon von so vielen gehört! Nicaragua scheint echt ein kleines Paradies zu sein. Ich möchte unbedingt mal hin.
    Ich bin übrigens auch auf der DNX, freue mich, dich da endlich auch mal persönlich kennen zu lernen!
    Liebe Grüsse und guten Flug bis dahin!
    Anne

  • Melli sagt:

    Ich kann mir vorstellen, dass das erstmal eine grosse Umstellung wird, wenn man so lange auf Reisen war, auch wenn ich selbst noch nie so lange weg war. Aber die nächste grosse Reise kommt bestimmt irgendwann und Barcelona ist ja auch toll, ich fliege morgen das erste mal hin und freue mich schon riesig drauf. Vielleicht treffen wir uns ja zufällig 🙂
    lg

    • Sarah sagt:

      Eine Umstellung sicher, aber ich komme ja nicht von heute auf morgen zurück, daher habe ich genügend Zeit mich darauf einzustellen. Jetzt freue ich mich auf Barcelona, dir auch viel Spass dort!

  • Ändu sagt:

    Was, schon 17 Monate…? Wie schnell die Zeit doch vergeht. Das Lesen deiner Berichte waren sowohl Eintauchen in fremde Länder wie auch Erinnerungen wachrufen von eigenen Reisen.

    Diese Zeilen schreibe ich von einem schönen Pool aus Thailand (nach dem Trekking in Nepal ist Erholung angrsagt 😜).

    Ich wünsche dir einen guten Flug und einen guten Start im gut organisierten und perfekten Abendland.

    Hasta pronto, un abrazo
    Ändu

    • Sarah sagt:

      Ich weiss, die 17 Monate sind jetzt unglaublich schnell vorbei! Es kommt mir vor, als wäre ich eben erst losgezogen. Die Zeit vergeht so schnell, umso wichtiger ist es, das Beste daraus zu machen. Aber du machst das ja sowieso, ich hoffe, dein Trekking in Nepal war auch so schön wie meines (obwohl ich jetzt denke ich spinne, 14 Tage am Stück laufen?!?). Bis gly, abrazo

  • Tom Stämpfli sagt:

    Liebe Sarah!

    … Es kommt mir vor als Dein letzter Aufenthalt in der Schweiz erst kürzlich war. Wir uns über Deine nächsten Plänen unterhielten.

    Deine persönliche Artikel habe ich jeweils verschlungen, die Photos haben mich zum Träumen gebracht und ich könnte so Deine Reise, Erlebnisse und Gefühle puzzlehaft mitverfolgen. Für Deine Arbeit und die Inspirationen möchte ich Dir herzlich danken.

    Nun steuerst Du die B-Städte an. Barcelona-Berlin-Bern. Ich wünsche Dir eine gute Reise nach Europa. Ich kann die Achterbahn Deiner Gefühle sehr gut nachvollziehen. Du hast Dir selber bewiesen, dass man seine Träume und Wünsche in die Realität umsetzen kann, wenn man mit dem ganzen Herzen daran glaubt.

    Hier in Europa freuen sich viele Menschen Duch wieder zu sehen und in die Arme zu schliessen. Für Dich eine weitere Möglichkeit zum Reflektieren.

    Hoffe, dass wir uns in Berlin und später in der Schweiz wieder sehen und uns austauschen können.

    Don’t be worry, be happy 🙂 Du bist eine wunderbare und inspirierende Frau. Bin gespannt wie es bei Dir weiter geht. Auch in Zukunft werden Dich die Flieger zu neuen Abenteuer und Reisen führen.

    • Sarah sagt:

      Lieben Dank für deine herzlichen Worte, Tom! Das freut mich ganz besonders. Danke, dass du immer mit dabei bist! Ich freu mich auf dich in Berlin und dann natürlich auch in der Schweiz. Bis bald!

  • Julia sagt:

    Hallo Sarah,
    ein toller Bericht über das Ende deiner Weltreise. Ich kann das Gefühl sehr gut nachvollziehen. Finde die Idee, eine Woche in Barcelona zu verbringen, um sich wieder an Europa zu gewöhnen, genial! Sollte ich bei meiner nächsten Fernreise vielleicht auch mal machen.
    Ich bin übrigens auch im Mai auf der DNX. Wir sehen uns also hoffentlich in Berlin!
    Alles Liebe, Julia

  • Karin sagt:

    Es war immer schön mit dir mitzureisen – es hat mich sehr an meine eigene 16 monatige Reise erinnert! Und auch die abschliessenden Worte kommen mir bekannt vor.

    Nicaragua ist auch eines meiner Lieblingsländer geworden. Die Rückreise haben wir auch über Barcelona gemacht, eine unserer Lieblingsstädte in Europa. Und der Berlin-Trip ist wohl ähnlich mit unserem Roadtrip durch das Heimatland Österreich gleich zwei Wochen nach Rückkehr nach Hause.

    Statt book exchange geht es jetzt in die Bücherei, zum Quatschen mit fremden Kulturen geht es zu den touristischen Hotspots oder mal selbst Couchsurfing anbieten und die nächste Reise wird auch bald geplant… genauso wie die intensive Erkundung des Heimatlandes, das man zuvor vielleicht auch eher ausgelassen hat. Es ist soooo schön im eigenen Land!

    Freu dich auf das, was kommt! Das Leben geht weiter. Wir haben inzwischen einen Hund und eine sieben Monate alte Tochter – und in zwei Wochen starten wir in dieser Formation zu einer etwa zweimonatigen Reise durch Italien und ??? 🙂 Eine Weltreise ist wohl unübertroffen – aber es gibt dann wieder andere Dinge, die dann genauso unübertroffen sind (auch wenn man das zunächst nicht glaubt und eher denkt, dass das Leben jetzt vorbei ist). Wiederholen kann man so einen trip of your life ohnehin nicht – es wäre nie wieder dasselbe. Deshalb: immer in Erinnerung behalten was war und nach den vielen Erkenntnissen das Leben neu ausrichten.

    lg, Karin

    • Sarah sagt:

      Liebe Karin, danke für deine Worte, aber wahrscheinlich hast du mich etwas falsch verstanden. Meine Weltreise ist zwar vorbei und dabei werde ich etwas wehmütig. Das gehört doch bei allem dazu, was zu Ende geht. Ich freue mich aber auch unheimlich auf zu Hause und all meine Projekte die anstehen. Ich habe keineswegs das Gefühl, das Leben sei vorbei oder so was. Eher im Gegenteil, ich fange gerade erst so richtig an durchzustarten. Aber irgendwie muss man sich doch auch auf eine Art und Weise von einem bestimmten Lebensabschnitt verabschieden, oder? Das drücke ich nunmal durch das Schreiben aus. Und ich bin auch anderer Meinung was das Wiederholen einer Weltreise angeht. Ich glaube, dass kann man sehr gut. Für mich ist so ein Trip keineswegs ein Once-in-a-lifetime-Erlebnis. Klar ist es jedesmal anders, aber das ist ja irgendwie auch der Sinn der Sache.
      Ich bin wehmütig, dass meine Weltreise vorbei ist, dankbar, dass ich diese Zeit erleben durfte und vorfreudig und bereit für Neues.

  • Patrick sagt:

    Na dann, willkommen zurück in Europa.
    Deine Reise muss ja nicht vorbei sein. Entscheidend ist, was du jetzt draus machst. Dass du nicht aufhören willst, sieht man schon an den Konferenzen 😉

  • Sabrina sagt:

    Liebe Sarah,

    was für ein bewegender Artikel! Ich kann dich super gut verstehen und will mir gar nicht vorstellen, wie schwer es für dich war in den Flieger zu steigen und das Land hinter und unter dir verschwinden zu sehen. Ich wünsche dir, dass du all die schönen Erinnerungen im Herzen behältst und wenn es soweit ist, wird deine Reise weitergehen. Das wird grandios!

    Viel Spass in Barcelona & hier in Berlin.

    Liebste Grüsse,
    Sabrina

  • Oliver sagt:

    Ja, so schnell vergeht die Zeit …

    Mit Barcelona und Berlin inklusive der beiden Konferenzen, die schon zeigen in welche Richtung es bei dir wohl weiter gehen wird, hast Du doch einen mehr als gelungenen Abschluss für diese Weltreise gefunden!

    Auf Nicaragua hast Du uns jedenfalls so richtig neugierig gemacht. Muss wohl doch wieder zurück auf unsere Reiseroute 😉

    Sonnige Grüsse aus Mexiko
    Oliver

  • Michael sagt:

    Grosses Kino. Toll geschriebener Artikel. Um diese Weltreise beneide ich dich schon ein wenig nach dem Lesen deiner Worte – zumal unsere noch weit in der Zukunft liegt.
    Bin gespannt auf die Zeit nach deiner Rückkehr und in welcher Form du das alles verarbeitest. Vielleicht trifft man sich ja mal in Basel o.ä. auf einen Kaffee 😉
    Liebe Grüsse aus Freiburg!

  • Isa sagt:

    Jedes Abenteuer muss mal ein Ende haben, sonst kann man sich schliesslich nicht ins nächste stürzen oder? Ich sehe eine Reise an sich als einzigartigen, wunderbaren Rausch – die Zeit im Heimatland dient dann zur Reflexion und Aufarbeitung des Erlebten. Ich habe ganz bewusst nicht den Begriff „zuhause“ verwendetet. Denn zuhause fühlt sich ein leidenschaftlicher Weltenbummler ja sowieso überall und nirgendwo!
    Wünsch dir einen schönen, nachdenklichen Aufenthalt back-in-Europe, ich freue mich schon auf deine nächsten Blogartikel!
    Liebe Grüsse, Isa

  • […] Rica (Schildkröten beobachten), Nicaragua (seit ich den Bericht von Sarah gelesen habe) und Peru (Macchu Picchu) […]

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