Vom Hostelleben, Reisebegleitungen und Schicksalsgemeinschaften

Eigentlich bin ich kein klassischer Backpacker. Ich reise meistens alleine. Ich mag Guesthouses mehr als Hostels. Bei mir muss nicht alles so billig wie möglich sein und ich fühle mich in Gruppen nicht sonderlich wohl. Während den letzten sieben Monaten bin ich auch genau so gereist: bevorzugt alleine, im eigenen Zimmer und ganz nach meinen Wünschen. Ab und zu habe ich mich mit der einen oder anderen Reisebegleitung zusammengetan, aber kaum länger als ein, zwei Tage. Ganz unverbindlich und eher als Zweckgemeinschaft.

Nach meiner Reisepause in Kuala Lumpur bin ich jetzt wieder unterwegs. Endlich! Es tut gut, wieder zu reisen und Neues zu erleben. Ich bereise Indonesien, ein klassisches Backpacker Reiseland. Indonesien hat einen ganz besonderen Status. Alle wollen da hin. Für Europäer bietet Indonesien das Versprechen von Inselleben, Abenteuer und Robinsonfeeling. Das Land ist gross und jede Insel ist gänzlich anders als die vorherige, daher gibt es auch vieles zu entdecken. Aber nicht nur für Europäer ist Indonesien eine Art Reise-Mekka. Da es nur einen Katzensprung von Australien entfernt ist, werden die Inseln regelrecht von jungen, partywütigen Australiern gestürmt. Ich mittendrin.

Hotels und Gästehäuser sind hier oftmals recht viel teurer als Hostels und ich will meine Art zu reisen wieder mal ändern. Also reise ich hier seit langer Zeit wieder wie ein klassischer Backpacker rum. Das heisst, ich übernachte in Mehrbettzimmern in Hostels, esse Banana Pancakes zum Frühstück und vor allem: Ich reise nicht mehr alleine. Gerade die Routen durch Java nach Bali, auf der ich unterwegs bin, ist ein bisschen ein Trampelpfad. Alle reisen hier durch, aber es gibt eben auch viele Highlights auf diesem Weg.

Hostelleben in Indonesien

Hostelleben in Indonesien

Schon am Flughafen habe ich die erste Bekanntschaft geschlossen, ein Mädel aus Dänemark, mit der ich eine Woche später immer noch unterwegs bin. Hinzu kam ein Deutscher, der sich unserer Schicksalsgemeinschaft schon ein paar Stunden später angeschlossen hat. Auf dem Weg kamen einige dazu, andere verliessen uns wieder. Leute kommen und gehen, beim Reisen noch viel schneller und intensiver als sonst im Leben. Zur Zeit reise ich gerade mit zwei Holländerinnen durch Bali. Das geht natürlich nicht nur in Indonesien so. Wenn man auf der Suche nach Reisebekanntschaften ist, findet man diese immer.

Das Warten bei der Einreise geht zu schneller vorbei mit Reisebegleitung

Das Warten bei der Einreise geht zu schneller vorbei mit Reisebegleitung.

Ich bin also wieder ein Teil einer Gruppe. Es gibt wieder eine Demokratie. Es sind zwar alle alleine unterwegs, aber doch sind wir zusammen. Wir übernachten in den selben Hostels, reisen mit demselben Zug. Wir sprechen uns ab, um Touren gemeinsam zu unternehmen und uns die Kosten zu teilen.

Es geht aber um weit mehr als um die Kosten. Wir sind Fremde in einem fremden Land. Alleine, jeder auf der Suche nach seinem ganz eigenen Sinn und Abenteuer. Für eine beschränkte Zeit sind wir zusammen. Wir teilen Essen, Zimmer und Toilette. Wir unterstützen uns gegenseitig und diskutieren Dinge, die in diesem Land sonst niemand versteht. Spoiler: Ich bin noch gruppentauglich, wie ich rausgefunden habe. Ganz asozial bin ich also in den letzten Monaten nicht geworden…

Mit dem Zug unterwegs - Zeit für lange Gespräche mit Reisebekanntschaften

Mit dem Zug unterwegs – Zeit für lange Gespräche mit Reisebekanntschaften.

Mit den Reisebekanntschaften unterwegs, geht auf zwischenmenschlicher Ebene alles viel schneller vonstatten als sonst „im normalen Leben“. Wenn man in einer solchen Gemeinschaft unterwegs ist, teilt man innert kürzester Zeit seine Gedanken, Ideen und Träume. Wir erzählen uns von Sorgen und Nöten, natürlich auch von Schönem und Erlebtem. Aus der sonst so oberflächlichen „where have you been, where are you going“ Hostel-Blabla, wird schnell eine tiefere Konversation. Vorzugsweise natürlich auf stundenlangen Zugfahrten.

Das ist eine spezielle, aber auch sehr schöne Erfahrung. Wir öffnen uns unserem Gegenüber, einem völlig Fremden, innert kürzester Zeit und gehen eine temporäre Bindung ein. Genau so schnell wie das Ganze von statten geht, ist es dann aber auch schon wieder vorbei. Ein paar Tage, vielleicht eine Woche, und alle sind wieder auf sich selbst gestellt.

Ich liebe es alleine zu reisen. Nichts geht über die Freiheit, für mich zu entscheiden, zu tun und lassen was ich will. Ich muss niemandem Rechenschaft ablegen, niemand nörgelt an mir rum. Aber ganz ehrlich? Manchmal ist es eben doch auch schön, ein Teil einer Gemeinschaft zu sein. Speziell nach langer Zeit alleine Reisen ist es schön, Reisepartner zu haben. Ich muss dann nicht immer alles alleine entscheiden, ich kann meine Gedanken teilen und ich kriege neue Impulse. Gleichzeitig muss ich aber auch auf diese Leute warten, Verständnis für ihre Macken haben und mich vielleicht auch der Mehrheit unterordnen. Das ist es aber Wert, denn ab und zu brauchen wir doch alle ein bisschen Gesellschaft.

China - nie alleine und immer eine Reisebekanntschaft in Sicht

China – nie alleine und immer eine Reisebekanntschaft in Sicht.

Ich nehme diese Gedanken zum Anlass, all meinen Reisebekanntschaften einmal Danke zu sagen. Ich bin schon mit vielen Leuten gereist, Leute die ich gut kenne und solche, die ich eben dann kennengelernt habe und mit denen ich ein Stück gemeinsamen Weges gegangen bin. Alle diese Personen haben irgendwie einen Eindruck hinterlassen und ich vergesse keinen einzigen von ihnen.

Vielen Dank euch allen, dass ihr mit mir der schönsten Beschäftigung der Welt nachgegangen seid: dem Reisen.

Und wer weiss, vielleicht treffen wir uns ja auch mal (oder nochmal), irgendwo, in der grossen, weiten Welt…

Bis dahin kannst du mir auf Facebook, Instagram, Twitter und Pinterest folgen!

Gefällt dir dieser Artikel? Dann kannst du ihn hier gleich auf dein Pinterest Board holen.

6 Kommentare

  • InaHas Lina sagt:

    Love this post!

  • Thomas Stämpfli sagt:

    Super Artkel! Ich liebe Deinen Schreibstil und freue mich immer wieder auf den nächsten Artikel. Wäre schön eines Tages ebenfalls für kurze Zeit in Deiner Schicksalgemeinschaft zu sein 🙂

  • Björn sagt:

    Ich besuche dich nicht, ich treffe dich. Ich treffe alle immer irgendwo!
    Und ich werde dann nicht mehr wissen, das du diesen Post geschrieben hast.
    Wir gehen drei Tage lang zusammen essen und teilen emailadressen,die wir sowieso nie bedienen werden.
    Erinnern uns, wenn wir es brauchen aneinander und denken an die Tipps des anderen und geben uns so gegenseitig Kraft und Stärke….. (Alleine) reisen ist so unendlich bereichernd, da du offen sein MUSST für alles was DU nicht kennst. Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft und Glück.
    Björn
    PS..: man sieht sich…. Irgendwo…

Leave a Comment