Tarifa: viel Wind, viel Sonnenschein und das Versprechen von Freiheit

Tarifa ist genau dass, was ich mir von einem Lieblingsplatz erhoffe. Ein hübsches Städtchen, wunderbare Strände und ein cooler Groove. Doch etwas ganz entscheidendes fehlt dann doch…

Der südlichste Ort des spanischen Festlandes hat uns länger behalten als eigentlich beabsichtigt. Ein paar Tage haben wir in diesem hübschen Örtchen geplant. Aber da ich die Reiseplanung schon lange an die kleinste Mitreisende abgegeben habe, sind wir fast eine Woche in Tarifa geblieben. So haben wir den Ort richtig kennen- und auch lieben gelernt.

Die Lage Tarifas ist bestimmt einer der Hauptpunkte, was den Ort so speziell macht. Ganz im Süden Europas, unscheinbar an der Spitze und nur ein paar Kilometer von Marokko entfernt. Man kann rüber winken und wenn es frühmorgens oder kurz vor Sonnenuntergang klar ist, sieht man fast die Dächer Marokkos.

Tarifa, eine wunderschöne Stadt im Süden Spaniens.

Tarifa, eine wunderschöne Stadt im Süden Spaniens.

Von Strandgefühlen und Meeresliebe

Besonders schön lässt sich diese spezielle Stimmung am Playa de los Lances geniessen. Am gefühlt endlosen Strand spazieren wir, geniessen den Sonnenuntergang, hören dem Rauschen der Wellen zu und genehmigen uns an einer der gemütlichen Strandbars einen Drink. Hier lassen sich auch die vielen Kitesurfer beobachten. Dank der dem aus der Sahara kommenden „Levante“ oder dem meist schwächeren, vom Atlantik kommenden „Poniente“, ist Tarifa ein Mekka für alle Arten von Windsurfern. Die vielen Schirme geben ein wunderschönes Bild ab und wir schauen den Sportlern stundenlang zu.

Die Playa de los Lances in Tarifa.

Die Playa de los Lances in Tarifa.

Strandbar an der Playa de los Lances.

Gemütliche Strandbars für einen Sundowner.

Stimmungsvolle Abende in Tarifa.

Stimmungsvolle Abende in Tarifa.

Jetzt im November sind Strand und Meer nicht so überfüllt wie in der Sommerzeit. In der Hauptsaison im Sommer möchte ich gar nicht hier sein. Wie ich auf Bildern sehe, wäre es mir einfach zu voll. Aber jetzt in der Nebensaison ist es in Tarifa super. Es ist zwar kein Badewetter, sportlich kann man sich aber allemal betätigen und die Temperaturen sind angenehm. Sobald die Sonne aber von Wolken bedeckt wird und der Wind an Fahrt aufnimmt, setzen auch wir die Mütze auf und ziehen die Jacke an. Das schöne beim Reisen in der Nebensaison in Tarifa ist, dass zwar alle geöffnet, aber nichts überlaufen ist.

Strand in Tarifa mit Grün.

Tarifa kann auch ganz schön grün sein, je weiter man ins Inland geht.

Sarah am Strand in Tarifa.

Wenn der Wind stark wird braucht es Jacke und Mütze.

Kitesurfer in Tarifa.

Kitesurfer in Tarifa.

Kleinstadtflair mit Charme

Wir geniessen nicht nur den schönen Strand, sondern auch Tarifa selbst. Mit etwas über 18‘000 Einwohnern hat das Städtchen eine angenehme Grösse. Es ist ruhig hier, aber dennoch liegt etwas in der Luft. Ich glaube, es ist Leidenschaft. Denn hier sind ganz viele Leute die ihrer Leidenschaft nachgehen und für etwas brennen, seien dies die windverrückten Surfer oder die digitalen Nomaden, die sich auch zu Hauf hier tummeln. Und diese Stimmung spüre ich hier überall. Sei es in einem der vielen Cafés, abends im Restaurant oder auch tagsüber am Strand, wenn sie mit leuchtenden Augen und verwuschelten Haaren aus dem Wasser kommen und einfach nur glücklich sind, hier zu sein. Nebst der exponierten Lage der Stadt ist es wohl diese ganz bestimmte Leidenschaft die die Stimmung in Tarifa ausmacht.

Platz in Tarifa.

Unterwegs in Tarifa.

Maurische Treppe in Tarifa.

Die Nähe zu Marokko spiegelt sich auch in der Architektur wieder.

Gässchen in Tarifa.

Gässchen in Tarifa.

Wir schlendern durch die Gassen und freuen uns über all die schönen Bilder, die sich uns präsentieren. Pflasterseine, weiss getünchte Häuserfronten und Leute die gemütlich in den kleinen Shops stöbern prägen das Bild. Es ist wunderschön hier! Obwohl man den Ort schnell einmal gesehen hat, finden wir bei jedem Spaziergang durch Tarifas Gassen Neues. Einmal ist es die Markthalle, wo fangfrischer Fisch verkauft wird. Ein anderes Mal ist es der versteckte Laden mit Kunsthandwerk. Und wieder ein anderes Mal ist es einfach der Ausblick entlang der Gasse auf die Kirche.

Kirche in Tarifa.

Kirche in Tarifa.

In der Markthalle von Tarifa.

In der Markthalle von Tarifa.

Gasse mit Stopschild und Kirche.

Schöne Ausblicke in den Gassen.

Café in Tarifa.

Gemütliche Cafés gibt es viele!

In Tarifa gibt es zwei Dinge, deren Besuch sich ganz besonders lohnt. Zum einen ist es das Castillo de Guzman el Bueno, die kleine Burg gleich am Hafen. Noch schöner ist aber die Begehung der Stadtmauer.

Tipp: Es gibt auch ein Kombiticket für beides, so dass es insgesamt etwas günstiger ist. Zu kaufen direkt am Eingang der Burg.

Die alte Stadtmauer ist zwar keine Kilometer lang, führt aber entlang von Wohnhäusern bis zum Endpunkt mit Sicht auf das Meer. Im Rücken immer die Stadt und die Playa de los Lanches. Ein herrlicher Ausblick, wir verbringen einige Zeit auf dieser Mauer. Denn auch hier ist es wieder dasselbe: Nichts von Touristen die die Mauer bevölkern und wo kein Durchkommen mehr ist. Nebst uns besucht noch eine andere Familie die alte Stadtmauer. So ist Reisen einfach toll. Ich kann nicht genug betonen, wie sehr sich antizyklisches Reisen fern von Massentourismus und Touristenströmen lohnt!

Die Stadtmauer von Tarifa.

Die Stadtmauer von Tarifa.

Blick auf Wäscheleine von der alten Stadtmauer in Tarifa.

Spannende Ein- und Ausblicke.

Ausblick von der Stadtmauer.

Was für ein Ausblick!

Die alte Stadtmauer von Tarifa.

Die alte Stadtmauer von Tarifa.

Einen schönen Blick auf Tarifa und die Strände gewährt auch der Punto de Tarifa, der eigentlich südlichste Punkt des spanischen Festlandes. Besonders der Sonnenuntergang lässt sich hier bei einem Spaziergang zum Leuchtturm geniessen. Die Entfernung zu Marokko beträgt hier nur 14 Kilometer.

Da hier der Atlantik und das Mittelmeer zusammentreffen, hat sich ein einzigartiges Ökosystem gebildet, welches auch Taucher anzieht. Aber nicht nur für Tauchgänge ist die Region bekannt, sondern auch für die Beobachtung von Walen und Delfinen. Die Saison ist aber eher während der Sommerzeit, wo vor allem Orcas beobachtet werden können. Durch die Lage zwischen dem europäischen und afrikanischen Festland ist Tarifa auch direkt auf der Route von vielen Zugvögeln und die abendlichen Vogelschwärme sind stimmungsvoll und schön zu beobachten.

Blick vom Punto de Tarifa auf die Stadt.

Blick vom Punto de Tarifa auf die Stadt.

Schild mit Karte der Strasse von Gibraltar.

Wir sind schon fast in Marokko!

Strand in Tarifa.

Hier treffen sich Atlantik und Mittelmeer.

Entlang der Costa de la Luz

Ich habe mich mittlerweile daran gewöhnt, dass ich zwar eine Reise planen kann, schlussendlich aber unser Baby Boss bestimmt wo es langgeht. So war es auf unserem Andalusien Roadtrip nicht anders und unsere Kleine wurde gleich zu Beginn in Tarifa krank – zu verdanken hatte wir das den Zähnen die mit voller Wucht durchgebrochen sind und ihr fast drei Tage Fieber beschert haben. Diese Tage haben wir in erster Line im Hotelzimmer verbracht. Wir haben viel geschlafen und lange Spaziergänge unternommen.

Um dann doch noch etwas zu erleben in Tarifa und auch unserer Tochter Ruhe zu gönnen, sind wir dann doch noch ein paar Tage in Tarifa geblieben. Dazu haben wir uns eine Wohnung via Airbnb* (Affiliate Link) gemietet – diesmal bei einer lieben Französin, mit der wir das Haus geteilt haben. Für uns war es eine tolle Entscheidung, zumal wir so auch einiges über das Leben in Tarifa erfahren konnten und wir das Glück hatten, eine Dachterrasse mit wahnsinnig schönem Ausblick über die Stadt zu haben. Ausserdem konnten wir uns wieder etwas „niederlassen“, kochen und auch ein paar gemütliche Stunden daheim verbringen.

Blick von unserer Dachterrasse in Tarifa.

Blick von unserer Dachterrasse in Tarifa.

In diesen Tagen haben wir zusätzlich die Umgebung von Tarifa erkundet. Die wunderschöne Costa de la Luz, die sich zwischen Tarifa und Cádiz erstreckt, bietet so viele schöne Strände, dass wir uns kaum entscheiden können.

Für den Besuch an der Playa Bolonia entscheiden wir uns, weil es dort direkt am Strand archäologische Überreste einer Römerstadt gibt. Das habe ich am Strand noch nie gesehen und ich will die Gelegenheit wahrnehmen. Die Enttäuschung ist doch einigermassen gross als wir auf dem Eingangsschild lesen, dass die Anlage am Montag geschlossen ist. Natürlich ist bei unserem Besuch Montag. Dennoch, der Strand ist wunderschön. Die angrenzende Düne tut ihr eigenes dazu. Es herrscht viel Wind und wir müssen uns gut einpacken. Wieder sind wir nebst einem anderen Paar die einzigen, die den Strand besuchen.

Zwei Personen stehen am Strand.

Playa Bolonia in der Nähe von Tarifa.

Ausflug an die Playa Bolonia.

Ausflug an die Playa Bolonia.

Zwischen dem Strand von Tarifa und Bolonia liegt die Playa Valdevaqueros, welchem wir auf diesem Weg auch gleich einen Besuch abstatten. Sichelförmig geschwungen ist dieser Strand wunderschön anzusehen. Das Meer glitzert, die Kiter fliegen über das Wasser und wir geniessen die Stimmung. Auch hier finden sich hohe Dünen, so hoch, dass sogar eine Strasse hindurchführt.

Wir fahren mitten durch die Sanddünen!

Wir fahren mitten durch die Sanddünen!

Es gäbe noch so viele Strände rund um Tarifa. Dazu kommen auch unzählige Übernachtungsmöglichkeiten. Von Hostels, Hotels, Fincas oder Zeltplätzen findet sich wohl alles. Für Strandliebhaber und Aktivurlauber ist Tarifa eine super Destination.

Mein Fazit

Tarifa ist wunderschön. Das Städtchen selbst gefällt mir ausserordentlich gut und ich fühle mich sehr wohl. Überall sind spannende Menschen und Geschichten zu finden. Ebenso gibt es so vieles zu erleben! Von Walbeobachtungen, Kitesurfing oder um die neusten Projekte im Co-Working space voranzubringen – Tarifa hat alles. Fast.

Um den Ort für mich zum Highlight zu machen, fehlen mir die Wellen. Es ist zwar alles voller Surfer, aber eben voller Kiter und Windsurfer. Obwohl man zu bestimmten Zeiten auch in Tarifa mit gutem Swell fürs Wellenreiten rechnen kann, ist und bleibt es durch die Winde nicht konstant. Die perfekte Welle fehlt mir in Tarifa. Dennoch, der Ort ist wunderschön, die Leute inspirierend und ich werde wiederkommen!

Gasse mit weissen Häusern und roten Blumen.

Idyllische Gassen in Tarifa.e

Planst du auch einen Roadtrip in Andalusien? Hier gibts weitere Inspiration für die Gegend:

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10 Kommentare

  • Step sagt:

    Wie meistens ganz deiner Meinung. Wir hatten damals als wir vor 5 Jahren in Andalusien waren in Tarifa unsere Basis und mochten es ebenfalls sehr. Heuer im Februar war ich dann im Zuge meiner Tour durch Marokko in Tanger drüben und habe von der afrikanischen Seite nach Tarifa rübergewunken ;-))

    • Tarifa als Basis ist eine tolle Idee! Von da erreicht man beide Seiten der Küste und das Inland wunderbar. Wir haben auch einen Abstecher nach Tanger gemacht – mehr dazu gibts im nächsten Artikel!

  • Marcel sagt:

    wow, ein schöner und ausführlicher Beitrag. Ich reise auch sehr gerne und habe noch viele Punkte auf meiner persönlichen Weltkarte, die ich noch bereisen möchte. Ich wünsche dir alles Gute und schreib weiterhin solch tolle Berichte. Liebe Grüße Marcel aus Berlin

  • Dorie sagt:

    Ich habe ehrlich gesagt noch nie von Tarifa gehört, aber es sieht wirklich so süß aus!
    Liebe Grüße aus Wien
    Dorie

  • Sibille sagt:

    Ich war im September an der Costa de la Luz und fand es großartig. Es gibt so unglaublich viel anzusehen und zu entdecken – und die Strände sind einfach ein Traum. Tarifa war natürlich auch auf unserer Liste – wenn auch nur als Tagesausflug – und ich muss sagen, dass es mir neben Sevilla fast am besten gefallen hat. Es waren viele Surfer dort, aber al Küstenkind liebe ich genau diese Atmosphäre. Danke, dass Du mich an diesen tollen Urlaub erinnert hast! LG!

  • Thomas F. sagt:

    Sehr schön und erfrischend, mal wieder etwas positives über Tarifa zu lesen. Mit einem Freund war ich 1983 zum Surfen dort, dann 1986 noch einmal allein – auch natürlich zum Surfen ( windsurfen – denn Kites gab es noch nicht). Die Herzlichkeit der Bewohner, unkompliziert und gastfreundlich und der damals überall zu spürende Pioniergeist begeistert mich heute noch, wenn ich daran zurückdenke. Wir wohnten in dem einzigen, von einem Holländer mit seiner spanischen Frau betriebenen Hotel am Strand ( dos mares). Vielleicht komme ich ja noch mal dort hin, obwohl ich befürchte, dann sehr enttäuscht zu sein, denn 33 Jahre sind eine lange Zeit in der sich viel verändert haben kann. Lese ich diesen Bericht, scheint aber viel Gutes erhalten worden zu sein; hoffentlich auch das Cafe Central. – P.S. Wir sind natürlich von Düsseldorf mit dem Auto angereist, was auch schon ein Abenteuer war. Danke für diesen erheiternden Bericht.

    • In 33 Jahren hat sich bestimmt sehr viel verändert. Manchmal ist es schwierig an Orte zurückzukehren, die einem viel bedeuten – vor allem, wenn so viel Zeit dazwischen liegt. Aber mit dem Wissen, dass sich nicht nur der Ort, sondern auch man sich selbst verändert hat, gelingt es meistens ganz gut, solche Herzensorte mit einem neuen Blickwinkel zu betrachten.

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