Nicaraguas wilder Norden: Kaffee, Canyons und einsame Wanderungen

Nicaragua ist ein Land abseits der grossen Touristenroute durch Zentralamerika. Aber natürlich gibt es auch hier einen Backpackertrail, der wie überall, immer durch die selben Orte führt. Abgesehen von diesen paar einzelnen Orten, ist Nicaragua touristisch quasi unentdeckt. Die Backpacker bewegen sich kaum aus ihrer Wohlfühlzone von Drinks und Strand und der Rest der Welt reist selten nach Nicaragua. Auch 25 Jahre nach offiziellem Ende des Contra-Krieges wird das Land in unserem Gehirn immer noch mit Waffenlieferungen und Guerillas in Verbindung gebracht.

Der Osten wird eigentlich nie bereist, was aber auch seinen Grund hat. Ausser für die wildesten Abenteurer oder Ornithologen gibt es kaum etwas, denn die Gegend ist schwer zu bereisen. Kein ÖV oder nur unter den schwersten Bedingungen. Willst du etwas vom üblichen Reisepfad abweichen, empfehle ich dir einen Besuch auf den wunderbar einsamen Solentiname Inseln im Süden.

Nicaragua ist ein wunderschönes Land - ganz besonders auch der Norden.

Nicaragua ist ein wunderschönes Land – ganz besonders auch der Norden.

Oder aber das genaue Gegenteil: Schau in Nicaraguas wildem Norden vorbei. Hier wirst du zwar kaum der einzige Reisende sein, aber deinen Platz musst du nur mit ganz wenigen teilen. Viele die hierhin reisen, bleiben länger. Meist sind es Entwicklungshelfer oder Studenten im Auslandaufenthalt. Ganz bestimmt aber kannst du hier eine wild-romantische Natur entdecken und dich sogar wie ein richtiger Abenteurer fühlen. Denn nur ein paar Schritte aus einem Ort raus und du hast die ganze Natur für dich und kannst deinem Entdeckungsdrang freien Lauf lassen.

Die drei Hauptorte in Nicaraguas Norden sind Matagalpa, Estelí­ und Jinotega. Ein weiteres Ziel ist der Somoto Canyon ganz im Norden. Einer dieser drei Orte erklärst du am besten zu deiner Heimat auf Zeit und erkundest den Norden von dort aus. Estelí­ ist der grösste Ort, Matagalpa ist ein bisschen kleiner und gemütlicher. Jinotega ist mehr ein Dorf als eine Stadt und eignet sich als Base wohl am wenigsten, da von dort die Anreise Richtung Norden am längsten ist.

 

Kaffeestadt Matagalpa

Matagalpa ist so richtig gemütlich. Das Städtchen ist klein und übersichtlich, die Menschen freundlich und neugierig. Es ist zur Zeit ein spannender Ort. Einerseits ist Matagalpa verschlafen und langsam, andererseits ein wichtiges ökonomisches Standbein des Landes. Dies kommt nicht zuletzt durch den Kaffeeanbau im Umland. Es entstehen die ersten Hipster-Cafés, es gibt eine Saftbar und Kaffee mit Kuchen an jeder Ecke. Ja, auch Latte Macchiato und alle anderen trendy Arten um Kaffee anzurühren.

Von Matagalpa bist du innert kürzester Zeit mitten in der Natur.

Von Matagalpa bist du innert kürzester Zeit mitten in der Natur.

In Matagalpa selber kannst du locker ein paar Tage oder mehr verbringen, wenn du die Natur liebst. Denn von da aus kannst du einiges zu entdecken: In der Umgebung gibt es Wasserfälle, Kaffee- und Kakaofarmen, Dschungeltouren, Trekking im Naturreservat Apante oder den Besuch von kleinen Dörfern wie San Ramon. Es gibt einige Reisebüros in der Stadt, die dir gerne eine auf dich zugeschnittene Tour bereitstellen.

Im Umland von Matagalpa können viele kleine Dörfer und Farmen besucht werden.

Im Umland von Matagalpa können viele kleine Dörfer und Farmen besucht werden.

...wunderschönes Nicaragua...

…wunderschönes Nicaragua…

 

Revolutionäre Universitätsstadt Estelí­

­ Estelíhat viele Gesichter. Einerseits ist sie Markt- und Universitätsstadt des Nordens, aber auch sandinistische Hochburg, die in der Revolution und dem Contra-Krieg eine wichtige Rolle gespielt hat.

Heute gibt es viele Studenten, Geschäfte und es ist einiges los, ausser du bist gerade während den Osterferien in der Stadt, so wie ich. Dann ist alles geschlossen und wie ausgestorben, da es alle Nicas an den Strand zieht. Es gibt doch auch einige Europäer und Amerikaner die hierher ausgewandert sind und jetzt ein Business betreiben, meist in Form eines Hostels, Restaurants oder auch als Grundbesitzer.

Auch in Estelí­ kannst du tolle Wanderungen unternehmen und die Gegend erkunden. Oder der politischen Streetart in der Stadt nachgehen. Oder eine Zigarrenfabrik besuchen. Denn was in Matagalpa der Kaffee ist, sind in Estelí­ die Zigarren.

Bauernhof in der Nähe von Estelí in Nicaragua.

Bauernhof in der Nähe von Estelí­ in Nicaragua.

Ein schöner Ausflug führt zum Wasserfall in der Nähe der Stadt. Dieser ist ganz schön, aber auch nichts wahnsinnig spezielles. Viel schöner ist die Wanderung zum Aussichtspunkt. Bei der Strasse die beim Wasserfall vorbeiführt geht es alles weiter hinauf, bis du nach 3-4 Stunden auf einem wahnsinnstollen Aussichtspunkt stehst und weit nach Nicaragua blicken kannst.  Die Aussicht dort ist tatsächlich wunderschön und die Wanderung, vorbei an einsamen Fincas und durch Wälder und über Wiesen, lohnt sich allemal.

Wandern in Estelí.

Wandern in Estelí­.

Unterwegs in den Wäldern Nicaraguas.

Unterwegs in den Wäldern Nicaraguas.

Hier würde ich aber dringend empfehlen, diese Tour nicht alleine zu machen, sondern mindestens zu zweit zu gehen. Es ist wirklich einsam dort und wenn du stürzt oder dich verletzt, wird dich wahrscheinlich lange niemand finden. Zudem gilt die Gegend als nicht ganz die sicherste. Ich will dir keine Angst machen, ich war ja auch dort und habe mich zu jeder Zeit gut aufgehoben gefühlt. Aber es gibt eben auch einige Stories von Überfällen in dieser Gegend.

Aussicht zum Geniessen in Estelí.

Aussicht zum Geniessen in Estelí­.

 

Ganz im Norden: Der Somoto Canyon

Ein Ausflug den ich dir unbedingt ans Herz legen möchte, ist der zum Somoto Canyon. Dieser liegt ganz oben im Norden des Landes, von dort sind es nur noch 4 Km bis zur Grenze nach Honduras. Du kannst nach Somoto selbst reisen und von dort einen Ausflug in den Canyon organisieren. Aber du kannst den Trip auch in Estelí­ buchen, habe ich auch so gemacht. Direkt bei meinem Hostel ging das ganz einfach.

Dann gehts frühmorgens mit dem öffentlichen Bus ungefähr eine Stunde bis anderthalb nach Somoto. Dort wirst du von deinem Guide in Empfang genommen und mit der nötigen Ausrüstung ausgestattet. Das bedeutet eigentlich nichts anderes, dass du ein paar gebrauchte Schuhe bekommst, damit du nach der Tour deine trockenen Schuhe anziehen kannst.

Der Somoto Canyon im Norden Nicaraguas.

Der Somoto Canyon im Norden Nicaraguas.

Du gehst nur im Badeanzug in den Canyon, alles weitere wird deponiert und nicht mitgenommen. Der Guide wird zwar einen wasserfesten Beutel mitnehmen, wo du ihm deine Kamera mitgeben kannst, aber für mehr bleibt keinen Platz. Deshalb, wenn du selbst einen Drybag hast, bring ihn unbedingt mit!

Canyoning in Somoto in Nicaragua - ein besonderes Erlebnis.

Canyoning in Somoto in Nicaragua – ein besonderes Erlebnis.

Dann geht es los und nun bist du mindestens vier Stunden unterwegs. Du läufst durch den Somoto Canyon und entdeckst eine verlassene Welt. Ab und zu wird etwas geklettert, dann geschwommen und das beste: Du kannst (musst aber nicht) von 10-15 Meter hohen Felsen springen! Yeah, wie cool ist das denn?!

Sprung in die Tiefe im Somoto Canyon in Nicaragua.

Sprung in die Tiefe im Somoto Canyon in Nicaragua.

Alles in allem ist es ein unvergesslicher Tag draussen in einem wunderschönen Canyon, voller Abenteuer und mit viel Spass.

Der Norden Nicaraguas ist wirklich speziell und vermittelt ein ganz neues Bild des Landes. Es zeigt wieder einmal das es sich lohnt, die Touristenroute zu verlassen und sich auch etwas anderes anzusehen. Nicaragua ist bei weitem nicht nur Strand und Flor de Caña, sondern hat noch einiges mehr zu bieten. Wenn du also auch nur ein bisschen Zeit mitbringst, verpasse den wunderschönen Norden Nicaraguas nicht!

Warst du auch schon dort? Was hat dir im Norden Nicaraguas am besten gefallen?

2 Kommentare

  • Kurt sagt:

    ciao Sarah
    Nichts geworden mit dem Weihnachtsmarkt in Bremgarten…. Schade.

    Ja, wir waren in Nicaragua und Costa Rica. Uns hat das nichttouristische von Nicaragua viel viel besser gefallen als CR.

    „Geheimtipp“ für den Norden: ganz im Nordwesten ist der Nationalpark des Vulkans Cosigüina – – eine fantastische Tour. Kurz, nicht schwierig. Ein wunderschöner Ausblick auf Honduras und Salvador, im Vulkan der tiefblaue Kratersee – praktisch rund, einfach toll dieser Anblick.

    bald werden wir wieder in Nica sein, viel länger und ausgiebiger. Ein wunderbares Land
    Danke für deine Berichte.
    e liebe Gruess
    kurt

  • […] alles wert. Und wenn ich keinen Rückflug nach Europa gebucht hätte, wäre ich wahrscheinlich in Nicaragua hängen geblieben. Ein Teil meines Herzens wird für immer dort bleiben, denn in dieses Land habe […]

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