Marrakesch oder das Märchen aus 1001 Nacht

Ich war siebzehn Jahre alt als ich das erste Mal nach Marrakesch reiste. Ein Traum ging in Erfüllung und obwohl ich wahrscheinlich in jede Touristenfalle gestolpert bin, habe ich Marrakesch als märchenhaft in Erinnerung. Dazu kommt natürlich, dass ich damals so jung war und Marrakesch seit dem gleichnamigen Film mit Kate Winslet für mich ein Wunschziel war und auch, dass es nun doch schon eine Weile her ist. Und man mit der Zeit bekanntlich anfängt zu verklären.

Um so mehr war ich auf meine erneute Reise nach Marrakesch gespannt. Ich wusste, diesmal würde ich die Stadt mit ganz anderen Augen wahrnehmen und erfahren. Und tatsächlich, als ich ankomme merke ich schon, dass ich die Stadt anders wahrnehme. Nicht besser oder schlechter, ich schaue einfach mit anderen Augen.

Marokko - mein Traum aus 1001 Nacht

Marokko – mein Traum aus 1001 Nacht

Es herrscht immer noch ein Chaos auf den Strassen, aber auch das hält sich irgendwie in Grenzen. Mittlerweile habe ich über 50 andere Länder bereist und Zustände im Strassenverkehr erlebt, wo Marokko wohlgeordnet daherkommt. Besonders ist mir da meine Reise nach Vietnam in Erinnerung.

Aber zurück zu Marokko… Ich habe mich voller Aufregung ins Gewimmel des Souks gestürzt. Das ist auch nicht schwer, denn viele der schönen Riads liegen mitten im grossen Basar Marrakeschs. Ich habe es mir nicht zugetraut mein Riad alleine zu finden, was wohl tatsächlich unmöglich gewesen wäre. Ich lasse mich also abholen und würde das auch allen empfehlen. Die Strassen sind kaum angeschrieben und Hausnummern nicht zu finden. Riads sind traditionelle marokkanische Häuser mit einem Innenhof und einer Dachterrasse. In der Regel sind sie wunderschön und schwer wieder zu verlassen, da sie einfach so gemütlich sind und sich das Treiben der Medina von der Dachterrasse wunder sehen oder zumindest hören lässt.

Unterwegs in den Souks von Marrakesch.

Unterwegs in den Souks von Marrakesch.

Sich im Souk zu verlaufen, ist eine gute Idee. Sich einfach treiben lassen und schauen, wo einem die Gässchen hinführen. Es gibt so vieles zu entdecken. Allerdings braucht man eine dicke Haut, da man überall angequatscht wird und das Handeln gehört hier unbedingt dazu. Einfach mal schnell was kaufen liegt nicht drin. Das braucht Zeit, ein paar Minzentees und jede Menge Smalltalk.

Was man dann auch wirklich kaufen will, sollte gut betrachtet werden. Ich habe mir erst überlegt Gewürze zu kaufen. Aber von Marokkanern ist mir davon abgeraten worden. „Es kommt nur die schlechte Ware auf den Souk. Da kaufen es Touristen, die keine Ahnung von Qualität haben, sondern einfach, weil es in der Auslage hübsch aussieht. Geh lieber in den Supermarkt, wenn du gute Qualität willst.“ Na dann….

Impressionen aus dem Souk in Marakesch, Marokko.

Impressionen aus dem Souk in Marokko.

Rein ins Getümmel des arabischen Marktes.

Rein ins Getümmel des arabischen Marktes.

Überall gibt es Schönes zu kaufen in Marrakesch.

Überall gibt es Schönes zu kaufen.

Wo gehts lang im Souk in Marrakesch?

Wo gehts lang?

Egal wohin der Souk einem führt, früher oder später landet man immer wieder auf dem Grand Place, dem grossen Platz, dem Djemaa el Fna. Während früher hier die Köpfe der Toten aufgespiesst wurden, tummeln sich heute Geschichtenerzähler, Schlangenbeschwörer, Hennamalerinnen und auch ein Haufen Touristen auf engstem Raum. Der Platz ist jedoch ein ganz besonderes Erlebnis und besonders nachts und von oben schön zu beobachten.

Sobald es anfängt zu dämmern, finden sich immer mehr Menschen auf dem Djemaa el Fna.

Sobald es anfängt zu dämmern, finden sich immer mehr Menschen auf dem Djemaa el Fna.

Es gibt alles mögliche im Angebot....

Es gibt alles mögliche im Angebot….

Der Djemaa el Fna in Marrakesch bei Nacht.

Der Djemaa el Fna in Marrakesch bei Nacht.

Ganz besonders habe ich mich auf die marokkanische Architektur gefreut. Ich kann mich immer noch gut an die Gärten, Moscheen und wunderschönen Bauten erinnern. Meiner Meinung nach schlägt kaum etwas die arabische Architektur. Für mich geht es also auch in den Bahia Palast und ich kann hier stundenlang umherirren. Das ist auch gar nicht so schwierig, den der Palast ist riesengross und erstreckt sich auf mehr als 8000 m2 und über 160 Räume, Riads und Innenhöfe. Der Rundgang ist aber gut beschriftet, so kann ich mich zurecht finden.

Der prachtvolle Palast wurde 1867 im Auftrag des Grosswesirs Si Moussa erbaut und später von seinem Sohn erweitert. An allen Ecken sind kunstvolle Mosaike, Marmorfliesen und Stuckarbeiten zu entdecken. So viele liebevolle kleine Details!

Kunstvolle Architektur im Bahia Palast in Marrakesch.

Kunstvolle Architektur im Bahia Palast in Marrakesch.

Einer der Innenhöfe des Bahia Palastes in Marrakesch.

Einer der Innenhöfe des Bahia Palastes.

Kunstvolle Fliesen im Bahia Palast in Marrakesch.

Kunstvolle Fliesen.

Es gibt überall etwas schönes zu entdecken im Bahia Palast in Marrakesch.

Es gibt überall etwas schönes zu entdecken!

Bahia Palast

Bahia Palast

Der Bahia Palast in Marrakesch.

Der Bahia Palast in Marrakesch.

Ein Wahrzeichen Marrakeschs und von fast überall zu sehen, ist die Koutoubia Moschee, die abends auch immer schön beleuchtet wird. Ich will jedoch noch weiter und zwar will ich die Gräber der Saadier besuchen. Die Saadier haben lange Zeit über die Stadt geherrscht und ihr Gräber sind eher durch Zufall bei Ausgrabungen gefunden worden. Hier sind bedeutende Sultane und ihre Familien begraben worden. Die Grabstätten sind ein Kunstwerk aus feinstem Marmor und wunderschönen Mosaiken, die in Andalusien gefertigt wurden.

Die kunstvollen Gräber der Saadier in Marrakesch.

Die kunstvollen Gräber der Saadier.

Für mich soll aber noch ein weiteres Highlight anstehen: Ein Besuch im Maison de la Photographie – im Haus der Fotografie. Es ist nicht ganz einfach zu finden, irgendwo in der Medina von Marrakesch. Hier wird Marokko porträtiert und teils sind die ersten Fotografien des Landes ausgestellt. Es gibt Werke von bekannten und weniger bekannten Fotografen, Vorher-Nachher Bilder und natürlich ist das Ganze in einem wunderbaren Riad zu finden.

Kunstvolle Fotografien im Maison de la Photographie in Marrakesch.

Kunstvolle Fotografien im Maison de la Photographie in Marrakesch.

Die Ausstellungen lohnen sich für alle fotografieinteressierten, aber am Schluss wartet das Haus mit einer traumhaften Aussicht über Marrakesch auf. Aber nicht nur das, auf der Dachterrasse gibt es auch noch ein kleines aber feines Restaurant. Hier ist ein Top Spot um zu Verschnaufen, sich einen Minzentee und vielleicht sogar eine Tajine zu gönnen.

Die Aussicht von der Terrasse vom Maison de la Photographie.

Die Aussicht von der Terrasse vom Maison de la Photographie.

Am Schluss gönne ich mir einen weiteren Augenschmaus und besuche die ehemalige Koranschule Medersa Ben Youssef. Wahrscheinlich um 1340 erbaut und 1960 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, ist die Medersa ein wahres Prachtsück. Hier lassen sich viele der so bekannten Fotomotive Marrakeschs erhaschen und ich kann fast nicht mehr aufhören mit knipsen. Aller Fotoliebe zum Trotz, hier sollte auch einmal innegehalten und den Blick auf die vielen unglaublichen architektonischen künstlerischen Details geworfen werden.

Die Medersa Ben Youssef in Marrakesch.

Die Medersa Ben Youssef in Marrakesch.

So schön kann eine Schule sein... Die Medersa Ben Youssef in Marokko.

So schön kann eine Schule sein…

Unglaubliche Architektur in der Medersa Ben Youssef, der alten Koranschule Marrakeschs.

Unglaubliche Architektur in der Medersa Ben Youssef, der alten Koranschule Marrakeschs.

Die Medersa Ben Youssef.

Die Medersa Ben Youssef.

Sarah in der Medersa Ben Youssef.

Sarah in der Medersa Ben Youssef.

Ein Tag in Marrakesch voller Highlights – und es gäbe noch einige mehr. Gerade für Architekturfans ist die Stadt einfach prädestiniert. Marrakesch kann auch recht günstig angeflogen werden und die Weiterreise in andere Teile des Landes ist per Bus und Bahn sehr einfach und sicher. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Surftrip an die Küste?

In Marrakesch gibt es unzählige Unterkünfte und viele davon sind sehr gut. Aus persönlicher Erfahrung kann ich dir das Riad Sharmance sowie das Riad Al Mamoune sehr empfehlen. Beide haben ein gutes Preis-/Leisungsverhältnis, sind super ausgestattet und haben sehr nette Gastgeber. Am einfachsten findest du sie über die gängigen Buchungsseiten.

Verrätst du mir jetzt noch deinen Lieblingsort in Marrakesch?

17 Kommentare

  • Step sagt:

    klingt interessant und im Moment scheint irgendwie jeder nach Marrakesch zu reisen. …ich selbst war noch nie in Marokko und nach diesem Artikel bin ich mir auch nicht sicherer. die Bauwerke und die Farben sind sicher ein Traum aber die aufdringlichkeit geht mir schwer auf die nerven. ..hat mir in Kairo meine tage ziemlich versaut dass man sich nie in ruhe umsehen kann ohne dass man wieder angequatscht und meist beim minztee übers Ohr gehauen wird (oder zumindest versucht wird das zu tun). was ich sonst so von Marokko gehört hab ist das dort ziemlich ähnlich. …lg aus Malaysia

  • Ich war vor 8 Jahren in Marokko und auch in Marrakesch und fand es einfach wunderbar. Marrakesch ist eine faszinierende Stadt – und ich habe mich dort sehr wohlgefühlt. Wir waren mit unseren Kindern unterwegs, damals 4 und 6 Jahre alt, und hatten keinerlei Probleme.

    Ein sehr schöner, ruhiger Ort ist auch der Park von Yves Saint Laurent (ich erinnere mich leider nicht mehr an den Namen), aber ich habe noch genau die Riesenbäume in Erinnerung, die Lauben zum Ausruhen und die farbigen Pflanzengefässe.

  • Axel Borg sagt:

    Toller Beitrag, besonders den Tipp sich das Haus der Fotografie anzuschauen werde ich beherrzigen. Ich hoffe ich schaffe es dieses Jahr auch mal nach Marrakesch.

    Gruß Axel

  • Maxence sagt:

    Das sind wirklich schöne Bilder. Ich war noch nicht in Marrakesch, aber ich habe gehört es ist sehr anstregend, wenn man in der Medina ist. Jeder will Geld von dir und versucht es dir auf vielen Arten abzulocken. Stimmt das?

  • Marie sagt:

    Ich bin seit gestern selbst in Marrakesch als Beginn einer dreiwöchigen Marokkoreise und fand deinen Artikel total spannend.
    Mir haben vorher einige Leute Angst gemacht. Und auch hier vor Ort erzählen einige „Horrorstories“ von teils aggressiven Geldforderungen für irgendwelche aufgezwungenen Geschenke oder Dienstleistungen.

    Ich weiß nicht, woher das kommt. Ich glaube die Negativität gibt sich weiter, denn ich nehme Marrakesch bisher ganz anders wahr. Auch in Südostasien wird man oft bedrängt und übers Ohr gehauen, was Preise angeht – trotzdem schwärmt jeder von den Ländern (ich eingeschlossen).

    Bisher begeistert mich Marrakesch einfach unheimlich. Wie du es schon sagst, hilft es, die Vorurteile hinter sich zu lassen. Man ist dann selbst entspannter, kann sich besser abgrenzen aber auch viel besser genießen. Und damit wird Marrakesch einfach direkt wunderschön und sehr fantastisch :)!

    Vielen Dank für den schönen Artikel und die Inspirationen!

    Liebe Grüße,
    Marie

    • Liebe Marie, das ist super, dass du Marrakesch so positiv empfindest und freut mich sehr. Es hat auch immer sehr viel mit der Einstellung zu tun, wie man einen Ort und seine Menschen wahrnimmt und wie man sich allenfalls von Vorurteilen blenden lässt. Oder eben nicht. Ich wünsche dir weiterhin eine tolle Zeit im schönen Marokko!

  • Rene Marn sagt:

    Ich war eine Woche in Marokko davon 3 Tage in Marrakesch. Dein Reisebericht kann ich so unterschreiben es gibt vieles zu entdecken in Marrakesch. Trotz der schönen Riads und schöner Architektur bleibt es kulturell eher flach, das Essen fad und die bunten Souks eintönig und eher zu laut. Wenn man alles nüchtern betrachtet ist es vor allen Dingen anders als in Deutschland. Ob es deswegen gleich schön und zauberhaft ist ? Bitter ist auf dem viel gelobten Marktplatz die Qual der Tiere. Schlangen die den ganzen Tag in der Sonne brutzeln müssen und sich das dauergetröte der Touristenberber anhören müssen, in Ketten gehaltene Affen, Falken die mit ausgerissenen Federn für ein Foto auf dem Kopf von Touristen hocken müssen, 30 Schildkröten gemeinsam mit anderen Reptilien in einen Käfig der eigentlich für einen Kanarienvogel reicht. Über die verhungerten Esel und die Pferde die durch die Geschirre verwundet sich den ganzen Tag in der Sonne stehen will ich gar nicht reden. Die Menschen sind freundlich und zuvorkommend immer auf der Suche Geschäft zu machen. Ich denke eine Reise nach Marrakesch kann man schon mal machen aber nicht länger als Max 3 Tage. Die viel gerühmte Tajine ist am Ende nur ein zu lange gegartes Gulaschpampe mit Kartoffeln. Na ja – alles ok aber medial ist Marrakesch oft zu romantisch und völlig überschätzt dargestellt. Fahrt hin schaut selbst .

    • Schade, dass du so negative Erfahrungen gemacht hast. Marokko mag ein Land sein, was nicht alle Geschmäcker trifft und für einige vielleicht „zu viel“ ist. Dies kann jedoch bei fast jedem Land ausserhalb Europas zutreffen. Es ist anders als bei uns – und das ist gut so. Selbstverständlich gilt es immer zu unterscheiden zwischen den touristischen Zielen (wie beispielsweise den Teil des Souks in dem sich üblicherweise die Touristen aufhalten – das ist es furchtbar!) und den etwas versteckteren Ecken, wo die Leute freundlich und viel ruhiger sind.

      Was die Behandlung von Tieren angeht müssen wir nicht diskutieren. Die kann man nicht anders als furchtbar nennen. Aber auch dies ist – leider – kein Marrakeschspezifisches Problem, sondern in fast allen Teilen der Welt zu finden. Was übrigens auch für Menschenrechte gilt.

      Ein Reiseziel zu finden in dem Tier- und Menschenrechte geachtet werden und dazu politisch einigermassen korrekt läuft, ist eine grosse Herausforderung.

      Dennoch bleibt Marrrakesch für mich märchenhaft. Die Architektur ist zauberhaft und für mich hat der Ort nach wie vor eine wunderbare Aura. Auch, weil es das erste Reiseziel war, welches ich ausserhalb Europa alleine besucht haben. Es hängen viele Erinnerungen daran!

  • Kerstin sagt:

    Hallo ihr Lieben,

    ich finde es nicht in Ordnung, wie es immer den Leuten selbst in die Schuhe geschoben wird, wenn einem diese gehypte Stadt oder ein anderes muslimisches Land nicht gefällt! Ich bin mal ganz direkt und hoffe das mein Kommentar trotzdem veröffentlicht wird: Nein, ein Lächeln macht es nicht leichter und es kann auch schiefgehen, wenn man völlig ohne Vorurteile nach Marrakesch reist. Geschmäcker sind verschieden, ja, aber mich macht diese Selbstdarstellung in den blogs mittlerweile wütend. So als würden nur die ganz toleranten und offenen Reisenden diese Stadt genießen können.
    Ich muss dazu sagen das ich aufgrund von Freundschaften einen Einblick in die muslimische Kultur und den Alltag habe, weswegen ich nie gedacht hätte, mir könnte diese Reise nicht gefallen.
    Ich bin voller Vorfreude und Optimismus gestartet, Sorgen hatte ich wegen dem Essen und der Sprache, was sich als völlig abwegig herausstellen sollte. Ich hatte schöne Momente und habe viele hilfsbereite TOURISTEN getroffen, die mir meinen Aufenthalt verschönert haben, genauso das Team meines Riads, ohne diese wunderschöne Oase ich sicherlich früher heim geflogen wäre! Ich habe mich selten in meinem Leben derart unwohl gefühlt…mittlerweile kann ich es auch genau benennen, was mich so verrückt gemacht hat: Ich konnte mich nicht frei bewegen als Frau und mit dieser Einschränkung konnte ich nicht gut umgehen. Hier scheiden sich sicherlich die Geister und ich persönlich denke, da gibt es Unterschiede und nicht jeden stört das so sehr wie mich. Ich bin klein, blond und sehe sehr jugendlich aus. Aufgrund meiner Ausstrahlung merken die Leute allerdings schon, das ich nicht so jung bin, wie ich aussehe. Warum ich das betone: Man sieht mir an, das ich einen guten Selbstwert habe. Und ich dachte, genau das könnte mich quasi „schützen“. Weit gefehlt: Ich wurde begrapscht, verfolgt, abgezockt und beschimpft!
    Die einen haben mich bewundert angesehen, den anderen tat ich leid, als allein reisende Frau. Ich bekam viele Einladungen von anderen Touristen und auch im Riad war man bemüht, mir einen schönen Aufenthalt zu bieten. Nach einem Tag bekam ich das schönste und teuerste Zimmer dort…vielleicht weil ich alleine war?
    Ich persönlich glaube, man kann Marrakesch als allein reisende Frau genießen und erleben, wenn man die Einschränkungen als Frau gut ertragen kann. Mich haben auch nicht die langen Klamotten gestört, ich habe versucht, jeden cm freie Haut zu bedecken, so schlecht habe ich mich gefühlt. Mich haben die Blicke gestört und der Spießrutenlauf auf der Straße…Die Aufdringlichkeit und Aggressivität der Männer. Es hat auch nichts mit Respekt zu tun, wenn nur der Mann angesprochen wird, sobald man mit einem Mann unterwegs ist. Ich bin sehr anpassungsfähig und bin viel „standesgemäßer“ unterwegs gewesen, als die meisten Touristinnen, die ich sah. Außerdem spreche ich französisch. Meiner Meinung nach hat sich in den letzten Jahren der Tourismus so in Marokko verbreitet, das sich nun auch die Schattenseiten zeigen und es hat sich eine gewisse aggressive Stimmung breit gemacht. Das ist nicht nur mir aufgefallen, sondern auch anderen Reisenden. Ich als allein reisende Frau war meiner Meinung nach Freiwild und wurde sogar schlechter behandelt, wie manche Frau in hot pants und shirt, die aber eben nicht alleine unterwegs war. Ich war quasi schutzlos und bei mir hat man es sich vielleicht eher getraut, heraus zu lassen? Da nützt einem die größte Anpassungsfähigkeit und Toleranz nichts.

    Ich kann nur jeder Frau raten: Nehmt die negativen Berichte ernst und reist wenn möglich nicht allein. Ich hatte alles, was ich erlebt habe, schon mal gehört und gelesen…Es muss einen nicht treffen, kann aber. Und dann ist es kein Urlaub, sondern eine stressige Reise mit Momenten, auf die man gut verzichten kann!

    Liebe Grüße an alle Reisefans.

    • Liebe Kerstin. Danke für deinen Beitrag, welchen ich natürlich veröffentliche. Warum denn auch nicht? Selbstverständlich kannst du eine andere Meinung haben als ich.

      Schade, dass deine Erfahrungen in Marrakesch negativ waren. Als Frau alleine zu reisen ist manchmal nicht ganz einfach. Da kommt man manchmal in Situationen, in denen man sich nicht wohl fühlt. Ich kann das verstehen, auch mir ging das schon so. Ich schreibe auf meinem Blog von meinen ganz persönlichen Erfahrungen, daher kann ich nicht ganz nachvollziehen, was du mit der „Selbstdarstellung in den Blogs, die dich so wütend machen“ meinst. Ich gebe hier meine Erfahrungen wieder, nicht mehr und nicht weniger. Wenn diese gut sind, wie in Marokko, dann schreibe ich das so. Wenn es aber auch Schattenseiten gibt, wie ich sie zum Beispiel in anderen Ländern als Reisende erlebt habe, dann bringe ich das ebenso zur Sprache.

      Erfahrungen sind immer unterschiedlich und können von Mensch zu Mensch anders ausfallen. Es gibt Orte und Länder in denen es mir weniger gefallen hat und andere im hohen Masse schwärmen. Oder eben umgekehrt. Wenn du in meinem Blog stöberst, werden dir ab und zu solche Artikel auffallen.

      Liebe Grüsse, Sarah

  • Kerstin sagt:

    Liebe Sarah,

    man sucht natürlich immer nach Erklärungen, warum irgendetwas so und so läuft, das ist ja auch gut so. Leider lese ich in den meisten blogs und ihren Kommentaren eben oft solche Dinge „Ein Lächeln und Freundlichkeit hilft“, „es hilft wenn man offen ist und ohne Vorurteile“, „man muss sich einlassen können“…Das schreiben dann Leute, die die jeweilige Destination ganz toll fanden und ich finde das wirkt übersetzt ganz oft eben leider so: “ Ich war freundlich, offen, tolerant, richtig angezogen und deshalb hatte ich eine ganz tolle Zeit dort.“ So nach dem Motto, wem es nicht so ergeht, der ist selbst schuld, war halt nicht tolerant (oder was auch immer) genug. Und gerade die muslimische Kultur ist so ein Thema, das sehr viel Sprengstoff bietet. Die Leute überschlagen sich in ihrer Toleranz, haben aber oft leider keinen blassen Schimmer und auch keine Freunde, Bekannte, die aus der Kultur stammen. Deutscher Umgang eben mit solchen Themen!
    Mir ist klar, dass das etwas provokant ist und vielen sicherlich negativ aufstoßen wird. Die blogs schießen wie Pilze aus dem Boden und ich habe mittlerweile auch zu viele gelesen! Es tut mir leid, wenn ich dir unrecht getan habe. Es ist nicht böse gemeint, aber wenn man 1000 mal dasselbe liest und mittlerweile viele Leute kennen gelernt hat, die so ganz andere Erfahrungen gemacht haben, liest man vieles doch anders…

    Liebe Grüße

  • Sonja Schmidt sagt:

    Vielen lieben Dank für diesen Bericht. Ich möchte schon sehr Marrakesch allein bereisen. Aber ich hatte immer etwas Respekt davor. Dein Aussehen trifft weitestgehend auch auf mich zu. Und darum werde ich jetzt definitiv nicht allein dahin reisen. Ich warte bis ich jemanden passenden gefunden habe. Aber nach Marrakesch möchte ich trotzdem noch.Liebe Grüße aus dem Schwarzwald

  • Karin Bauer sagt:

    Hallo,
    soeben aus Marrakech zurück, muss ich erst mal verdauen, was ich erlebt habe. Mit viel Vorfreude und einer Mystifizierung aus Kindertagen (1001 Nacht) bin ich dort hin gereist, wie so viele andere auch und bin jetzt froh, dass ich es überlebt habe (Scherz – ich übertreibe ein Wenig!)
    Kein Scherz ist aber, dass man unterwegs wirklich kaum in einen Stadtplan schauen kann, ohne von links und rechts belagert zu werden von „hilfsbereiten“ Einheimischen die einem den Weg zeigen wollen und dann nach 50 metern unfreiwilligen „Weg-Zeigens“ abkassieren wollen , furchtbar! Von den Händlern will ich gar nicht reden ….
    AUßerdem wundert mich, dass niemand etwas über die Luft schreibt. Der Verkehr ist lebensgefährlich, vor allem Mopeds düsen an einem vorbei wie auf der AUtobahn und im endlosem Konvoi. Wenn einem dabei nicht der A… abgefahren wurde, muss man froh sein, wenn man nicht ohnmächtig wird von der verpesteten Abgas-Luft!Vielleicht war das mal romantisch, als nur Eselskarren unterwegs waren …. Mir hat Marrakech nur auf den Dachterrassen gefallen, viele Highlights haben wir leider nicht gefunden wegen der oben erwähnten Hindernisse. Werde mir wohl einen Bildband kaufen! Viele Grüße Karin

    • Liebe Karin, danke, dass du deine Erfahrungen teilst! Marrakesch kann sehr anstrengend sein, vor allem an den touristischen Plätzen wie z.B. im Souk. Ich kann zum Glück sehr gut ignorieren, daher ist das für mich weniger ein Problem.
      Die Luft habe ich aber nicht als so schlecht wahrgenommen. Vielleicht war es durch etwas bestimmtes besonders schlimm als du dort warst?

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