Lust und Laster in Bern

Bern – Meine Heimat. In Bern bin ich aufgewachsen, hier habe ich den grössten Teil meines Lebens verbracht. Und ja, ich liebe meine Stadt. Bern ist wunderschön. Klein zwar, aber wunderschön. Hierhin zieht es mich trotz aller Reiselust immer wieder zurück – in die schönste Stadt der Schweiz, mit dem schönsten Fluss der Welt.

Bern, die schönste Stadt der Schweiz, hier vom Rosengarten aus.

Bern, die schönste Stadt der Schweiz, hier vom Rosengarten aus.

Ich kenne Bern wie meine Westentasche. Höchste Zeit also, die Stadt aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Ich will meine Stadt anders erfahren, neu kennenlernen und Dinge erfahren, die ich bisher noch nicht gewusst habe.

Bei Bern Tourismus finde ich, was ich suche: Eine Stadtführung. Aber nicht irgendeine, sondern eine ganz Spezielle. Im Angebot stehen eine Mani Matter*-Führung, „zu Tisch im alten Bern“ oder sogar „Bern für Berner_innen“. Ich entscheide mich aber für „Lust und Laster„. Zu gross ist meine Neugierde, was denn da eigentlich dahinter steckt. Also mache ich mich zusammen mit Michael von Frei auf Reisen auf, die Hauptstadt neu zu entdecken.

Die Altstadt von Bern, Kulturerbe der UNESCO.

Die Altstadt von Bern, Kulturerbe der UNESCO.

Die Führung ist auf den sieben Todsünden aufgebaut: Hochmut, Geiz, Wolllust, Zorn, Völlerei, Neid und Faulheit. Der Rundgang führt uns durch die ganze Oberstadt bis zur Münsterplattform wo  wir von der kundigen Führerin spannende Informationen bekommen.

Ein kleiner Einblick? Hast du gewusst, dass früher der Henker der Stadt Bern dort gewohnt hat, wo heute die Buchhandlung Stauffacher ist? Dieser war, obwohl der Beruf damals als nötig empfunden wurde, ehrlos. Der Beruf des Henkers wurde an den Sohn vererbt und die Tochter an einen Sohn einer anderen Henkersfamilie verheiratet. Dennoch durften Leute aus einer Henkersfamilie nicht in der Kirche heiraten, kein Gasthaus betreten und die Henkersfrau auf dem Markt das Gemüse nicht berühren.

Der Zytglogge-Turm in Bern. Was wohl die Pfaffendirnen damit zu tun gehabt haben?

Der Zytglogge-Turm in Bern. Was wohl die Pfaffendirnen damit zu tun gehabt haben?

Oder weisst du, warum die Gerechtigkeitsgasse so heisst wie sie heisst? Im Mittelalter wurde in dieser Gasse „Recht gesprochen“. Der Schulthess, der höchste Berner, hat auf seinem Holzstuhl gerichtet, während die schaulustige Menge ihrer Meinung Ausdruck verleihte. Gleich neben dem Richtstuhl, war der Schandpfahl angebracht. Glücklicherweise gibt es heute in Bern keine solche Gerichtsverfahren mehr…

Gleich neben dem Henkershaus war das Frauenhaus. Was dieses mit dem Henker zu tun hatte, was mit einem „peinlichen Verhör“ gemeint ist und was genau eine Pfaffendirne ist, gibt es alles auf der Führung zu erfahren.

Mir hat sich ein völlig neuer Blick auf Bern ermöglicht und wenn ich nun durch die Stadt laufe, erinnere ich mich ab und zu an das Mittelalter, die sieben Todsünden und wie Bern damals ausgesehen haben muss. Und bin froh, dass ich in der heutigen Zeit leben darf.

Das schöne Bern...

Das schöne Bern…

In den Gassen von Bern.

In den Gassen von Bern.

Um wieder zurück in die heutige Zeit zu finden, gibts hier noch ein paar Tips für die weitere Bernerkundung:

  • Die beste Sicht auf die Stadt gibts vom Rosengarten aus.
  • Wenn du schon in die Richtung läufst, kannst du auch gleich den Bären Hallo sagen. Diese sind nicht mehr im „Graben“, sondern haben ein schönes und grosses Gehege an der Aare. Trotzdem heisst es immer noch Bärengraben.
  • Der Aufstieg aufs Münster gehört zu einer richtigen Bern-Tour dazu. 360 Grad Sicht garantiert. Bei Vollmond kannst du übrigens am Münster-Apéro teilnehmen, Besichtigung der Glocken und Geschichten über die Glöckner inbegriffen.
Das Berner Münster.

Das Berner Münster.

Der Aufstieg aufs Münster geht über viele Treppenstufen...

Der Aufstieg aufs Münster geht über viele Treppenstufen…

...belohnt wird man mit der Sicht über die Stadt.

…belohnt wird man mit der Sicht über die Stadt.

  • Ausruhen lässt es sich am besten auf der Münsterplattform, von wo du mit dem Mattelift in das Ur-Berner Quartier „Matte“ runterfahren kannst. Hier ticken die Uhren noch ein bisschen anders. Und falls du dich in einer neuen Sprache üben willst, fragst du am besten mal nach „Matteenglisch“.
  • Schweiz ohne Berge? Geht nicht. Auch nicht in Bern. Die beste Sicht auf die Alpenkette hast du auf der Bundesterrasse.
  • Willst du das Bundeshaus von Innen betrachten, kannst du während der sessionsfreien Zeit an einer der Führungen teilnehmen. Während den Sessionen kannst du die Ratsdebatten von der Zuschauertribüne live mitverfolgen.
Sicht auf das Matte-Quartier von der Münsterplattform in Bern.

Sicht auf das Matte-Quartier von der Münsterplattform in Bern.

  • Das Wasserspiel vor dem Bundeshaus, solltest du dir keinenfalls entgehen lassen. Im Winter findet dieses nicht statt, dafür gibts von Oktober bis November das Rendevous Bundesplatz, wo du diesen in einem ganz neuen Licht erfahren kannst.
  • Das beste Eis gibt es in der Gelateria di Berna in der Länggasse oder dem Breitenrain und nun auch vis à vis vom Marzili.
  • Baden lässt es sich am schönsten im Eichholz. Überhaupt solltest du das Baden in der Aare keinenfalls verpassen. Schliesslich ist das der schönste Fluss der Welt.
  • Im Einstein Haus kannst du dich über das Wirken und Leben des Genies schlau machen, seine ehemalige Wohnung besuchen und auch einen Film über Albert schauen.
Blick vom Münster auf den schönsten Fluss der Welt: Die Aare.

Blick vom Münster auf den schönsten Fluss der Welt: Die Aare.

Die schöne, grüne Aare, mein Lieblingsfluss und perfekte Abkühlung im Sommer.

Die schöne, grüne Aare, mein Lieblingsfluss und perfekte Abkühlung im Sommer.

  • Für Architekturinteressierte lohnt sich ein Besuch im Kornhaus, ein besonders schönes Exemplar des bernischen Hochbarocks. Der frühere Getreidespeicher beherbergt heute eine Bibliothek, ein Restaurant und ganz besonders schön, den Kornhauskeller.
  • Oder bist du eher auf der Suche nach dem jungen Bern? Dann besuche die Lorraine, das Trendquartier der Stadt mit alternativen Restaurants und vielen Boutiquen und spannenden Läden.
  • Vergiss nicht, dich auf die speziell schönen Brunnen der Stadt zu achten. Was stellen die Figuren darauf dar? Findest du den „Chindlifrässer“ (Kinderfresser)?
Bärn, ig ha di gärn!

Bärn, ig ha di gärn!

Eines ist jedoch klar: Komm nach Bern! Die Stadt ist wunderschön und entspannt, voller Lust und Laster. Denn eins können wir Berner besonders gut: Das Leben geniessen und auch einmal „ds Füfi la grad sy“.

Und wann kommst du nach Bern?

 

Ich bedanke mich bei Bern Tourismus für die spannende Führung und bei Michael von Frei auf Reisen für die tolle Begleitung. Wie immer kannst du sicher sein, dass meine Meinung davon nicht beeinflusst wird. Ig liebe Bärn tatsächlech u bi dr Meinig, dass sie die schönschti Stadt vor Schwiiz isch. Bärn i ha di gärn.

*Mani Matter war ein Schweizer Liedermacher, dessen Texte auch heute noch jedem Kind bekannt sind und dem Meinung Bewunderung gewiss ist. Hier ein Beispiel seiner Liederkunst.

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