Im Interview: Kenji, der vier Jahre um die Welt gereist ist

Das Schöne auf Reisen ist, dass man immer wieder interessante Menschen kennenlernt. Einer davon ist Kenji, den ich auf den Philippinen getroffen habe.

Er war gerade auf dem Weg nach Hause, nach Japan. Auf die Frage, wie lange er den jetzt unterwegs gewesen sei, antwortet er mit „vier Jahre“.

Ich werde hellhörig und will das natürlich genauer wissen. Kenji ist mir Rede und Antwort gestanden, wobei nachfolgendes spannende Interview entstanden ist, wo er von seiner Reise rund um die Welt erzählt.

 

Kenji, vor kurzem bist du nach einer Weltreise die vier Jahre gedauert hat wieder in deinem Zuhause angekommen. Wie geht es dir?

Mir geht’s sehr gut, auch gesundheitlich. Ich habe mir glücklicherweise keine Krankheit als Souvenir mitgebracht.

Eine Reise von vier Jahren hört sich nach einer langen Zeit an. Für mich sind diese vier Jahre aber schnell vorbei. Meine Freunde machen jetzt Karriere, haben ein Haus gekauft und eine Familie gegründet. Das macht mich manchmal etwas traurig, da ich das alles nicht habe. Im Gegensatz dazu, habe ich aber viele andere wertvolle Erfahrungen gesammelt.

Rund um die Welt: Kenji in Brasilien, als er mit dem Boot auf dem Amazonas gereist ist

Ausgenommen Australien hast du jeden Kontinent bereist. Wie viele Länder hast du gesehen? Erzähl doch kurz von deiner Route.

Ich habe 110 Länder besucht. Ich bin in Asien gestartet und von dort durch den Nahen und Mittleren Osten nach Europa gereist. Von dort habe ich mich dann aufgemacht Afrika zu entdecken, von wo aus ich nach Südamerika geflogen bin. Amerika habe ich von Süd nach Nord bereist. Via Philippinen bin ich dann nach Japan zurückgereist.

 

Hast du von Beginn weg geplant vier Jahre unterwegs zu sein oder hast du deinen Trip nach und nach verlängert?

Als ich von Zuhause losgereist bin, war der Plan, in zwei Jahren bis nach Südafrika zu reisen. Das war aber auch nur eine ungefähre Planung.

Als ich dann in Südafrika angekommen bin, waren schon drei Jahre vergangen. Dort habe ich dann Freunde aus Japan getroffen, welche von dort nach Buenos Aires weitergeflogen sind. „Wieso nicht auch ich?“, habe ich mir gedacht. Ob ich nun drei oder vier Jahre unterwegs war, spielte auch keine Rolle mehr. Als ich einmal mit Reisen losgelegt habe, konnte ich nicht mehr stoppen.

In der Antarktis

 

Du bist mit einer Reisetasche in Japan losgereist. Warst du immer mit ÖV unterwegs oder hattest du auch mal ein eigenes Auto?

Ja, meinen ersten Rucksack habe ich mir erst in Buenos Aires gekauft. Vorher war ich mit einer Reisetasche unterwegs. Aber mein eigenes Auto hatte ich nie, ich war immer mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs.

 

Gibt es ein Land das du ganz besonders magst?

Die Türken sind sehr nette Menschen. Ich wurde oft angesprochen und ins Restaurant eingeladen, obwohl mich die Leute gar nicht kannten. Und das ist ein Beispiel meiner vielen positiven Erfahrungen in der Türkei.

China mag ich auch. Für mich waren die chinesischen Schriftzeichen sehr interessant, manche werden auch in Japan verwendet, aber mit anderer Bedeutung.

Kenji in einem Homestay in Iran

 

Gibt es andererseits auch ein Land, dass dir nicht besonders zugesagt hat?

Katar ist sehr langweilig. Doha ist eine supermoderne Hauptstadt in einer Sandwüste mit vielen ausländischen Arbeitern. Aber für Reisende gibt es nichts besonderes zu sehen.

 

Gab es einen Ort/ein Land, dass dich als Reisender besonders gefordert hat?

Tschad in Afrika. Die nördliche Region ist sehr unterentwickelt. Elektrizität gibt es nur für einige Stunden vom Generator, Wasser nur aus dem Brunnen. Es gibt keine befestigten Strassen und wenig Verkehr zwischen den Dörfern.

In Oum Chalouba, einen Ort an den ich gereist bin, gab es keine Unterkunft. Ich habe bei Einheimischen im Garten geschlafen. In der Nacht war es kühl und der Himmel war voller Sterne. Am Morgen wurde ich dann von schreienden Eseln und Hühnern aufgeweckt.

Schlafplatz in Tschad

Das eigentliche Reisen ist sehr schwierig in Tschad. Um nach Faya Largeau zu kommen, habe ich drei Tage an der Bushaltestelle gewartet, bis mich endlich ein Lastwagen mitgenommen hat. Wir sind durch endlose Wüsten gefahren, am Horizont nichts als Sand zu sehen.

Die Autos gehen kaputt, es gibt Pannen, endlose Wartereien. So kann eine Fahrt durchaus mal 60 Stunden dauern. Irgendwann hatte ich die endlose Warterei dann satt und bin weitergezogen.

Reisen in Tschad ist sehr zeitaufwändig

 

Bist du alleine gereist oder hattest du Begleitung?

Ich reiste alleine. Unterwegs lernte ich aber immer wieder andere Reisende kennen, mit denen ich ein paar Tage unterwegs war. Am längsten war ich mit einem anderen Japaner für eine Woche unterwegs.

Dank des Internets ist es heutzutage ja einfach, mit anderen Reisenden in Kontakt zu bleiben. Wenn ich sehen, dass sich mein Weg mit jemandem kreuzen wird, gebe ich einige Tage vorher Bescheid. So habe ich viele Freunde wieder getroffen.

 

Wie hast du deine Reise finanziert?

Ich habe vorher alles Geld zusammengespart. Während meiner Reise habe ich nicht gearbeitet.

Kenji in Norwegen

Was hast du am meisten vermisst?

Meine Familie, meine Freunde und japanisches Essen.

 

Hattest du jemals irgendwelche Probleme?

In der Türkei wurde ich mit einem Messer bedroht, wobei mir aber ein Soldat zu Hilfe kam. Es ging nur um Geld. Am nächsten Tag musste ich aber im Gericht als Zeuge aussagen.

 

Wenn du nochmals am Anfang deiner Reise stehen würdest, jedoch mit dem Wissen das du jetzt hast, was würdest du anders machen?

Ich würde auch einmal länger an einem Ort bleiben, etwas lernen oder arbeiten. So könnte ich mich besser mit der jeweiligen Kultur auseinandersetzen.

Auf seiner Reise rund um die Welt hat Kenji auch Kurdstan besucht

 

Was hast du jetzt für einen Bezug zu Japan? Hat sich etwas verändert?

Nach dieser Reise kann ich Japan und dessen Kultur mit anderen Augen betrachten. Auf Reisen in andere Länder habe ich erstaunlicherweise vieles über mein Heimatland gelernt. Japan ist ein sehr isoliertes Land, erstens durch dessen Lage und auch durch dessen Geschichte. Bis vor meiner Reise habe ich beispielsweise den Buddhismus und den Shintoismus nur als eine Art japanische Tradition wahrgenommen. Nun habe ich aber gelernt, dass diese als Religionen praktiziert werden und es erhebliche Unterschiede gibt. Ich betrachte mein Land und die Kultur jetzt viel objektiver.

 

Wie sehen deine weiteren Pläne aus?

Am liebsten möchte ich zum Venus, Mars oder Mond reisen! Leider fehlt mir dafür das nötige Kleingeld. Nein, im Ernst, jetzt ist erstmals Arbeiten angesagt. Ich bin auf Jobsuche, was sich aber eher schwierig gestaltet.

In der Wüste Namibias

 

Was ist das Fazit deiner Reise?

Ich bin sehr stolz und zufrieden über all die Erfahrungen die ich gemacht habe. Ich habe etwas getan was nicht sehr viele Leute tun und bin glücklich.

 

Was hast du für einen Rat für alle zukünftigen Reisenden?

Du lebst nur einmal. Die Welt ist wunderschön. Hab so viel Spass wie möglich!

 

***Einen herzlichen Dank an Kenji für das spannende und ehrliche Interview!***

 

3 Kommentare

  • Thomas sagt:

    Tolles Interview mit guten Fragen. Weisst du wie es ihm ging nach seiner Rückkehr? Konnte er sich wieder gut einleben nach solch einer langen Zeit?

    • Sarah sagt:

      Soweit ich weiss, geht es Kenji gut. Aber natürlich gibt’s bei einer Rückkehr nach so langer Zeit gemischte Gefühle – siehe erste Frage. 🙂

  • Fränzi sagt:

    Spannendes Interview mit super spannenden Fragen. Mich würde auch sehr interessieren wie er sich nach so langer Reisezeit und unzähligen Eindrücken wieder in seiner Heimat eingelebt hat!? Kann mir sehr gut vorstellen, dass die Situation nicht ganz einfach gemeistert werden kann. Häufig verändert man sich auf Reisen, was früher mal wichtig war, hat plötzliche weniger Bedeutung oder wird sogar unwichtig.
    Auf jeden Fall finde ich es grossartig so lange unterwegs zusein und die Welt zu sehen. Wie Kenji sagt: man lebt nur einmal und die Welt ist wunderschön!

Leave a Comment