Gringolandia. Ein Blick auf Costa Ricas Touristenhochburg.

Costa Rica ist ein wunderbares Land. Ich bin jetzt schon drei Mal dort gewesen. Dennoch, das Land und ich haben ein etwas schwieriges Verhältnis.

Aber erst einmal sei hier gesagt: Es ist wunderschön. Eigentlich ist es schon fast zu schön um wahr zu sein. Was daran so schön ist, ist ganz einfach zu sagen: Die Natur. Die ist in diesem Land einfach unvergleichlich. Vielfältig, atemberaubend und ursprünglich, da Costa Rica es schafft, diese im nötigen Ausmass zu schützen.

In Costa Rica ist die Natur ganz besonders vielfältig.

In Costa Rica ist die Natur ganz besonders vielfältig.

Costa Rica ist auch einwenig anders als der Rest der Zentralamerikanischen Staaten. Das Bildungsniveau ist sehr hoch, die Leute verdienen gut, die Staatskasse investiert in Bildung anstatt Militär und die meisten können Englisch.

Auch das Reisen ist etwas anders in Costa Rica. Und da wären wir auch schon beim ersten Wehmutstropfen. Costa Rica ist teuer. Extrem teuer. Seit meiner ersten Reise vor ein paar Jahren sind die Preise nun nochmals deutlich angestiegen. Oftmals sind Grundnahrungsmittel oder Gegenstände für den täglichen Gebrauch teurer als in der Schweiz. Und das soll mal was heissen.

Und dann ist da Gringolandia. Bei meiner ersten Costa Rica Reise, habe ich diese Region mit Absicht nicht bereist, da mir vor dem Touristenaufkommen etwas graute. Während den Jahren habe ich aber viele davon schwärmen hören, dass ich mir nun selber ein Bild machen wollte.

Also auf nach Gringolandia! Aber Hallo, wo bitte sehr soll Gringolandia denn sein? Die Peninsula Nicoya, wo auch Manuela dazu schon mal einen Gastbeitrag auf meinem Blog veröffentlicht hat, wird Gringolandia genannt, weil sich dort eigentlich nur noch Ausländer, sprich Amerikaner und Europäer, aufhalten. Und genau deshalb schreckte mich die Region bisher ab. Schliesslich reise ich um Einheimische kennenzulernen und nicht um mich auf dem Backpackertrail mit Europäern zu umgeben.

Aber eben, zurück zu meiner Reise. Vom Flughafen San José ging es mit einem Shuttle direkt bis nach Santa Teresa und dort mitten ins Zentrum der Gringos. Mein erster Eindruck: Genau wie erwartet.

 

Santa Teresa – Das Gringoparadies

Der Ort ist sowas wie der Hotspot im Süden Gringolandias. Was Santa Teresa im Süden, ist Tamarindo im Norden. Hier gruppieren sich alle Gringos, Backpacker und Aussteiger und der Ort besteht praktisch nur aus Hostels, Surfshops und französischen Bäckereien.

Santa Teresa - Gringoparadies auf der Nicoya Halbinsel.

Santa Teresa – Gringoparadies auf der Nicoya Halbinsel.

Die Gegend ist, wie fast überall in Costa Rica, wunderschön. Die Strände sind der Hammer, es turnen Affen in den Bäumen rum und trotz allen Touristen, sind die Strände fast menschenleer. Wer hierhin kommt, muss entweder Surfer sein oder nichts tun wollen. Den ausgenommen von Surfen und am Strand rumliegen, gibt es nicht vieles zu tun.

Wer aber Strände liebt, ist hier richtig. Es gibt ganz viele, wirklich wunderschöne Strände zu erkunden. Runterkommen, das Leben geniessen und Nichtstun, dafür ist der Ort perfekt. Das Essen ist toll und abwechslungsreich, das Bier kalt und die Sonnenuntergänge sind einfach der Oberhammer!

Strand in Santa Teresa, Costa Rica.

Strand in Santa Teresa, Costa Rica.

In Santa Teresa lässt es sich gut leben.

In Santa Teresa lässt es sich gut leben.

Die Sonnenuntergänge in Santa Teresa sind einfach wundervoll.

Die Sonnenuntergänge in Santa Teresa sind einfach wundervoll.

 

Montezuma – Abgedrehtes Ex-Hippie Dorf

Von Santa Teresa habe ich einen Ausflug nach Montezuma gemacht. Früher war dieser Ort ein gemütliches Hippiedorf mit kiffenden Aussteigern. Nicht umsonst wurde es damals Montefuma genannt. Wie leider einige dieser Ex-Kommunen, hat der Ort eine rasante Entwicklung in die falsche Richtung hingelegt. Heute ist Montezuma eine Mischung aus Trashtouristenort, gemischt mit hirnverbrannten Drogenkonsumenten. Im Ort selber hätte ich nicht übernachten wollen, er war mir nicht sympathisch.

Montezuma - Ex-Hippie Dorf auf der Peninsula Nicoya.

Montezuma – Ex-Hippie Dorf auf der Peninsula Nicoya.

Es lassen sich von Montezuma aber ein paar Ausflüge unternehmen, Schnorcheltouren beispielsweise oder ein Trip zu den Wasserfällen. Ich bin da, um mir die Wasserfälle anzuschauen. Dafür braucht es aber keine Tour, denn diese ist ganz einfach selber zu machen. Vom Dorf aus geht es der Strasse nach Santa Teresa entlang und nach kurzer Zeit in den Wald. Einfach fragen, jeder hilft gerne weiter. Alles am Flussbeet entlang, geht es zum ersten und grössten Wasserfall.

Auf dem Weg zum Wasserfall in Montezuma.

Auf dem Weg zum Wasserfall in Montezuma.

Da gibt es jedoch relativ viele Leute. Der Ausflug ist beliebt und alle lieben es, sich im Wasserbecken abzukühlen. Hier lohnt es sich unbedingt, den beschwerlichen Weg zum Wasserfall rauf zu nehmen. Turnschuhe sind viel besser als Flip Flops, denn der Weg ist steil und teilweise muss über sehr unebenes Gelände geklettert werden. Wer sich das nicht gewohnt ist, für den kann es etwas schwierig werden. Ich habs aber auch in Flip Flops geschafft, es geht also schon.

Der Wasserfall von Montezuma.

Der Wasserfall von Montezuma.

Und die Kletterpartie zum höher gelegenen Wasserfall.

Und die Kletterpartie zum höher gelegenen Wasserfall.

Oben angekommen, können die ganz Mutigen sind vom Wasserfall ins kleinere Becken runterstürzen. Ganz ohne ist das nicht, es hat aber viele Leute, die einem anfeuern. Macht auf jeden Fall Spass!

Ein Sprung in den Wasserfall!

Ein Sprung in den Wasserfall!

 

Sámara- Entspannte Chillout-Oase

Sámara war bis vor ein paar Jahren noch eine versteckte Oase, weitgehend übergangen von Touristen. Auch heute geht es dort noch entspannt zu und her, was vor allem an der mühsamen Anreise liegt. Wer nicht eine teure Shuttlefahrt organisiert, braucht eine Ewigkeit um Sámara zu erreichen. Wie schon erwähnt, die Strassen sind schlecht auf der Nicoya Halbinsel und die öffentlichen Verkehrsmittel noch schlechter. Wenns denn welche gibt.

Dennoch, auch Sámara ist heute ein Touristenziel. Es geht zwar entspannt zu und her, hierhin zieht es Ruhesuchende und alte Hippies, aber der Gringovibe ist unverkennbar. Ausserdem hat es, wie überall in Costa Rica, unzählige Schweizer. Ich hab mich dort gefragt, ob eigentlich noch jemand in der Schweiz lebt. Wenn ich nicht Englisch gehört habe, dann alle möglichen Schweizer Dialekte.

Der Strand von Sámara in Costa Rica.

Der Strand von Sámara in Costa Rica.

Nichts desto trotz, all die Ausländer hat es nicht umsonst nach Sámara gezogen, denn es ist wunderschön. Die Natur atemberaubend, die Strände paradiesisch und die Sonnenuntergänge der Wahnsinn. Aber das ist es auch schon, was es in Sámara zu tun gibt. Hier kann man zwar auch Surfen, aber die Wellen sind wirklich nur für Anfänger geeignet.

In Sámara wird vor allem eins gemacht: Gefaulenzt. Wer sich total erholen will, ist hier richtig. Partytouristen und Zappelphillipe sind aber fehl am Platz. Ich habs ein paar Tage voll und ganz genossen, es gab sogar Bauchtanz Unterricht! Aber dann wars auch für mich Zeit zum weiterziehen.

Am Strand von Sámara in Costa Rica.

Am Strand von Sámara in Costa Rica.

Surfen in Sámara.

Surfen in Sámara.

 

Gringolandia – Mein Fazit

Dieser Abschnitt von Costa Rica ist genau so wie erwartet – ausgenommen, dass es noch viel, viel teurer ist, als der Rest vom Land. Die Peninsula Nicoya bereist du, wenn du Surfen willst, wenn du tagelang entspannen und an der Sonne liegen willst oder wenn du ein Partybackpacker bist. Dann wirst du glücklich in Gringolandia. Und für alle Sonnenanbeter und Strandjunkies, ist die Gegend auch geeignet. Am besten passt ein Abstecher wahrscheinlich ans Ende einer Costa Rica Reise, wenn du nochmals so richtig entspannen willst.

Wenn dir Kontakt zu Einheimischen und das Kennenlernen der Lebensweise der Bevölkerung wichtig ist, dann bist du in anderen Teilen des Landes besser aufgehoben. Gringolandia ist toll – wenn du weisst, was dich erwartet und genau das suchst.

Was für ein Sonnenuntergang auf der Peninsula Nicoya in Costa Rica.

Was für ein Sonnenuntergang auf der Peninsula Nicoya in Costa Rica.

Reiseinfos

  • Am einfachsten und schnellsten bewegst du dich mit privaten Shuttle Transfers weiter. Diese sind aber teuer, eine Fahrt von 5 Stunden kostet schon mal um die 50 USD. Der öffentliche Verkehr ist aber kaum eine Option, da super langsam und schlecht, wenn überhaupt vorhanden. Eine bekannte Option ist Montezuma Expeditions, diese fahren auch vom Flughafen in San José direkt auf die Peninsula Nicoya.
  • Das Leben auf der Peninsula Nicoya ist teuer. Preise sind locker wie in der Schweiz oder höher.
  • Unterkunft in Sámara: Hostel El Cactus. Auf den ersten Blick ersichtlich, dass es von einem Schweizer geführt wird. So sauber, wie wohl sonst nirgends im Land. Schöner Garten mit kleinem Pool und Hängematten, gut ausgestattete Küche und Dorms für den Preis ganz ok. Die wahrscheinlich beste Budgetoption in Sámara. Ab 16 USD.
  • Unterkunft in Santa Teresa: Kokua Hostel – freundlich, Backpacker Vibe, Outdoor Küche und viele Hängematten. Jedoch keine Schliessfächer und der wohl kleinste Dorm, den ich je gesehen habe. Nicht für Leute, die ihren Platz brauchen. Zelten möglich. Dorm ab 15 USD, Zelt ab 11 USD // Beach Break Hotel: Höherer Standard, Einzel/Doppelzimmer mit Balkon, Aircon und Aussenbereich, ab 30 USD.
  • In Costa Rica wenn möglich alle Unterkünfte vorher reservieren, sonst kann es gut sein, dass man ohne Unterkunft dasteht.

Was hast du in Gringolandia für Erfahrungen gemacht?

11 Kommentare

  • step sagt:

    ich war zwar in anderen Teilen Costa Ricas als jene die du beschreibst aber ich fand Arenal, monteverde oder manuel Antonio auch unglaublich „gringastisch“. ich hatte die reise mit Guatemala kombiniert (war zuerst Guatemala und danach Costa Rica) und war dann recht enttäuscht weil mich Guatemala sehr begeistert hat und mir Costa Rica dazu dann als Gegenpart viel zu amerikanisch zu teuer und von der Kultur her zu westlich War. die Natur ist zwar nett und es ist ein sehr einfach zu bereisendes Land aber viel Flair hatte es für mich nicht. eindeutig mein Schlusslicht unter den lateinamerikanischen Ländern die ich bisher gesehen habe. Gruss aus oslo diesmal.

    • Sarah sagt:

      Zu Costa Rica gehen die Meinungen so sehr auseinander! Die einen lieben es und die anderen mögen es nicht wirklich. Ich bin so irgendwo dazwischen. Denn die Natur und die Küsten sind schon wunderschön und die Leute wirklich ausgesprochen freundlich. Andererseits ist es mir zu amerikanisiert, zu teuer und definitiv zu überlaufen. Es gibt aber auch in Costa Rica tolls Spots, darüber ist ein Artikel in Vorbereitung. 🙂

    • Herbert sagt:

      Dem stimme ich voll und ganz zu. Ich war von April bis Juni in der Gegend. Guatemala ist mein Lieblingsland unter den kleinen. Sooo teuer fand ich Costa Rica allerdings nicht. Ich war aber nur 4 Nächte in Hostels (15 Dollar) und 2 bei einer Freundin in San José. Hotels fand ich preislich mit Mexiko und Brasilien vergleichbar (letzteres, wo ich wohne, ist als teuer verschrien). Das Essen fand ich auf der ganzen Strecke mit Ausnahme Venezuelas teurer als bei mir. Für 3 Euro gut essen war kaum irgendwo drin, ab Boa Vista war es sogar für weniger überall möglich. In Costa Rica in Märkten auch.

      • Sarah sagt:

        Natürlich kann man sich in Costa Rica auch günstig ernähren und übernachten. Aber eben nur verhältnismässig. Die Preise beispielsweise im Supermarkt, haben mich regelmässig geschockt, da diese so teuer waren. Wahrscheinlich kommt man auf den Märkten am billigsten davon. In Brasilien hingegen, fand ich es um einiges günstiger, ebenso in Mexiko. Aber wahrscheinlich kommt es auch darauf an, woran man läuft?

  • Ingrid sagt:

    So nach Gringolandia sah das auf Deinen Bildern gar nicht aus, sondern doch eher naturbelassen. Ich hatte nach Deiner Einführung eine Art Miniaturversion von Miami erwartet, oder so. Sieht aber nett aus!! 🙂
    Gruss aus Mexiko (und von Cancun sagen sie auch immer, dass sei so amerikanisch *augenroll*)

    • Step sagt:

      also die zona hotelera von cancun ist usa pur – und zwar mM nach ausschliesslich die nervige seite der usa (klotzige riesenhotels, fast food tempel, teure air conditioned shopping centers). ich bin nicht grundsätzlich ein usa-gegner, es gibt vieles, was mir dort auch gefällt (insbes die natur und viele der interessanten städte), aber das, was sie ins ausland transportieren, nämlich dorthin, wo US-touristen in ihren „hinterhöfen“ als massenpublikum zum spring break feiern antanzen, davor graut mir……

    • Sarah sagt:

      Die Natur ist in Costa Rica wunderschön und das gilt auch für die Peninsula Nicoya. Es gibt auch keine Hochhäuser, Hotelbunker oder ähnliches. Das Gringolandia bezieht sich hier eher auf den Lebensstil und darauf, dass es auf der Halbinsel NUR Ausländer gibt, also nur Europäer und Nordamerikaner. Meine Erwartung an das Reisen ist halt, dass ich auch Einheimische kennenlernen und an ihrem Leben teilhaben will und sie nicht nur zwischendurch als Kellner oder Zimmermädchen wahrzunehmen. Und das ist auf der Nicoya Halbinsel definitiv nicht möglich.

  • […] es die meisten Leute nach Gringolandia zieht, gibt es so viel mehr zu entdecken. Hier möchte ich dir einige Ideen für ein paar andere […]

  • Ich war zwar nur in Sámara, aber kann alles nachvollziehen, was du hier beschreibst. Diese Gringo-Orte sind toll, wenn man schon laaaange unterwegs war und sich mal wieder nach einem guten europäischen Essen sehnt, aber ansonsten sind mir auch die Orte lieber, an denen man mehr Einheimische antrifft 😉

  • […] Pazifikseite ist perfekt zum Surfen und nebst der Nicoya Halbinsel in Costa Rica, gibt es kilometerlange, total einsame Strände – einfach […]

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