Ein- und Aussichten im Joshua Tree Nationalpark

Die Weite der Wüste und die im Schatten besonders bizarr anmutenden Joshua Bäume faszinieren mich von Beginn weg. Obwohl es nichts gibt, gibt es dennoch unglaublich vieles zu sehen.

„Die Wüste lebt“, hört man immer wieder. Und im Joshua Tree Nationalpark im Südwesten der USA, trifft dies zu. Ich denke jedenfalls an die Phrase, als ein Hase vor meinen Füssen durchhuscht.

Die Weiten des Joshua Tree Nationalparks in Kalifornien.

Die Bäume scheinen mich zu beobachten und es würde mich nicht überraschen, wenn plötzlich einer sich bewegen würde. Sonnenstich, Drogen oder ein Horrorfilm zuviel gesehen? Nichts von alldem. Die Joshua Bäume und die Wüste faszinieren einfach. Und nirgendwo sind Gedanken so frei wie an einem solchen Platz.

Den Gedanken freien Lauf lassen...

Ich merke das spätestens, als wir auf dem Weg zum Ryan Mountain sind. Die kleine Wanderung ist zwar nur knapp 5 Km lang, aber wie so vieles hier, einfach spektakulär. Wir laufen den Weg hinauf und je höher wir steigen, desto voller wird mein Kopf. Gedanken wirbeln herum, Pläne überschlagen sich, mein Leben spult sich vor mir ab, vorwärts, rückwärts, wie es ist und wie es sein könnte.

Wir steigen noch weiter, überholen schnaufende Rentner, laufen uns fast ein bisschen in Trance. Ein Fuss vor den anderen, immer weiter und weiter. Zu zweit beginnen wir unseren Aufstieg, aber wir laufen beide alleine. Sprechen lohnt sich nicht, denn der Wind ist stark und wir müssten uns fast anschreien. Also sind wir irgendwie allein mit unseren Gedanken.

Wunderbarer Ausblick auf den Joshua Tree Nationalpark in den USA.Ein Aufstieg auf den Ryan Mountain mit herrlichem Ausblick.

Einer der vielen Joshua Trees im Nationalpark.Auf einmal wird so vieles so klar. Geschehnisse breiten sich vor mir aus, Gefühle sortieren sich ein und meine Zukunft rollt sich wie ein Teppich vor mir aus. Nach dem Wirbel von Gedanken, der meinen Kopf fast zum explodieren bringt, scheint plötzlich alles frisch und aufgeräumt. Ich schaue zu meinem Bruder rüber und weiss, dass es ihm irgendwie ähnlich geht.

Als ich oben ankomme, begreife ich es kaum. So wunderschön ist der Ausblick hier. Ich drehe mich um mich selbst und sehe nur eines: Weite. Die Weite der Wüste. Zwischendrin die Joshua Bäume. Es ist unbeschreiblich schön hier oben. Einfach nur schön und ich bin wieder einmal zutiefst dankbar, dass ich hier sein darf. Dankbar, dass ich diese Reise erleben darf. Dankbar, dass mein Bruder hier ist. Dankbar, dass es mir vergönnt ist, die schönsten Flecken der Erde zu erleben.

Auf dem Ryan Mountain im Joshua Tree Nationalpark.

Wanderung im Joshua Tree Nationalpark.Ausblicke, die unbezahlbar sind.

Diese Momente sind unglaublich wertvoll. Gefühle, die so tief gehen, bleiben unvergesslich. Vor allem überkommen sie mich immer ohne Vorwarnung, denn den Joshua Tree Nationalpark wollte ich zwar sehr gerne sehen, war aber bisher kein Ort, von dem ich geträumt habe, wo ich schon immer hin wollte. Er war eben auf dem Weg und sollte ganz schön sein, wie ich gehört hatte. Auch war die Wanderung weder anstrengend, noch eine Herausforderung oder etwas in der Art.

Aber ist es nicht oft so im Leben, dass so schöne Erlebnisse einfach dann geschehen, wenn wir nicht damit rechnen und völlig unvorbereitet sind?

Für mich jedenfalls bleibt der Joshua Tree Nationalpark und die damit verbundenen (noch geheimen) Einsichten etwas ganz besonderes.

Bizarre Felsformen gibt es überall im Joshua Tree Nationalpark zu entdecken.

Wenn du den Joshua Tree Nationalpark auch besuchen willst, kann ich dir zwar keine solche Erfahrungen versprechen, aber ich kann dir trotzdem aufzeigen, was es dort alles zu sehen gibt und was sich lohnt:

  • Nimm dir im Minimum einen Tag Zeit um den Park zu entdecken. Übernachten kannst du in Twentynine Palms, in Joshua Tree oder in Yucca Valley. Bist du mit dem Wohnmobil unterwegs, kannst du im Park campen. Du musst aber alles mitbringen, im Park gibt es nichts zu kaufen und alles ist sehr einfach gehalten.

Im Joshua Tree Nationalpark in Kalifornien.

  • Der Eintritt in den Joshua Tree Nationalpark kostet 15 USD pro Fahrzeug und ist sieben Tage gültig.
  • Eine Rundfahrt durch den Park (zwischen Twentynine Palms und Joshua Tree) dauert ungefähr 2.5 Stunden, die Strassen sind gut zu befahren.
  • Auf halbem Weg zum Cottonwood Visitor Center befindet sich der Kaktus Garten, welcher sehr schön anzuschauen ist. Die Fahrt dorthin ist perfekt für einen ersten Überblick im Park.

Der Kaktusgarten im Joshua Tree Nationalpark.

  • Unterwegs gibt es immer wieder schöne Aussichtspunkte, Felsformationen oder Wanderungen zu unternehmen. Fahre nicht nur durch den Park, sondern unternimm auch einen kleinen Ausflug. Unsere Wanderung führte uns in 1.5 Stunden zum Ryan Mountain, welche ich absolut empfehlen kann. Es gibt aber auch kürzere oder natürlich auch längere Wege.
  • Keys View ist der beste Aussichtspunkt um den Sonnenuntergang zu geniessen. Entscheide dich für eines, Sonnenauf- oder -untergang, denn die sind im Joshua Tree Nationalpark ganz besonders schön.

Sonnenuntergang im Joshua Tree Nationalpark.

 

Wie ist das bei dir, hattest du auch schon solche spezielle Momente auf Reisen, die du nie mehr vergisst?

10 Kommentare

  • Step sagt:

    joshua tree NP habe ich damals nicht gemacht, kommt aber auf jeden fall auf meine liste wenns mich wieder mal in den westen der USA verschlagen sollte. wie du es sagtest, war nicht eines der must-dos für mich, als ich mich entschied, welche NP ich mir ansehen wollte.

    die bilder sehen aber super aus – ich mag solche „nicht-landschaften“. und auf deine noch geheimen einsichten bin ich natürlich schon besonders gespannt.

    ich selbst erlebe auf reisen immer wieder so ganz besondere momente, meine erkenntnis dabei beschränkt sich aber meist darauf, dass das leben in dem moment sehr schön ist und dass es auf reisen meistens am allerschönsten ist 🙂

  • Claudia sagt:

    Danke für deinen wundervollen Beitrag zum Joshua Tree NP. Er wird leider oft massiv unterschätzt oder viele Reisende nehmen ihn im vorbeifahren „mit“ oder viele sind schon so voll von anderen Highlights, dass sie den Park nichts besonderes finden. Dein Beitrag treibt mir grad Tränen in die Augen, denn genau das was du beschrieben hast ist der Grund weshalb ich so gerne reise, nur konnte ich es bis anhin nicht so schön in Worte fassen.
    Ja, die schönsten Erlebnisse hat man wahrhaftig dann wenn man am wenigsten damit rechnet. Weil genau dann keine Erwartungen daran geknüpft sind.

  • Micha sagt:

    Dieser Nationalpark hat mich auf meinem Trip (der leider schon fast 10 Jahre zurück liegt…) zutiefst begeistert. Wir waren drei Tage dort, haben auf einem Camp Ground gezeltet und sind durch diese einsame und unglaublich schweigende Landschaft gewandert.Kein Geräusch war zu hören: kein Vogel, kein Verkehrslärm – nichts. Nach drei Tagen war ich wie ausgewechselt. Danke für Deine erinnerungsträchtigen Bilder.

  • […] nicht lange ist es her, als ich in den USA den Joshua Tree Nationalpark besucht habe. Und das im Winter, was alles andere als Hauptsaison ist. Aber genau deswegen war […]

  • […] wir von San Diego zum Joshua Tree Nationalpark unterwegs waren, lag der Salvation Mountain fast auf dem Weg. Na ja, wenn man eine Umweg von zwei […]

  • Nate sagt:

    Ich will nicht lügen, ich hatte etwas ganz ganz anderes erwartet als ich den Beitrag bei Flipboard angeklickt habe. Dein Schreibstil hat mich richtig in den Bann gezogen, sodass ich meine anfängliche Verwirrung gleich wieder vergessen habe. Der Artikel ließt sich einfach gut und es ist mal was anderes als diese normalen Guides „5 Dinge die du im Joshua Tree Park machen solltest“ oder so! Gefällt mir!

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