Durch den Dschungel Borneos

Eine weitere Station meiner Reise durch Borneo, hat mich durch das Innere der Insel geführt. Borneo ist zweigeteilt. Der grössere Part gehört zu Indonesien, während der übrige Teil zu Malaysia gehört. Brunei ist natürlich auch nicht zu vergessen, obwohl dessen Platz in Borneo verschwindend klein ist. Der malaiische Teil ist unterteilt in zwei Bundesstaaten, Sabah und Sarawak. Der Teil von dem ich hier spreche, liegt in Sarawak.

Den Weg durch das Inland nehmen nur sehr wenige, da er umständlicher ist, als mit dem Bus auf der Hauptverkehrsachse von Nord nach Süd. Ab Belaga (oder ab Sibu, wenn man von der anderen Seite kommt), geht es nur noch mit Fähre weiter. Der ganze Verkehr spielt sich auf dem Fluss Batang Rajang ab. Diese Route nehmen eigentlich nur jene, die viel Zeit im Gepäck haben. Das ganze Unternehmen ist im Grunde aber sehr einfach und braucht nur anfangs etwas Organisation.

 

Bintulu

Die Kleinstadt mit rund 200’000 Einwohnern ist der Startpunkt meiner Reise durch das Inland von Borneo. Hier habe ich nur einen Tag verbracht, denn der Ort ist schnell gesehen, da er sehr klein ist. Es gibt hier einen sehr schönen chinesischen Tempel mit toller Sicht auf den Fluss. Was auch toll ist, sind die Märkte. Es gibt einen täglichen Markt am Ende von Main Bazaar. Er ist nicht sehr gross, aber es gibt vieles zu bestaunen. Hier merkt man, dass in Borneo einfach alles viel grösser ist. Nicht nur die Tiere, auch die Früchte und das Gemüse. Ein genauerer Blick auf die Auslagen lohnt sich.

Chinesischer Tempe in Bintulu

Wichtig: Von Belaga geht es weiter nach Kapit, aber es gibt keinen Bus. Der Transport muss individuell organisiert werden. Ich war sehr erstaunt, kommt man doch normalerweise mit dem Bus überall hin. Ich habe das ein paar Tage vorher auch nur per Zufall erfahren und die Nummer eines Guides in Belaga erhalten, der den Transport organisiert. Das klappte dann auch ganz wunderbar, ich wurde in Bintulu abgeholt und mit einem 4WD nach Belaga gefahren.

Die Fahrt dauert um die 4 Stunden und kostet 60 Ringgit (16 CHF). Am besten einfach schon in der Ortschaft vorher im Hostel nachfragen ob jemand bekannt ist, der Fahrten organisiert. Spätestens in Bintulu kennt jeder jemanden.

 

Belaga

Die Fahrt nach Belaga lohnt sich sehr. In vielen Reiseführern steht, dass diese Strecke nur in der Trockenzeit zu befahren ist. Vor kurzem wurde aber alles geteert und somit ist Belaga auch in der Regenzeit zu erreichen.

Ein erster Kaffeestopp an der „grossen Kreuzung“, wo der Weg von der Hauptstrasse abzweigt, ist schon mal sehr aufschlussreich. Hier wird alles mögliche verkauft, auch eine tote Riesenechse liegt zum Verkauf dar. Auf der Fahrt frage ich meinen Fahrer, ob die denn nicht geschützt sind. „Doch“, meint er, „aber Probleme bekommt man nur, wenn ein malaiischer Inspektor vorbeikommt. Ist es ein Einheimischer (er meint damit ein Inspektor von einem ortsansässigen Stamm), isst er die Echse wahrscheinlich zusammen mit dem Verkäufer“. Er erzählt mir auch, wie sie am Wochenende oft Jagen gehen. Und da wird auf alles geschossen, je rarer das Tier, desto besser, desto mehr Ruhm für den Jäger.

Fahrt nach Belaga

 

Kleiner Exkurs: Besuch eines Langhauses

Mein Fahrer ist um die 30 Jahre alt und vom Stamm der Kayan. Er wuchs in einem der bekannten „Langhäuser“ auf. Das ist die traditionelle Lebensweise der hier ansässigen Stämme. Viele Touristen stellen sich ein langes Haus vor, wo alles zusammen im selben Raum wohnen und die Wohnbereiche jeder Familie mit einem Stecken abgetrennt ist. Das war einmal.

Ich erzähle meinem Fahrer, dass ich gerne ein Langhaus besuchen möchte, aber keine der vielen touristischen Shows sehen will, wo ich mich dann im Blasrohrschiessen versuchen muss und irgendwelche Tänze aufgeführt werden, die wohl vor 50 Jahren das letzte Mal freiwillig getanzt wurden. Ich möchte sehen, wie die Menschen heute wirklich leben. „Kein Problem“, meint er, „wir fahren sowieso in der Nähe meines Langhauses vorbei, da können wir einen Besuch abstatten.“

ein Langhaus im Dschungel von Borneo

Das Langhaus ist massiv gebaut, die Wohnungen sind wunderbar kühl. Hier leben um die 300 Familien, Tür an Tür. Das Leben ist für alle öffentlich, Geheimnisse gibt es keine hier. Ich lernen die Familie meines Fahrers kennen. Die jüngeren, so wie er auch, laufen in Jeans und Shirt rum, haben Tattoos, hören Limp Bizkit, gehen zur Schule und schauen in ihrer Freizeit TV. Ganz normale Jugendliche wie sonst überall auf der Welt.

Bei der Grossmutter meines Fahrers ist die Vergangenheit des Stammes noch erkennbar. Sie hat, wie alle Frauen in ihrem Alter, blau tätowierte Hände und Arme, sowie grosse Löcher in den Ohrläppchen. Ebenso trägt sie die traditionelle Kleidung des Stammes. Sie alle gehören zu den Kayan, welche mehrheitlich als Bauern oder heute auch bei Waldrodungsfirmen arbeiten. Alle sind sehr freundlich zu mir, freuen sich über den Besuch und wollen natürlich alles wissen, woher ich komme, was ich hier mache und so weiter.

Die Kayan leben (meistens) immer noch nach ihren traditionellen Gesetzen, welche von ihrem Chef durchgesetzt werden, wie mir erklärt wird. Aber die Zeiten der Kopfjäger ist definitiv vorbei.

Bewohner eines Langhauses im Dschungel von Borneo

Belaga selbst ist ein kleines Dorf in dem es aus touristischer Sicht nichts zu tun gibt. Hier kennt jeder jeden und alle sprechen dich an. Es ist ein guter Ort um Kontakt mit Menschen herzustellen, mit ihnen zu Essen oder sich auf dem Dorfplatz zu treffen. Selbstverständlich können hier auch Guides angeheuert werden, die einem in den Dschungel begleiten oder ein Langhaus besuchen. Es gibt einige Budgetunterkünfte, ich habe für 20 Ringgit (5.50 CHF) pro Nacht in Daniel Levohs Guesthouse übernachtet.

Fähre im Dschungel

 

Kapit

Mit der Fähre gehts innerhalb 4 Stunden weiter Kapit (45 Ringgit, 12 CHF), welches etwas grösser als Belaga ist. Aber auch hier reicht ein Tag völlig aus, ausgenommen du willst eine Tour in den Dschungel unternehmen. Ausserdem sind die Übernachtungsmöglichkeiten hier teuer.

Auf dieser Strecke merkt man, dass es nicht viele Touristen hier hin verschlägt. Denn hier werde ich wieder auf eine ganz neue Art angestarrt. Niemand kann es unterlassen mir etwas zuzurufen, die Kinder schubsen sich gegenseitig vor um mir ein „Hello“ zuzurufen und in einer Männerrunde traut sich nur der verwegenste mir beim Vorbeilaufen hinterherzurufen.

in den Strassen von Kapit

 

Sibu

In Sibu (zu erreichen von Kapit in 3 Stunden für 25 Ringgit, 7 CHF) sieht wieder alles ganz anders aus. Es ist die zweitgrösste Stadt in Sarawak und sehr chinesisch. Es ist sogar alles zweisprachig angeschrieben, Chinesisch und Malaysisch. Es ist eine lebhafte und interessante Stadt mit schönen Tempeln und noch schöneren Märkten. Es gibt gemütliche Cafés, viele Essgelegenheiten und ganz viele chinesische Shops. Unterkunftsmöglichkeiten gibt hier in allen Preislagen. Wenn du die gemütliche Kleinstadtatmosphäre magst, kannst du hier locker zwei, drei Tage bleiben.

Markt in Sibu

 

Systematische Zerstörung des Waldes

Die ganze Reise war vor allem durch eines sehr eindrücklich: die Zerstörung des Regenwaldes. Überall werden riesige Flächen gerodet, die mit Ölpalmen bepflanzt werden. Malaysia und Indonesien sind die weltweit grössten Produzenten von Palmöl, welches hier kultiviert wird. Mit der Zeit mag man gar nicht mehr zum Fenster rausschauen, da diese blöden Palmen einfach überall sind. Wenn es denn nicht Ölpalmenplantagen sind, wird der Wald für das Holz gerodet. Ganze Weiten sind braun, gerodet. Lastwagen donnern vorbei, beladen mit riesigen Baumstämmen.

Wir kennen ja alle die Zerstörung des Waldes und wissen davon. Aber es einmal mit eigenen Augen so deutlich zu sehen ist was ganz anderes.

Zerstörung des Waldes durch Ölpalmen und Holzschlag

 

Tipps für den Trip durch Borneos Dschungel

  • Es ist nicht ganz billig. Die Fähren und die Unterkünfte (Kapit/Sibu) sind verhältnismässig eher hoch. Es gibt billige Absteigen, die funktionieren aber geleichzeitig auch als Bordelle. Vor allem in Kapit musst du mit 50-80 Ringgit (13-22 CHF) pro Nacht rechnen.
  • Nimm genügend Kleider mit in die Fähre. Diese werden aufs extremste runtergekühlt. Ich bin mit meiner Winterjacke dort gesessen.
  • Die Fähren sind laut. Stell sicher, dass du deinen MP3-Player/dein Handy dabei und voll aufgeladen hast. So kannst du den Lärm mit Musik oder einen Hörbuch übertönen.
  • In Belaga gibt es keinen Geldautomaten. Sorge dafür, dass du genügend Bargeld bei dir hast.
  • Wenn du von Kapit nach Belaga reist, brauchst du ein Permit, welches beim Residents Office in Kapit (Jln Bleteh, 9. Floor) gratis ausgestellt wird.
  • Du bist im Dschungel. Der Standard ist nicht mit dem in grossen Städten zu vergleichen. Insekten schwirren rum und verirren sich auch mal unter deine Decke. Ein dünner Seidenschlafsack kann hier sehr praktisch sein.
  • Internet, Wifi und telefonischer Empfang ist hier praktisch überall vorhanden.

 

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