Diebstahl auf Reisen: So kannst du dich schützen

Bis jetzt hatte ich immer genug Glück, Verstand oder Naivität, um nicht ausgeraubt zu werden. Ja, denn alles spielt dabei irgendwie eine Rolle. Ich war bei mehreren Überfällen, Schlägereien und Diebstählen dabei, aber mich hat’s nie getroffen. Ich bin abergläubisch, daher bin ich froh, ist mein Schreibtisch aus Holz, damit ich ständig drauf klopfen kann, während ich das schreibe. Denn ich will mit diesem Artikel keinenfalls den Teufel an die Wand malen. Also klopfe für mich bitte auch kurz auf Holz, das würde mich etwas beruhigen.

Ein Quäntchen Glück ist natürlich immer dabei. Du kannst noch so viele Vorkehrungen treffen, aber wenn du zur falschen Zeit am falschen Ort bist, tja, dann ist es eben so und du hättest wahrscheinlich nichts dagegen tun können. Es gibt aber noch zwei ganz gegensätzliche Attribute, welche eine grosse Rolle spielen: Naivität und Verstand.

Als ich mit 19 Jahren sieben Monate durch Südamerika gereist bin, war ich so jung und unerfahren, dass es nachträglich an ein Wunder grenzt, dass mir nichts passiert ist. ( -> Dieser Artikel handelt von Diebstählen. Das nervt und ist scheisse, aber es sind nur Gegenstände! Ich rede nicht von einer Bedrohung von Leib und Leben!). Ich war jung, naiv und wanderte so sorglos durch die Welt, ich hätte mir gar nicht vorstellen können, dass mir was geklaut werden könnte. Klar habe ich auch damals Vorsichtsmassnahmen getroffen, naiv ist nicht gleich blöd. Aber ich hatte einfach ein unerschütterliches Vertrauen in die Menschen und meine Umwelt, was sollte mir schon passieren! Ich glaube, wer so durch die Welt reist, dem passiert tatsächlich nichts.

Heute reise ich mehr mit Verstand und weniger Naivität. Ich bereite mich auf meine Reiseziele vor, betreibe Recherche und hole Meinungen von anderen ein. Hier gilt es aber, irgendwann einen Schlussstrich zu ziehen, sonst ist man zu sehr von anderen beeinflusst und reist mit Vorurteilen durch die Gegend. So ist es mir beispielsweise in Vietnam ergangen.

Über die Jahre konnte ich einige wertvolle Tipps und Tricks rund um die Sicherheit auf Reisen ergattern. Die will ich dir natürlich keinenfalls vorenthalten.

 

Walk like a boss!

Der wichtigste Tipp zu allererst: Auch wenn du keinen Plan hast, gib das nie zu und benimm dich, als gehöre dir die Welt. Ein bisschen überspitzt gesagt, ich weiss. Ich meine das auch nicht so, als solltest du wie eine hochnäsige Tusse oder wie der Gockel vom Platz rumlaufen, aber zeige immer, dass du weisst worum es geht. Das ist sehr, sehr wichtig. Vielleicht kannst du das (noch) nicht, aber wenn du fleissig reist, wirst du das lernen. Versprochen.

Es gibt Leute, die riechen Unsicherheit förmlich und wissen das auszunutzen. Das sind dann genau die Momente, die du in die Falle tappst. Wenn du den Weg zurück zu deiner Unterkunft nicht weisst, laufe trotzdem zielstrebig rum. Du kannst so zum nächsten Café laufen und dort bei einem Ice-Tea die Karte studieren oder Google Maps aufrufen. Oder wenn du aus dem Bus steigst und von 30 Schleppern umringst wirst: Du hast bereits eine Unterkunft. Du hast auch schon eine Tour gebucht. Du sprichst die Landessprache. Und du bist bereits zum dritten Mal hier. (Auch wenn das hinten und vorne nicht stimmt, Hauptsache du strahlst das aus). Wenn du Selbstsicherheit ausstrahlst, bist du kein Ziel für Gauner und Betrüger. Die wissen genau, dass sie einfachere Opfer finden können.

Reise mit einfachem Gepäck und behalte es immer im Blick

Reise mit einfachem Gepäck und behalte es immer im Blick

 

Höre auf dein Bauchgefühl

Ein sehr allgemeiner Tipp, ich weiss. Und man liest es immer und immer wieder. Es ist aber auch überaus wahr! Dein Bauchgefühl liegt eigentlich immer richtig. Wenn dir eine Situation nicht geheuer ist, dann verschwinde. Traust du einem Menschen aus dir unerklärlichen Gründen nicht über den Weg? Dann wird da was drann sein. Ist ein Ort dir unsympathisch? Dann reise weiter. Wenn meinst, du hast dieses Bauchgefühl gar nicht, sei versichert, auch du hast es. Du musst nur lernen, auf deine eigene Intuition zu vertrauen. In der Regel kannst du so unangenehme und gefährliche Situationen, in denen es zu Diebstählen kommen könnte, umgehen.

Vermeide zu viele Gadgets für dein Gepäck

Wenn du dich auf eine Reise vorbereitest und in Europa einen Rucksack oder Koffer kaufst, wird dir im Geschäft fast sicher alles mögliche Zubehör aufgeschwatzt werden. Es gibt mittlerweile die wahnwitzigsten Dinge, um angeblich deine Wertsachen zu schützen. Stahlnetze für deinen Rucksack, übergrosse Vorhängeschlösser und sogar Alarmanlagen gibt es hierfür. Klar tickt da jeder anders, aber ich finde das absolut unnötig. Denn wenn jemand deinen Rucksack klauen will, dann nimmt er ihn auch mit eine Stahlnetz drum herum mit. Und ne Alarmanlage an deinem Backpack? Was bitte schön hast du denn so wertvolles dabei? Das Problem bei diesen Dingen ist vor allem,  das es potenzielle Diebe erst recht darauf aufmerksam macht, das du etwas wertvolles bei dir trägst. Viel wichtiger ist da der nächste Tipp…

 

Sichere dein Gepäck

Wenn du mit Gepäck unterwegs bist macht es Sinn, dieses zu sichern. Das heisst, wenn du an einem Ort bist an dem du längere Zeit bleiben wirst, wie z. B. in einem Bus, in einer U-Bahn oder auch in einem Restaurant, dann sichere dein Gepäck. Wie? Du kannst beispielsweise die Schlaufen deines Rucksackes um eine Metallstange binden oder im Bus um eine Armlehne am Sitz. Wenn du dein Gepäck an einem Gegenstand befestigst der fest verankert ist, ist ein Entreissdiebstahl schon mal ausgeschlossen. Wichtig ist natürlich auch, dass du es immer im Blickfeld hast.

 

Lass dein Bling Bling zuhause

Es ist echt nicht nötig mit Goldkettchen und Diamantring durch die Welt zu reisen. Wertsachen wie  Schmuck lass besser zu Hause. Je nach dem in welches Land du reist, ist das schon fast eine Einladung für einen Diebstahl, wenn du mit dicken Klunkern um die Finger rumläufst.

 

Trage das Wichtigste am Körper

Trage deine Wertsachen immer auf deinem Körper. Pass, Kreditkarten und wichtige Unterlagen solltest du immer ganz nahe bei dir tragen. Ich schwöre hierbei auf eine Umhängetasche, die ich aber schräg über den Oberkörper trage. Als Frau ist das daher praktisch, da die Tasche quasi zwischen dem Busen ist. Wenn da als jemand hinlangt, bist du also sowieso eher in Alarmbereitschaft, als wenn du sie tatsächlich als Bauchtasche tragen würdest. Wenn die Tasche jetzt auch noch ne coole Ledertasche ist, sieht das ganze sogar ziemlich stylish aus.

Busbahnhof - ein beliebter Platz für einen Diebstahl

Busbahnhof – ein beliebter Platz für einen Diebstahl

 

Verteile deine Wertsachen

Am sinnvollsten ist es, deine Wertsachen aufzuteilen. Wenn du also zwei Kreditkarten hast, macht  es Sinn, diese beiden an einem unterschiedlichen Ort aufzubewahren. Am besten natürlich in unterschiedlichen Gepäckstücken. Wenn dir das eine geklaut wird, bleibt das andere.

 

Höre auf die Einheimischen

Es gibt Gegenden in der Welt, da ist es einfach nicht angebracht, mit Handy, Kreditkarte oder Fotoapparat hinzugehen. In der Regel erfährst du davon von Einheimischen. Wenn die dir also sagen: Nimm nichts mit, dann halte dich auch daran.

Es gibt Tricks, die kann sich ein verwöhnter Europäer gar nicht vorstellen. In bestimmten Gegenden ist es beispielsweise üblich, dass Strassenkinder in Gruppen auftreten. Die bedrohen dich nicht, sondern arbeiten mit einem viel effizienteren Trick: sie betatschen dich. Stell dir also vor, zehn Kinder stehen um dich herum und fummeln überall an dir rum. Überall. Das sind dann 20 Hände gleichzeitig. Das Ziel dabei ist eigentlich nur, dass du dich wehren willst und ihre Hände wegstossen willst. Das heisst wiederum, deine Taschen sind in diesem Augenblick frei und alles was darin ist, ist weg. Wenn du dann wirklich auf die Einheimischen gehört hast, dann hast du etwas Bargeld bei dir gehabt, aber sonst nichts. Der Verlust davon kannst du verkraften und: es ist nur Geld. Dein Pass, deine Kamera und dein Handy ist dann immer noch in Sicherheit.

 

Betrinke dich nicht

Das ist ein echt wichtiger Tipp und wird oftmals unterschätzt. Bleibe klar im Kopf, denn wenn nicht, dann bist du ein super leichtes Ziel für alle Diebe. Wenn du betrunken irgendwo rumtorkelst, kannst du fast sicher sein, dass dir was geklaut wird. Und wenn es nicht geklaut wird, dann setzt du es bestimmt selbst in den Sand. Also: mit Mass.

 

Und zum Schluss: Kopiere all deine Dokumente

Bevor du losreist, mache von all deinen Dokumenten einen Kopie. Am sichersten bist du, wenn du je eine Kopie mit dir mitträgst und je eine Kopie bei einer Vertrauensperson zuhause lässt. Zusätzlich ist es sinnvoll, wenn du die Kopien all deiner wichtigen Dokumente in einer Cloud (z.B. Dropbox) speicherst, damit du überall darauf zugreifen kannst. Wenn dir also Pass oder Kreditkarte gestohlen wird, hast du wenigstens eine Kopie davon und kannst so den ganzen Prozess zur Wiederbeschaffung beschleunigen.

 

Ich weiss, es ist nicht immer möglich, all diese Ratschläge zu befolgen. Manchmal geht es eben nicht, dass man den Rucksack irgendwo befestigen kann. Oder man erwischt ein Gläschen oder zwei zu viel. Das heisst auch nicht, dass dir dann wirklich etwas geklaut werden wird. Aber das Risiko ist einfach ein bisschen höher.

Aber was hast du denn so für Sicherheitstipp gegen Diebstahl? Auf welche Massnahmen schwörst du?

12 Kommentare

  • Simon sagt:

    Hi Sarah
    Sehr „wertvoller“ Artikel! Ich als Fotofreak würde noch einen kleinen Tipp anfügen. Wobei das vielleicht schon bei deinem Bling-Bling dazu zählt.

    Es macht viel aus, wenn der Fotoapparat nicht teuer aussieht. Keine gross angeschriebenen Fotorucksäcke, keinen CANON 5D Schulterriemen. Ich ging so weit, dass ich auf meiner 5D mit schwarzem Band das Bling-Bling abgeklebt habe (sah auch besser aus 😉 . Und bitte, lauft nicht durch einen überfüllten Markt und hängt euch die Kamera um den Hals.

    Lieber Gruss, Simon

    • Sarah sagt:

      Danke für deinen Beitrag, du hast damit absolut recht. Es gibt kaum ein schlimmeres (und für einen Dieb einladenderes Bild) als mit fetten Kameras behängte Touristen auf einem Markt.
      Eigentlich gilt das für alle grösseren Menschenansammlungen, sei es ein Markt, ein Konzert, ein Umzug oder sonstige Festivitäten.
      Ich reise nur mit einer kleinen Kamera, wo sich das Problem nicht stellt. Aber ist für Fotoliebhaber eventuell eine Kompaktkamera als Zweitapparat eine Alternative?

  • Oli sagt:

    Zu Walk like a boss habe ich noch eine kleine Ergänzung, die du gerne anfügen kannst.

    Wenn du vom Flugplatz in die Stadt fährst, solltest du als erstes die Etikette vom Checkin-Gepäck entfernen. Denn daran erkennen potentielle Übeltäter, dass du noch ganz neu im Land (oder der Stadt) bist.

    Das heisst: Jeder weiss, dass du noch keine Ahnung von den Preisen hast, dass du die aktuellen Trickbetrugsmaschen noch nicht kennst und dass die vermutlich auch keine echte Orientierung hast.

    Nur so als kleiner Denkanstoss…

    Gruss,
    Oli

  • Stefan sagt:

    Hi Sarah,

    besonders Kopien von Personalausweis, Kreditkarten oder anderen persönlichen Dokumenten sollten nicht einfach so in die Dropbox gelegt werden.
    Sicherer ist es, wenn diese Dinge verschlüsselt abgelegt werden.

    Ich mache das mit einer Verschlüsselungssoftware, mit der man auch vom Smartphone aus zugreifen kann. Klingt kompliziert, ist es aber nicht wirklich. Auf meiner Seite kannst du mehr dazu erfahren.

    Auf jeden Fall danke für die Tipps, da es bei mir ab September auch auf Reisen geht. In Brasilien und Co werde ich an deine Tipps denken!

    Stefan

  • […] den allgemeingültigen Sicherheitshinweisen zu Diebstahl und Soloreisen, ist folgendes in Lateinamerika besonders […]

  • Patrick sagt:

    Hey Sarah,
    sehr interessanter Beitrag! Dank dir für die Tipps.
    Ich glaube die Festplatte wäre mir wertvoller gewesen, wie mein Handy und Laptop zusammen. Da sind schliesslich die Bilder drauf :/
    Anyway: Wie sah es denn bei dir aus, mit der Kamera als du durch Städte (z.B. Mexiko-Stadt) gelaufen bist. Nehme an, du hast sie nicht im Hostel gelassen?
    Gruss
    Patrick

    • Sarah sagt:

      Ich habe meine Kamera eigentlich immer bei mir. Will ja dann auch Bilder machen unterwegs. Aber im Hostel gibts ja meistens auch Schliessfächer, falls du sie nicht mitnehmen willst.

  • ROBERT LEVIN sagt:

    na ja, rucksack und bauchtäschchen … erstere macht dich kilometererweit als touri sichtbar, zweites lädt zun abgreifen geradezu ein. für den fall, dass es doch passiert: pass mit einreisestempel (!), flugticket und kreditkarten abfotografieren und als e-mail entwurf abspeichern oder versenden.

    • Als Tourist bist du sowieso sichtbar – egal ob mit Bauchtasche, Rucksack, Koffer oder was auch immer. Ein Bauchtäschchen – ein schönes aus Leder, was auch etwas stylisch aussieht und zu allem passt – quer über den Körper als eine Art „Mini-Tasche/Rucksack“ getragen, ist nicht wirklich zum abgreifen, sondern in der Tat sehr sicher und praktisch dazu.

  • Silke Bicker sagt:

    Ich habe mir einen Umhängegurt für meine Kamera gekauft. So baumelt die Kamera nicht vor der Brust herum sondern auf Höhe des Beckens, kann sie auch mit der Hand schützen. Sie ist so getragen nicht so auffällig. Der Clou des Gurtes ist das innenliegende Stahlseil – der Gurt kann nich abgeschnitten werden – und das er am Ende eine Stativschraube besitzt.

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