Die 5 grössten Mythen über Weltreisende

Seit ich meine Reise publik gemacht habe, sind mir doch einige interessante Mythen und Theorien über Weltreisende zu Ohren gekommen. Manchmal werde ich direkt darauf angesprochen und manchmal sind es auch einfach die Fragezeichen, die ich in den Augen des Gegenübers wahrnehmen kann. Viele getrauen sich auch gar nicht zu fragen, aber die meistgehörten und bekanntesten Mythen fasse ich hier gerne für dich zusammen.

Durch einen Mythos bringen Menschen ihr Welt- und Selbstverständnis zum Ausdruck. Es zeigt auf woran sie glauben, was sie für richtig halten und welche Tatsachen Gültigkeit haben. Einfacher gesagt ist ein Mythos auch nur eine falsche Vorstellung von etwas oder jemandem. Und was die 5 grössten Mythen über Weltreisende angeht, ist es genau das: eine falsche Vorstellung. Warum, zeige ich dir hier auf.

 

Mythos 1: Alle Weltreisenden laufen vor irgendwas davon

Den finde ich immer wieder besonders erheiternd. Wieso soll ich als Weltreisende denn bitteschön vor etwas davon laufen? Es ist ja wohl klar: Was auch immer du für Probleme hast, die lösen sich nicht durch eine Weltreise. Wenn schon verstärken sie sich dadurch. Denn du nimmst dich ja mit und in der Regel bist du Teil deines Problems. Während einer Langzeitreise wird dir das dann erst richtig bewusst. Klar kannst du dich eine Zeit lang mit dem Neuen, mit Sehenswürdigkeiten und Abenteuern ablenken. Aber dann hast plötzlich Zeit zum Nachdenken, zum in dich gehen und dich dir selbst bewusst werden. Und dann kann deine Reise plötzlich ein richtig mieser Trip werden. Besser wieder ab nach Hause, wo du dich durch alles Mögliche ablenken kannst…

Hier schreibe ich warum ich eine Weltreise mache und erzähle, „ja, Reisen ist eine Flucht, soll es auch sein“. Ja aber… Wiederspreche ich mir nun selber? Nein, denn ich meine damit nicht, dass ich vor irgendwas davonlaufe. Höchstens vor  dem grauen Alltag. Aber wenn ich das nicht durch Reisen ausdrücken würde, dann wäre es durch eine andere Leidenschaft. Reisen ist in meinem Fall mehr Mittel zum Zweck. Es ist einfach das, was ich am liebsten mache und was mir am meisten gibt. Was mich am meisten inspiriert und wovon ich zehren kann. Bei anderen ist es Sport, ein bestimmtes Hobby, Musik…. und und und, die Liste könnte ich lange weiterführen. Es gibt so viele verschiedene Arten sich selbst auszudrücken und zu lernen.

Ich reise. Punkt.

Und sorry, aber heute weiss auch der letzte Hippie, dass Reisen nicht zum Probleme lösen da ist. Also vergiss das mit dem Davonlaufen.

 

Mythos 2: Wenn du dir eine Weltreise leisten kannst, bist du entweder stinkreich oder du hast eine Bank ausgeraubt

Nope, auch da muss ich dich enttäuschen. Du musst dir ein anderes Vorurteil suchen. Um die Welt zu reisen ist gar nicht so locker und entspannend wie du dir das vorstellt (dazu in einem anderen Artikel mehr!). Ebenso wenig ist es die Beschaffung der notwendigen finanziellen Mittel. Aber eine Weltreise kostet nicht so viel wie du dir vorstellst. Wenn du als nicht sowieso stinkreich bist, ist das mit dem Bankraub echt nicht nötig. Ich setze da mehr auf gutbürgerliches Geld beiseitelegen, also Sparen.

Das Sparen hat aber auch den Vorteil, dass du nicht direkt aus unserer westlichen Luxuswelt ins Low-Budget-Traveller-Dasein rutschst, sondern dich sukzessive an einen niedrigen materiellen Standard gewöhnen kannst.

an der Grenze Thailand-Laos

 

Mythos 3: Mit einer Weltreise ruinierst du deine Karriere

Echt jetzt? Wir leben doch nicht mehr in den 60igern! Eine Weltreise zu machen bedeutet heutzutage nicht mehr in vergammelten Jeans rumzuschnorren, Dreadlocks, die nach allen Seiten vom Kopf abstehen und alle Jahre mal eine Postkarte aus fernen Gefilden.

So viele sind heute in der Welt unterwegs, wenn nicht eine Weltreise, dann ein paar Monate Auszeit. Es gehört schon fast zum guten Ton. Ja, man kann es sogar Sabbatical nennen. Kein Stellenvermittler wird dich schräg anschauen, wenn er in deinem Lebenslauf einen Auslandaufenthalt entdeckt. Viel wahrscheinlicher ist es, dass er dir von seiner Zeit im Ausland erzählen wird und es total cool findet, dass du das auch gemacht hast.

Wenn dir die „Lücke“ in deinem Lebenslauf aber trotzdem auf dem Magen liegt, dann verkaufe dich richtig. Kombiniere deinen Auslandaufenthalt mit einer Sprachschule oder arbeite als Volontär. Hebe in deinem Lebenslauf die erworbenen Fähigkeiten hervor:

  • Sprachen: Ich nehme an, deine Englischkenntnisse werden sich während deiner Reise erheblich verbessern. Aus Grundkenntnissen werden plötzlich gute Kenntnisse, aus guten Kenntnissen Fortgeschrittene. Vielleicht lernst du ja noch eine weitere Sprache? Super! Das kannst du später alles in deinem Lebenslauf hervorheben.
  • Arbeit: Hast du als Volontär gearbeitet? Was, wann, wie lange? Lass dir auf jeden Fall ein Zeugnis ausstellen, mindestens eine Bestätigung. Welche Skills hast du erworben? Hast du etwas total Neues gemacht? Oder hast du einen vorübergehenden Job in deinem angestammten Beruf gefunden? Noch besser. Erfahrungen in einem anderen Land zählen viel.
  • Soft Skills: da könnte man ja fast unendlich aufzählen. Angefangen bei Flexibilität, Offenheit für Neues, schnelles Einarbeiten bis hin zu Freundlichkeit, Spontanität und hoher Selbständigkeit ist da noch vieles zu holen.

Wie du siehst, eine Welt-, bzw. Langzeitreise ist keinenfalls ein Karrierekiller. Wenn du dich richtig verkaufst, eher das Gegenteil. Du lernst Dinge, die du in einer regulären Anstellung nie in dem Ausmass kennen lernen würdest.

Ausserdem entdecken viele während dem Reisen Aufgabengebiete, die wie für sie geschaffen sind, sie aber noch nie beachtet haben. Es werden neue Talente freigesetzt und kreative Lösungen gefunden. Zudem gibt es immer mehr Digitale Nomaden, die sich ihre Brötchen unterwegs verdienen.

So, move on, travel the world!

Sonnenaufgang über der Sinai Halbinsel in Ägypten

 

Mythos 4: Wer eine Weltreise macht, verliert denn Kontakt zum Zuhause uns so zu seinen Freunden

Hier kommt ein ganz grosses NEIN. Überhaupt nicht. Wo leben wir denn? Mit all unseren technischen Möglichkeiten. Früher musste man mühsame Ferngespräche in einer Telefonkabine am Strassenrand führen. Oder Briefe schreiben, die erst Wochen später ankamen. Heute hat man so viele Möglichkeiten, dass man schon fast aufpassen muss, dass man sich nicht mehr hört/sieht, als wenn man zu Hause ist. All die Sozialen Netzwerke, gratis Telefondienst rund um den Globus, E-Mail, Videotelefonie und und und, stellen den Kontakt in keiner Weise als Hindernis dar. Du hast also auch auf Reisen, genau so wie daheim, mit all denen Kontakt, wo du Kontakt haben willst.

 

Mythos 5: Weltreisende sind furchtlose, unerschrockene Partytiger

Ja ja, das liebe ich. Seit ich erzähle, dass ich eine Weltreise mache, höre ich allzu oft wie mutig und furchtlos ich bin. Und die meisten Leute nehmen an, dass ich vor allem Party machen werde. Easy going am Strand, Abends saufen bis zum Umfallen, am nächsten Tag auskurieren und vielleicht durch ein, zwei Tempel schlurfen. Aber so ist wohl einfach das Bild vom klassischen Backpacker.

Ich bin aber weder 20 Jahre alt, gehe nicht das erste mal längere Zeit auf Reisen, noch bin ich als DER Partytiger (oder Partymäuschen?) bekannt. Zusätzlich muss ich hier gestehen: Furchtlos? Unerschrocken? Ich springe ja beim kleinesten Schrecken hinter die nächste Ecke! Daher, Fehlanzeige mit mutig! Keine Ahnung wie ihr alle darauf kommt, ich check’s nicht.

Ich folge lediglich meinen Träumen und das ist meiner Meinung nach nicht mutig, sondern UNBEDINGT NOTWENDIG um ein glückliches und zufriedenes Leben zu führen.

 

So, die 5 grössten Mythen über Weltreisende sind widerlegt. Jedenfalls was mich betrifft.

Was meinst du dazu? Gibt es noch etwas was du geklärt haben möchtest? Wozu soll ich Rede und Antwort stehen?

8 Kommentare

  • Oli sagt:

    Im Grossen und Ganzen bin ich mit dir einverstanden. Dass Reisen der Karriere schaden können, halte ich leider dennoch für eine Tatsache.

    1. Die erworbenen Softskills kannst du zwar schönreden so lange du willst, aber im Berufsalltag brauchst du praktische Erfahrungen, sprich: Arbeitserfahrungen. Wenn du die nicht hast, bist du nicht attraktiv, auch wenn du in der Kaffeepause die tollsten Storys erzählen kannst.

    2. Reisen verändern die Persönlichkeit. Insbesondere bei Langzeitreisen gewinnst du zwar die Gewissheit, dass alles irgendwie klappt und du lernst auch, mit bescheidenen Mitteln durchzukommen. Das ist etwas Gutes. Gleichzeitig entwickelst du aber auch die Haltung: Ich brauch euch nicht!

    3, Reisen macht süchtig. Wenn dir das Reisen liegt, willst du gleich wieder los, sobald du genügend Geld hast. Das führt dazu, dass du dich nur auf Temporärstellen bewirbst (die dich natürlich in deiner Karriere nicht weiterbringen) oder dass du Stellen nach einer Weile wieder aufgibst, um zu verreisen.

    4. Eine Weltreise von einem Jahr oder vielleicht sogar etwas länger kannst du wohl noch einigermassen gut verkaufen. Aber wenn du jeweils ein Jahr unterwegs warst, dann wieder ein JAhr gearbeitet hast und dann wieder ein Jahr gereist bist, sieht es nicht mehr so gut aus. Dein potentieller Arbeitgeber wird sich (zu Recht) überlegen, ob du nicht schon bald wieder davon laufen wirst.

    Mein Fazit ist daher: Ja, es kann schaden und es wird vermutlich sogar. Aber das Reisen ist dieser Schaden wert.

    • Rapunzel sagt:

      Danke für deinen Beitrag. Insbesondere in den Punkten 3 und 4 stimme ich dir zu. Reisen macht süchtig! Wenn man erst einmal damit angefangen hat und es einem liegt, ist ans Aufhören nicht mehr zu denken.

      Bei einer “klassischen Karriere”, d.h. Ausbildung, einige Jahre arbeiten, Weiterbildung, alle paar Jahre einen Tritt höher auf der Karriereleiter usw., kann es einen negativen Touch in den Lebenslauf bringen. Vor allem wenn man, wie du schreibst, ein Jahr auf Reisen ist, ein Jahr arbeitet, wieder auf Reisen geht etc.
      Ich denke aber, es kommt stark auf die persönlichen Präferenzen im Leben an und ist bei allen sehr unterschiedlich. Ich kann schlussendlich auch nur für mich selber sprechen. Und ich bin kein klassischer Karrieremensch und definiere mich nicht über meine Arbeit, sondern über mein Leben insgesamt.
      Ausserdem gibt es heutzutage so viele Möglichkeiten Reisen mit Arbeiten zu verbinden. Zusätzlich werden viele Firmen immer aufgeschlossener bei kreativen Arbeitsmodellen und meist lässt sich ein Lösung finden, die für Arbeitnehmer und Arbeitgeber passt.
      Ob eine Langzeitreise als Karriereknick daherkommt, ist auch immer sehr von der Branche abhängig.

      Mein Fazit: In einzelnen Branchen bedarf eine Langzeitreise vielleicht etwas mehr Erklärungsbedarf. In den meisten Fällen glaube ich aber nicht.
      Das sollte jedoch kein Grund sein, eine Langzeitreise nicht zu unternehmen, wenn es denn ein grosser Traum ist. Denn zu tun was für sich persönlich wichtig ist, sollte immer das oberstes Gebot sein!

      • Oli sagt:

        Ja klar. Das soll kein Grund sein, im Büro hocken zu bleiben und seinen Traum von einer grossen Reise nicht zu verwirklichen.

        Ich bin nur nicht der Meinung, dass der Karriereknick ein reines Mythos ist. Wer sich auf Langzeitreise begibt, sollte sich meiner Meinung nach bewusst sein, dass es in dieser Hinsicht eben schon ein paar Nachteile geben kann. Und dann, ja dann soll er sich doch fürs Reisen entscheiden.. 🙂

  • Ich stimme dir in allen Punkten zu!
    Man muss eben Prioritäten setzen im Leben, und die sollen nicht immer in der Arbeit liegen… das Leben ist zu kurz um es nicht zu geniessen 😉

    Super geschrieben

  • Christina sagt:

    Mit den Mythen bin ich ganz deiner Meinung.
    Was die Karriere betrifft: Bisher habe ich die Erfahrung gemacht, dass potentielle Arbeitgeber es sehr interessant finden, wenn man erzählt, dass man ein Jahr lang auf Reisen war. Als negativ konnte ich es bisher noch nicht einstufen.

    Lg, Christina / City Sea Country

    • Sarah sagt:

      Liebe Christina

      Schön hast du mit Reisen und Karriere nur positive Erfahrungen gemacht. Mir ging es genau gleich, die Reaktionen meiner Arbeitgeber waren immer positiv. Es kam auch schon vor, dass ich ausdrücklich wegen meinen Reisen angestellt wurde und die Chefs mir mitteilten, dass sie jemanden wollen, der über den Tellerrand hinwegsehen kann und sie der Meinung sind, dass das Reisen dies fördert. Ist ja auch so 😉

  • Wenn du Freunde hättest, würdest du etwas mit denen unternehmen, heißt es immer. Dass dies nicht immer so sein muss, hast du schön beschrieben.

  • Marek77 sagt:

    Es ist diese Sehnsucht nach der Ferne, die wir in uns tragen,
    die wir nicht abstellen können. Sie ist wie eine stille Melodie, die andauernd im Hintergrund spielt.

    Gruß Marek

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