Salvador da Bahia, würzige Perle im Nordosten Brasiliens

Jetzt ist es fast genau ein Jahr her, seit ich das letzte Mal in Brasilien war und immer noch bin ich von Land und Leuten fasziniert. Schon bald wird Brasilien durch die kommende Fussball Weltmeisterschaft in den Fokus aller mehr oder weniger Fussballbegeisterten rücken und zum Thema werden.

Brasilien ist ein riesiges Land und hat für Besuchende unglaublich viele unterschiedliche und spannende Städte und Gegenden zu bieten. Mir hat es Salvador da Bahia besonders angetan.

Kleiner Wissensexkurs: Salvador (São Salvador da Bahia de Todos os Santos, deutsch: Heiliger Erlöser von der Bucht der Allerheiligen) liegt im Nordosten von Brasilien und bietet rund 2.7 Millionen Menschen ein zu Hause. Einst war Salvador Zentrum des amerikanischen Sklavenmarktes, daher sind auch heute die afrikanischen Wurzeln noch deutlich zu spüren. Glaube und Tradition sind ein herrliches Gemisch aus afrikanischem Schamanismus, katholischer Heiligenverehrung und indianischen Geisterbräuchen.

Salvador ist keine Stadt von Weltruhm wie Rio de Janeiro, auch nicht die Wirtschaftsmetropole oder die Hauptstadt. Was macht sie denn so besonders?

 

Pelourinho

Salvador besitzt keine weltweit bekannten Sehenswürdigkeiten, besticht aber durch einen würzigen Charme. Es gibt  in der ganzen Stadt hübsche Plätze, Ecken und Pärke. Das bekannteste und touristisch interessanteste Viertel ist der Pelourinho.

Der Pelourinho ist ein barocker Stadtteil mit fantastischer Aussicht über die Bucht Todos os Santos. Früher wurden auf dem Largo do Pelourinho die Skalven ausgepeitscht und zur Schau gestellt, heute treffen sich dort deren Nachfahren, Touristen aus aller Welt, Strassenkinder und Bettler.

Anfangs der 90er-Jahre wurde der Pelourinho aufwendig restauriert. Bis dahin war es ein heruntergekommenes Hurenviertel, wohin sich niemals ein Weisser, und schon gar kein Tourist verirrt hätte. Heute steht dieses Viertel unter dem Schutz der UNESCO.

Berühmt geworden und zu neuer Blüte auferstanden ist der Pelourinho, als Michael Jackson den Clip für seinen Hit „They don’t care about us“ auf dem Largo do Pelourinho gedreht hat. Dieses Video hat auch die Gruppe „Olodum“ zu Weltruhm verholfen.

Pelourinho in Salvador da Bahia

Zu etwas späterer Stunde: Es ist dunkel, die Nacht ist hereingebrochen, das träge Salvador erwacht zum Leben. Der schwere Duft von Acarajé und Vatapá weht durch die Gassen des Pelourinhos. Von weitem hört man den Trommelwirbel immer näher kommen, die Trommlergruppen Salvadors ziehen durch die Gassen. Caipirinha erhitzt das Blut und plötzlich steht man in einer Menge tanzender Menschen, die von Konzert zu Konzert zieht. Was bedeutet das? Es ist Dienstag Abend!

Dienstags ist im Pelourinho jeweils der Teufel los oder besser gesagt, die Party. Konzerte an jeder Ecke, Jazz mischt sich mit Elektro, Samba mit Reagge und Hip Hop mit MPB (Música popular Brasileira). Die Nacht ist wird lang, tanzt sich von selber durch und das Aufstehen am Mittwoch morgen wird noch härter als sonst…

Der Pelourinho in Salvador da Bahia

 

Essen

Brasilianer lieben Essen! In Bahia ist die Küche ganz besonders ausgeklügelt, da wie in der Kultur, auch hier die kreolischen, bzw. afrikanischen Einflüsse deutlich werden.

Hauptgericht Nummer 1 in Brasilien ist Feijoada, ein Eintopf aus Bohnen, jeglichen Fleischsorten und verschiedenem Gemüse. Dazu gehören auch Farofa (geröstetes Maniokmehl) und Molho da Pimenta, eine Pfeffersauce. Feijoada ist das Nationalgericht und in Salvador ebenso häufig vertreten wie auch sonst überall in Brasilien.

Die Gerichte im Bundesstaat Bahia, von welchem Salvador die Hauptstadt ist, sind meist sehr deftig und schwer, aber unglaublich lecker.

Zu den Spezialitäten gehören Moqueca, ein Eintopf aus wahlweise Fisch, Tintenfisch oder Trockenfisch, der mit Palmöl, Kokosmilch und verschiedenem Gemüse angerichtet wird. Serviert wird Moqueca mit Reis und Pimenta, einer scharfen Würzsauce.

Moqueca de Peixe

Ebenso eine Spezialität ist Vatapá: eine Art Püree aus Krabben und kleinen Fischstücken. Weitere Zutaten sind Cashewnüsse, Erdnüsse, Zwiebeln, frischer Koriander, frische Ingwerwurzel, Palmöl, Bohnen und Kokosmilch. Das Gericht wird mit einem Brei aus Reismehl und Kokosmilch serviert.

Mein Bahia-Essens-Highlight ist aber Acarajé: Bällchen aus Bohnenmus, wahlweise mit Krabben, welche in heissem Palmöl fritiert werden. Acarajés sind in Salvador an fast jeder Strassenecke zu bekommen.

Darfs noch ein Durstlöscher sein? Dann empfehle ich einem der Strassenverkäufer ein frisches Agua de coco abzukaufen. Löscht den Durst bei jeder Hitze!

 

Capoeira

Capoeira ist eine brasilianische Kampf(tanz)sportart, dessen Zentrum Salvador ist. Diese Kunst geht ebenso auf die afrikanischen Sklaven zurück, der Ursprung wird beim afrikanischen NiGolo („Zebratanz“) vermutet.

Die Kämpfe finden in einem Roda, einem Kreis statt, der von weiteren Capoeiristas gebildet wird. Die Kämpfe werden immer von Musik und Gesängen begleitet. Das bekannteste Instrument, dass im Capoeira verwendet wird, ist das Berimbau, eine Art Bogen, der aus dem elastischen Biriba-Holz angefertigt wird, welches nur in Brasilien vorkommt.

Capoeira Aufführungen gibt es in Salvador in jeder Ecke. Es gibt Bühnen-Shows, aber auch Capoeira, dass auf den Strassen gekämpft (getanzt) wird. Am Strand sieht man schon 5-jährige Knirpse, die sich in dieser Kunst üben. Es werden viele Kurse angeboten, wo man sich auch nur während ein paar Tagen oder Wochen in Capoeira versuchen kann.

 

Candomblé

Brasilien ist bekannt als das grösste katholische Land der Welt. Der Glaube ist stark ausgeprägt und die Brasilianer lieben ihre Kirchen ebenso wie sie die Worte des Papstes für bare Münze nehmen. Sie haben aber überhaupt kein Problem damit, den Katholizismus mit weiteren Religionen, Bräuchen oder Gottheiten anzureichern.

Die meisten Sklaven wurden bei ihrer Ankunft in Brasilien zwangsgetauft, haben aber ihre angestammte Religion, Candomblé, heimlich weiterbetrieben. Das eine kann gut neben dem anderen oder am besten auch gleich alles zusammen existieren.

Salvador da Bahia

Candomblé ist eine afro-brasilianische Religion, die zwischen dem 16. und dem 19. Jahrhundert über die Verschleppung von versklavten Afrikanern nach Brasilien gekommen ist. In den Grundzügen geht es im Candomblé darum, einen Austausch zwischen den Menschen, die ihn praktizieren und den Göttern – Orixás genannt, herzustellen.

Es werden aufwendige Rituale und Zeremonien durchgeführt und die Anhänger des Candomblé tanzen sich in Trance, damit sich die Orixás in unserer materiellen Welt manifestieren können.

Auch als Tourist kann man einer Zeremonie beiwohnen, es ist einfach sich vor Ort zu erkundigen und den Ort des nächstgelegenen Terreiros (Candomblé-Tempel) in Erfahrung zu bringen.

 

Karneval

Der Karneval von Brasilien ist weltbekannt und meiner Meinung nach hat jeder im Leben etwas verpasst, wer nie während der Karnevalszeit in Brasilien war.

Der Karneval in Salvador ist noch ein richtiger Strassenkarneval, ein Fest fürs Volk, eine Zeit, wo das normale Leben völlig stillsteht, quasi Nichtexistent ist.

Eine Besonderheit des Karnevals in Salvador sind die Trio Eléctricos. Das sind riesige Sattelschlepper mit Bühne, Bar und Plattform. Diese Trio Eléctricos touren durch die Strassen und haben nicht selten Musikanlagen von bis zu 100.000 Watt. Um die Trio Eléctricos gruppieren sich die Blocos (Blöcke), verschiedene Karnevalsgruppen, die unterschiedliche Themen repräsentieren.

Mehr gibt’s aber dazu gar nicht zu sagen, den Karneval muss man erlebt haben!

 

Das Umland – Ausflüge in Bahia

Von Salvador können grossartige Ausflüge in den Bundesstaat Bahia unternommen werden. Nicht umsonst ist Bahia bekannt wegen seiner Traumstrände. Paradiesische Buchten findet man zum Beispiel im Surferparadies Itacaré oder im bei den brasilianische Touristen äusserst beliebtem Morro de São Paulo.

Strand in der Nähe von Salvador do Bahia

In Bahia gibt es wunderbare Städtchen zu entdecken. Ein ganz spezieller und geschichtsträchtiger Ort ist Ilhéus, das rund 460km südlich von Salvador liegt. Ilhéus wurde als Zentrum der Kakaopflanzung von Südbahia gross. Über den Hafen wurde Kakao in die ganze Welt verschifft. Auch von literarischer Seite kann Ilhéus aufwarten und zwar mit keinem geringerem als Jorge Amado, einer der bedeutendsten lateinamerikanischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts.

Etwas weiter entfernt, am Rande des Nationalparks Chapada Diamantina, liegt das ehemalige Diamantenwäscherstädtchen Lençois. Von dort können wunderbare Ausflüge in den Nationalpark unternommen werden, dessen Wahrzeichen der 1.200m hohen Tafelberg Morro do Paí Inácio ist.

 

Entspannte Lebensweise

Nicht zuletzt ist Salvador durch seine entspannte Lebensweise bekannt. Alles geht ein bisschen gemächlicher zu als in anderen Grossstädten. Was nicht heute ist, wird morgen sein oder dann vielleicht auch nächste Woche. Zuerst steht ja sowieso noch das nächste Fest an. Und im Zweifelsfall trinken wir erstmals einen Cachaça drauf.

Salvador da Bahia

Brasilien ist ein riesiges Land, es nimmt rund die Hälfe von ganz Südamerika ein und es leben fast 200 Millionen Menschen dort.

Salvador ist demzufolge also nur ein kleiner Teil eines grossen Landes, ein Ausschnitt aus einem Land, dass unglaublich viele Ethnien, Religionen und Lebensarten repräsentiert. Es ist nicht schwer, sich in dieses Land und seine Bewohner zu verlieben, die wunderschöne Sprache zu mögen und Musik und Tanz als Lebensstil zu verstehen.

Salvador – auch bekannt als „die schwärzeste Stadt ausserhalb Afrikas“ – ist aber etwas ganz besonderes und wird immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben.

 

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