Was macht den Reiz des Reisens eigentlich aus?

Warum muss ich eigentlich permanent Reisen? Warum gefällt es mir so und was zieht mich immer wieder in die weite Welt hinaus? Das sind Fragen, die immer wieder auftauchen. Oft kriege ich sie von anderen Leuten gestellt, aber nicht selten, frage auch ich mich das wieder.

Es muss nicht einmal die „weite Welt“ sein, es kann auch einfach um die Ecke sein. Auch direkt vor der Haustüre gibt es wunderschönes zu entdecken. Ich kriege oft zu hören, dass ich „Hummeln im Hintern“ hätte.  Besonders gerne sagt mir das mein Partner, den ich Wochenende für Wochenende irgendwo in die Berge schleppe, an einen See oder für einen Kurztrip über die Grenze überrede.

Ist man mit diesen „Hummeln“ geboren? Ich kann nicht behaupten, dass ich als Kind besonders oft gereist bin. Meine Eltern machten mit mir und meinen Brüdern in erster Linie Urlaub im eigenen Land, im Tessin, dem südlichen Teil der Schweiz. Als wir dann endlich mal „weiter weg“ fuhren und Kuba und Ägypten besuchten, gab es kein Halten mehr und die Freude war riesig. Schon da haben mir aber meine Eltern beigebracht über den Tellerrand (oder den Hotelstrand) hinaus zu schauen. Sie haben mich und meine Brüder immer wieder mit Einheimischen in Kontakt gebracht, haben mit ihnen Geburtstage gefeiert, Mahlzeiten geteilt und Freundschaften geschlossen.

Bei genauerem Nachforschen finde ich quer durch meine weitere Verwandtschaft immer wieder Leute, die ausgewandert sind, von Schweden über Australien bis zu Verwandten in Belgien. Das Reise-Gen kommt also vielleicht doch nicht von nirgendwo? Ich weiss es nicht, aber schon seit ich ganz klein war, hat mich die weite Welt fasziniert. Ich hatte eine riesige Weltkarte über meinem Bett hängen und mit Vorliebe Dokumentationen über fremde Länder im Fernsehen geschaut. Wie lebt es sich wohl in Brasilien? Wie schmeckt die Luft in Mozambique? Und wie fühlt sich der Regenwald in Malaysia an?

Viele Wege wollen erkundet werden...

Viele Wege wollen erkundet werden…

Diesen Fragen bin ich sobald irgendwie möglich nachgegangen. Ich musste es einfach wissen. Musste fühlen und sehen, was hinter der nächsten Ecke liegt.  Und je mehr ich gereist bin, desto grösser wurde der Durst nach noch mehr Abenteuern. Ich wurde mutiger, habe mich immer weiter weg getraut und dann auch alleine. Meine erste Reise alleine nach Nepal. Darauf sollte meine Weltreise folgen und danach gab es sowieso kein Halten mehr.

Ein Leben auf dem Sofa vor dem Fernseher hat mich noch nie gereizt. Jetzt war es als ferne Option tatsächlich gestorben.

Ich gebe zu, das Reisen bestimmt zu einem grossen Teil mein Leben. Das hat natürlich auch damit zu tun, dass ich Reisebloggerin bin. Daher kann ich ohne Probleme sagen, dass ich von morgens bis abends ans Reisen denke, wenn ich denn nicht gerade unterwegs bin.

Aber warum eigentlich? Klar, Reisen als Job, als Reisebloggerin. Aber ganz abgesehen davon, muss natürlich die Passion dafür vorhanden sein. Sonst würde das niemand freiwillig machen. Denn, wie ich nie müde werde zu betonen: Reisen ist anstrengend und manchmal nur halb so schön, wie immer alle erzählen. Reisen ist oft mühsam, zehrt an den Kräften und ist alles andere als bequem. Aber es macht auch süchtig. Und dieser Sucht entkommt man so schnell nicht mehr.

Warum dann also das Ganze?

Was macht den Reiz des Reisens nun eigentlich aus? Für mich ist es die Sucht nach Abenteuern, das Ausbrechen aus dem Alltag, das Sehen, was hinter der nächsten Ecke liegt. Das mich lebendig fühlen, mich spüren.

Es ist alles in der Summe, was ich unterwegs erlebe.

Es ist der spektakuläre Aussichtspunkt, den ich ganz für mich alleine habe, weil sonst niemand fünf Stunden hinwandert. Es sind die unzähligen Mückenstiche, wovon ich immer noch überrascht bin, dass ich noch nie mit Malaria angesteckt worden bin. Es ist meine 65-jährige Reisebegleiterin in Lateinamerika, die mich mit den Geschichten aus ihrem spannenden Leben unterhält. Es ist die Zugfahrt über eine Hochebene Sri Lankas und deren Teeplantagen, bei der ich von einer 10-jährigen unterhalten werde.

Es ist die Liebe, die ich unverhofft in Nicaragua gefunden habe. Es sind die Momente auf den Wellen, die mich total stoked zurückgelassen haben. Es sind die doch auch brenzligen Momente auf Reisen, in denen ich (meistens) heil davongekommen bin. Es sind die unzähligen Feste, die ich unterwegs gefeiert habe. Es sind die namenlosen Fremden, welche mich auf meinem Weg begleitet haben.

Es sind gute Freunde aus allen Teilen der Welt, welche noch heute mein Leben bereichern. Es sind die Krankenhausaufenthalte mit wunden Füssen, gequetschten Rippen, zerschlagenen Gesichtern oder geschwollenen Augen, die noch heute für eine Geschichte am Lagerfeuer gut sind. Ach ja, die Lagerfeuer natürlich, die will ich auf keinen Fall vergessen.

Es ist auch der Sternenhimmel, den ich aus den verschiedensten Perspektiven der Welt bestaunen durfte. Es sind die zum Teil völlig verrückten Menschen, die ich beim Couchsurfen kennengelernt habe. Es sind die vielen hässlichen Spinnen, denen ich unterwegs begegnet bin und die mich immer wieder aufs Neue erstarren lassen. Es ist das Glücksgefühl, welches mich am Strand auf den Philippinen hat weinen lassen.

Geniessen auf Madeira.

Geniessen auf Madeira.

Es ist mein Bruder, der mich schon auf vielen Reisen begleitet hat. Es ist der Angstschweiss, der bei Tuk-Tuk-Fahrten in Asien immer wieder ausbricht. Es ist der Karneval in Brasilien, welcher man einfach einmal erlebt haben muss. Es sind die namenlosen tropischen Früchte, welche meine Reisen versüsst haben. Es ist meine Familie, die immer wieder gesagt hat: Klar, mach das doch. Wir besuchen dich unterwegs!

Es ist mein Rucksack, der die ganze Zeit durchhält und mit mir die Welt bereist. Es sind die vielen Schürfwunden, Prellungen und Kratzer, von denen ich noch heute Spuren an meinen Beinen habe. Es ist die Unterwasserwelt in Ägypten, die Delfine in Florida und die Schildkröten auf Malaysia, welche mich glücklich zurückgelassen haben.

Und nicht zuletzt ist es die Erkenntnis, das ich schon so viele unglaublich bereichernde Momente erleben durfte, die ich ausschliesslich meiner Reiselust zu verdanken habe. Das Reisen, das macht die Summe des Ganzen aus. Alle die total verrückten Erlebnisse, Menschen und Geschichten, die mein Leben so wunderschön machen. Ein Leben ohne meine Reiselust kann ich mir gar nicht vorstellen. In einem Leben ohne meine Reisen würden einfach zu viele Geschichten fehlen, Geschichten, an die ich mich immer wieder zurückerinnere und von denen ich weiss, dass noch eine ganze Menge davon auf mich warten.

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Dies ist mein kläglicher Versuch, der Reiz des Reisens in Worte zu fassen. Aber eigentlich lässt sich dies nur erleben. Jeder auf seine ganz eigene Art und Weise.

Und warum ziehst du immer wieder los?

Übrigens, ich habe vor einiger Zeit mal Reiseblogger gefragt, warum sie eigentlich reisen. Da sind einige sehr aufschlussreiche Antworten zusammen gekommen…

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3 Kommentare

  • Step sagt:

    Du sprichst mir wie immer aus der Seele…..ich hab auch diese „Hummeln“….kaum entdecke ich auf meinem Dienstplan mal ein paar freie Tage, sitze ich statt mal meine Wohnung zu Hause mal zu genießen schon wieder bei Urlaubspiraten oder so und suche nach Flugschnäppchen, durchforste Reiseblogs oder Airbnb nach spannenden Zielen oder charmanten Unterkünften etc……schon als Kind saß ich immer vor dem Globus, lernte Hauptstädte der unmöglichsten Länder dieser Welt auswendig und wusste damals schon, dass ich da unbedingt mal hin muss 🙂 Das hat man oder hat man nicht, ich habs jedenfalls nicht von meinen Eltern, mein Onkel und meine Tante sind so ähnlich 😉 In meinem Freundeskreis werde nur noch amüsiert betrachtet, und ich lach manchmal selbst drüber 🙂

    • Ja, wahrscheinlich hat man die „Hummeln“ einfach oder eben nicht… Ich weiss auch nicht, in wie fern man das beeinflussen kann. Aber wie gesagt, schlussendlich bin ich froh darum. Ich hätte sonst so viel verpasst in meinem Leben!

  • […] auch meine Erfahrung. Es gibt so viele Gründe warum ich ALLEN raten würde, sofort loszureisen und die Welt zu entdecken. Wer das nie erlebt, verpasst etwas ganz wichtiges im Leben. Es gibt so viel zu sehen, erleben und […]

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