Marrakesch oder das Märchen aus 1001 Nacht

Ich war siebzehn Jahre alt als ich das erste Mal nach Marrakesch reiste. Ein Traum ging in Erfüllung und obwohl ich wahrscheinlich in jede Touristenfalle gestolpert bin, habe ich Marrakesch als märchenhaft in Erinnerung. Dazu kommt natürlich, dass ich damals so jung war und Marrakesch seit dem gleichnamigen Film mit Kate Winslet für mich ein Wunschziel war und auch, dass es nun doch schon eine Weile her ist. Und man mit der Zeit bekanntlich anfängt zu verklären.

Um so mehr war ich auf meine erneute Reise nach Marrakesch gespannt. Ich wusste, diesmal würde ich die Stadt mit ganz anderen Augen wahrnehmen und erfahren. Und tatsächlich, als ich ankomme merke ich schon, dass ich die Stadt anders wahrnehme. Nicht besser oder schlechter, ich schaue einfach mit anderen Augen.

Marokko - mein Traum aus 1001 Nacht

Marokko – mein Traum aus 1001 Nacht

Es herrscht immer noch ein Chaos auf den Strassen, aber auch das hält sich irgendwie in Grenzen. Mittlerweile habe ich über 50 andere Länder bereist und Zustände im Strassenverkehr erlebt, wo Marokko wohlgeordnet daherkommt. Besonders ist mir da meine Reise nach Vietnam in Erinnerung.

Aber zurück zu Marokko… Ich habe mich voller Aufregung ins Gewimmel des Souks gestürzt. Das ist auch nicht schwer, denn viele der schönen Riads liegen mitten im grossen Basar Marrakeschs. Ich habe es mir nicht zugetraut mein Riad alleine zu finden, was wohl tatsächlich unmöglich gewesen wäre. Ich lasse mich also abholen und würde das auch allen empfehlen. Die Strassen sind kaum angeschrieben und Hausnummern nicht zu finden. Riads sind traditionelle marokkanische Häuser mit einem Innenhof und einer Dachterrasse. In der Regel sind sie wunderschön und schwer wieder zu verlassen, da sie einfach so gemütlich sind und sich das Treiben der Medina von der Dachterrasse wunder sehen oder zumindest hören lässt.

Unterwegs in den Souks von Marrakesch.

Unterwegs in den Souks von Marrakesch.

Sich im Souk zu verlaufen, ist eine gute Idee. Sich einfach treiben lassen und schauen, wo einem die Gässchen hinführen. Es gibt so vieles zu entdecken. Allerdings braucht man eine dicke Haut, da man überall angequatscht wird und das Handeln gehört hier unbedingt dazu. Einfach mal schnell was kaufen liegt nicht drin. Das braucht Zeit, ein paar Minzentees und jede Menge Smalltalk.

Was man dann auch wirklich kaufen will, sollte gut betrachtet werden. Ich habe mir erst überlegt Gewürze zu kaufen. Aber von Marokkanern ist mir davon abgeraten worden. „Es kommt nur die schlechte Ware auf den Souk. Da kaufen es Touristen, die keine Ahnung von Qualität haben, sondern einfach, weil es in der Auslage hübsch aussieht. Geh lieber in den Supermarkt, wenn du gute Qualität willst.“ Na dann….

Impressionen aus dem Souk in Marakesch, Marokko.

Impressionen aus dem Souk in Marokko.

Rein ins Getümmel des arabischen Marktes.

Rein ins Getümmel des arabischen Marktes.

Überall gibt es Schönes zu kaufen in Marrakesch.

Überall gibt es Schönes zu kaufen.

Wo gehts lang im Souk in Marrakesch?

Wo gehts lang?

Egal wohin der Souk einem führt, früher oder später landet man immer wieder auf dem Grand Place, dem grossen Platz, dem Djemaa el Fna. Während früher hier die Köpfe der Toten aufgespiesst wurden, tummeln sich heute Geschichtenerzähler, Schlangenbeschwörer, Hennamalerinnen und auch ein Haufen Touristen auf engstem Raum. Der Platz ist jedoch ein ganz besonderes Erlebnis und besonders nachts und von oben schön zu beobachten.

Sobald es anfängt zu dämmern, finden sich immer mehr Menschen auf dem Djemaa el Fna.

Sobald es anfängt zu dämmern, finden sich immer mehr Menschen auf dem Djemaa el Fna.

Es gibt alles mögliche im Angebot....

Es gibt alles mögliche im Angebot….

Der Djemaa el Fna in Marrakesch bei Nacht.

Der Djemaa el Fna in Marrakesch bei Nacht.

Ganz besonders habe ich mich auf die marokkanische Architektur gefreut. Ich kann mich immer noch gut an die Gärten, Moscheen und wunderschönen Bauten erinnern. Meiner Meinung nach schlägt kaum etwas die arabische Architektur. Für mich geht es also auch in den Bahia Palast und ich kann hier stundenlang umherirren. Das ist auch gar nicht so schwierig, den der Palast ist riesengross und erstreckt sich auf mehr als 8000 m2 und über 160 Räume, Riads und Innenhöfe. Der Rundgang ist aber gut beschriftet, so kann ich mich zurecht finden.

Der prachtvolle Palast wurde 1867 im Auftrag des Grosswesirs Si Moussa erbaut und später von seinem Sohn erweitert. An allen Ecken sind kunstvolle Mosaike, Marmorfliesen und Stuckarbeiten zu entdecken. So viele liebevolle kleine Details!

Kunstvolle Architektur im Bahia Palast in Marrakesch.

Kunstvolle Architektur im Bahia Palast in Marrakesch.

Einer der Innenhöfe des Bahia Palastes in Marrakesch.

Einer der Innenhöfe des Bahia Palastes.

Kunstvolle Fliesen im Bahia Palast in Marrakesch.

Kunstvolle Fliesen.

Es gibt überall etwas schönes zu entdecken im Bahia Palast in Marrakesch.

Es gibt überall etwas schönes zu entdecken!

Bahia Palast

Bahia Palast

Der Bahia Palast in Marrakesch.

Der Bahia Palast in Marrakesch.

Ein Wahrzeichen Marrakeschs und von fast überall zu sehen, ist die Koutoubia Moschee, die abends auch immer schön beleuchtet wird. Ich will jedoch noch weiter und zwar will ich die Gräber der Saadier besuchen. Die Saadier haben lange Zeit über die Stadt geherrscht und ihr Gräber sind eher durch Zufall bei Ausgrabungen gefunden worden. Hier sind bedeutende Sultane und ihre Familien begraben worden. Die Grabstätten sind ein Kunstwerk aus feinstem Marmor und wunderschönen Mosaiken, die in Andalusien gefertigt wurden.

Die kunstvollen Gräber der Saadier in Marrakesch.

Die kunstvollen Gräber der Saadier.

Für mich soll aber noch ein weiteres Highlight anstehen: Ein Besuch im Maison de la Photographie – im Haus der Fotografie. Es ist nicht ganz einfach zu finden, irgendwo in der Medina von Marrakesch. Hier wird Marokko porträtiert und teils sind die ersten Fotografien des Landes ausgestellt. Es gibt Werke von bekannten und weniger bekannten Fotografen, Vorher-Nachher Bilder und natürlich ist das Ganze in einem wunderbaren Riad zu finden.

Kunstvolle Fotografien im Maison de la Photographie in Marrakesch.

Kunstvolle Fotografien im Maison de la Photographie in Marrakesch.

Die Ausstellungen lohnen sich für alle fotografieinteressierten, aber am Schluss wartet das Haus mit einer traumhaften Aussicht über Marrakesch auf. Aber nicht nur das, auf der Dachterrasse gibt es auch noch ein kleines aber feines Restaurant. Hier ist ein Top Spot um zu Verschnaufen, sich einen Minzentee und vielleicht sogar eine Tajine zu gönnen.

Die Aussicht von der Terrasse vom Maison de la Photographie.

Die Aussicht von der Terrasse vom Maison de la Photographie.

Am Schluss gönne ich mir einen weiteren Augenschmaus und besuche die ehemalige Koranschule Medersa Ben Youssef. Wahrscheinlich um 1340 erbaut und 1960 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, ist die Medersa ein wahres Prachtsück. Hier lassen sich viele der so bekannten Fotomotive Marrakeschs erhaschen und ich kann fast nicht mehr aufhören mit knipsen. Aller Fotoliebe zum Trotz, hier sollte auch einmal innegehalten und den Blick auf die vielen unglaublichen architektonischen künstlerischen Details geworfen werden.

Die Medersa Ben Youssef in Marrakesch.

Die Medersa Ben Youssef in Marrakesch.

So schön kann eine Schule sein... Die Medersa Ben Youssef in Marokko.

So schön kann eine Schule sein…

Unglaubliche Architektur in der Medersa Ben Youssef, der alten Koranschule Marrakeschs.

Unglaubliche Architektur in der Medersa Ben Youssef, der alten Koranschule Marrakeschs.

Die Medersa Ben Youssef.

Die Medersa Ben Youssef.

Sarah in der Medersa Ben Youssef.

Sarah in der Medersa Ben Youssef.

Ein Tag in Marrakesch voller Highlights – und es gäbe noch einige mehr. Gerade für Architekturfans ist die Stadt einfach prädestiniert. Marrakesch kann auch recht günstig angeflogen werden und die Weiterreise in andere Teile des Landes ist per Bus und Bahn sehr einfach und sicher. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Surftrip an die Küste?

In Marrakesch gibt es unzählige Unterkünfte und viele davon sind sehr gut. Aus persönlicher Erfahrung kann ich dir das Riad Sharmance sowie das Riad Al Mamoune sehr empfehlen. Beide haben ein gutes Preis-/Leisungsverhältnis, sind super ausgestattet und haben sehr nette Gastgeber. Am einfachsten findest du sie über die gängigen Buchungsseiten.

Verrätst du mir jetzt noch deinen Lieblingsort in Marrakesch?

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4 Kommentare

  • Step sagt:

    klingt interessant und im Moment scheint irgendwie jeder nach Marrakesch zu reisen. …ich selbst war noch nie in Marokko und nach diesem Artikel bin ich mir auch nicht sicherer. die Bauwerke und die Farben sind sicher ein Traum aber die aufdringlichkeit geht mir schwer auf die nerven. ..hat mir in Kairo meine tage ziemlich versaut dass man sich nie in ruhe umsehen kann ohne dass man wieder angequatscht und meist beim minztee übers Ohr gehauen wird (oder zumindest versucht wird das zu tun). was ich sonst so von Marokko gehört hab ist das dort ziemlich ähnlich. …lg aus Malaysia

  • Ich war vor 8 Jahren in Marokko und auch in Marrakesch und fand es einfach wunderbar. Marrakesch ist eine faszinierende Stadt – und ich habe mich dort sehr wohlgefühlt. Wir waren mit unseren Kindern unterwegs, damals 4 und 6 Jahre alt, und hatten keinerlei Probleme.

    Ein sehr schöner, ruhiger Ort ist auch der Park von Yves Saint Laurent (ich erinnere mich leider nicht mehr an den Namen), aber ich habe noch genau die Riesenbäume in Erinnerung, die Lauben zum Ausruhen und die farbigen Pflanzengefässe.

  • Axel Borg sagt:

    Toller Beitrag, besonders den Tipp sich das Haus der Fotografie anzuschauen werde ich beherrzigen. Ich hoffe ich schaffe es dieses Jahr auch mal nach Marrakesch.

    Gruß Axel

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