Land unter in den Cameron Highlands

In Malaysia ist in erster Linie schwül-heisses Klima zu finden, an welches wir uns als Europäer doch eher schwer gewöhnen können. Daher bieten sich auf einer Reise durch Malaysia die Cameron Highlands als kühlenden Zwischenstopp an.

Die Cameron Highlands sind Teil der Bergkette, die die Malaysische Halbinsel von Nord nach Süd durchzieht. Sie sind rund 200 km von Kuala Lumpur entfernt und zeichnen sich durch angenehme 20-25 Grad auf ca. 1500 Meter aus. In der Nacht kann es mit 10-15 Grad empfindlich kalt werden. Als Abkühlung sind die Highlands bei Touristen und Einheimischen gleichermassen beliebt.

Auch ich mache mich auf in die Cameron Highlands. Der Bus schlängelt sich die kurvenreiche Strasse hinauf bis nach Tanah Rata. Der Ort besteht eigentlich nur aus einer kleinen Hauptstrasse mit einigen Geschäften und Unterkünften mit allem was das Touristenherz begehrt.

Was der Besucher in den Cameron Highlands sehen will, sind die riesigen Teeplantagen und am besten auch gleich noch die Rafflesia, die weltgrösste Blume, die auch hier zu finden ist. Also buche auch ich eine ganztägige Tour.

 

Als ich am Morgen der Tour aufwache, bin ich doch noch ein bisschen skeptisch.

1. Es giesst, genau wie am Vortag, in Strömen. Und zwar so richtig. Ohne Unterbruch.

2. Auf dem Programm stehen nebst dem „Trekking” in den Highlands auch noch eine Erdbeerenfarm, eine Schmetterlingsfarm und der Besuch eines Orang Asli Dorfes. Das hört sich alles ein bisschen sehr touristisch und gestellt an.

Aber ich lasse mich gerne eines besseren belehren…

 

Auf zur Rafflesia

Also, es geht los. Zusammen mit sieben weiteren Wagemutigen und zwei Führern mache ich mich auf in das Dickicht der Cameron Highlands (und ja, es schüttet immer noch wie aus Kübeln und wird auch den ganzen Tag nicht mehr aufhören).

Schon nach den ersten paar hundert Metern merke ich, dass es hier wirklich speziell schön ist. Das Grün schimmert in allen möglichen Farbtönen, die Geräusche des Waldes werden nur durch unsere Schritte im Matsch gestört. Das Gehen wird bald meditativ, der Regen stört überhaupt nicht mehr.

Cameron Highlands

Cameron Highlands

Bei den ersten paar Pfützen passen noch alle auf, dass die Schuhe nicht zu nass und schlammig werden. Doch irgendwann sehen wir ein, dass es keinen Sinn mehr macht. Spätestens als wir den ersten Flussabschnitt überqueren müssen, gibt es keine Chance mehr trocken zu bleiben.

Cameron Highlands in Malaysia

In den Cameron Highlands

Nach etwas anderthalb Stunden müssen wir stehen bleiben und unser Führer, ein gebürtiger Chinese, verschwindet mit dem Orang Asli Guide. Wir stehen da also so im Regen rum und wissen nicht genau worauf wir eigentlich warten, als wir ein lautes Krachen hören. Durch die sintflutartigen Regenfälle ist der eigentliche Pfad durch den Wald versperrt und wir müssen einen Umweg gehen, welcher durch ein weiteres Flüsschen führt. Das Flüsschen ist aber mittlerweile ein Fluss geworden und nicht passierbar.

Das Krachen stellt sich dann als einen kurzerhand gefällten Baum heraus. So überqueren wir den Fluss also über einen Baumstamm balancierend.

Cameron Highlands

Nach gut zwei Stunden mit grandiosen Aus- und Ansichten in den Cameron Highlands, erreichen wir schlussendlich die Rafflesia. Wir haben Glück dass gerade Saison ist und erleben die Blume in voller Blüte.

Die Rafflesia ist die Blume mit der grössten Blüte im Pflanzenreich und auch sonst sehr speziell. Zum Wachsen benötigt sie bis zu einem Jahr und blüht dann nur für 5-7 Tage. Nach der Blüte zerfällt sie zu schwarzem, zähem Schleim. Um Fliegen zur Bestäubung anzulocken, ahmt die Rafflesia in Farbe und Geschmack Aas nach.

Die Rafflesia in den Cameron Highlands

Nach einer Pause und den obligaten Fotos gehts dann wieder zurück. Das Ganze ist schon mehr ein Trekking als ein Spaziergang und sollte nicht unterschätzt werden. Vor allem durch die andauernden Regenfälle ist der Pfad durch den Wald nicht ganz ungefährlich und die Rutschgefahr gross.

Das Trekking kann ich aber nur weiterempfehlen. Wenn du in den Cameron Highlands bist, solltest du dieses Abenteuer auf keinen Fall verpassen. Du solltest aber auch Dreck, Schlamm, Kälte und das völlige Durchnässtsein nicht scheuen.

 

„Besuch“ bei den Orang Asli

Was dann aber tatsächlich mehr als enttäuschend ist: Der „Besuch in einem Orang Asli Dorf”, den indigenen Völkern Malaysias.

Es ist weder ein Dorf, noch ein Besuch. Kurz bevor wir wieder ins Auto verfrachtet werden und zum Mittagessen fahren, stehen drei, vier Orang Asli mit einem Blasrohr bereit, welches von uns ausprobiert und natürlich gekauft werden kann. Das ganze findet neben einer Müllkippe statt, wo es furchtbar stinkt. Niemand will wirklich probieren, einige lassen sich dann überreden. Ich hatte erwartet, dass das ganze sehr touristisch und gestellt ablaufen würde, aber auf keinen Fall in diesem lustlosen Stil. Man hätte das Ganze am besten einfach weggelassen.

Nach einem späten Mittagessen beim Inder, gehts dann wie schon befürchtet zu all den Plantagen und Farmen. In den Cameron Highlands wir sehr viel Gemüse und Tee angebaut. Die Erdbeeren- und Reptilienfarmen sehen wir uns notgedrungen an, jedenfalls mehr oder weniger, aber für meinen Geschmack ist das eigentlich mehr Zeitverschwendung.

Sehr schön ist dann aber zum Schluss noch der Aussichtspunkt, wo wir unsere Blicke über die Teeplantagen schweifen lassen können. Auf all den Bildern im Internet und auf den Postkarten sind die Plantagen natürlich immer bei strahlendem Sonnenschein abgebildet. Die Realität sieht dann eher so aus.

Teeplantagen in den Cameron Highlands

Nebel und Regen nehmen der Schönheit der Landschaft aber nichts von ihrem Reiz, sondern verleihen der ganzen Szenerie einen leicht mystischen Anstrich. Uns zieht dann schon eher die heisse Dusche zurück ins Hostel, denn nach der ganzen Schlammschlacht am Vormittag, sind wir völlig durchnässt und am erfrieren.

Teeplantagen in den Cameron Highlands

in den Cameron Highlands

Teeplantagen in den Cameron Highlands

Teeplantagen in den Cameron Highlands

Der ganze Ausflug, in erster Line vor allem das Trekking zur Rafflesia, ist aber sehr lohnenswert und kann ich wirklich weiterempfehlen. Kalte Nächte und nasse Tage sind von kurzer Dauer, denn am nächsten Morgen gehts dann auch schon wieder ans Meer und es sind wieder 30 Grad + angesagt.

Warst du auch schon in den Cameron Highlands oder hast du vor, bald dorthin zu reisen? Ging es dir auch so wie mir oder hast du ganz andere Erfahrungen gemacht?

 

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