Hong Kong – kosmopolitisches Tor zu China

Hong Kong ist eine wunderbare Stadt und einfach perfekt als Einstieg in China. Es ist eine chinesische Grossstadt, aber mit merklich europäischen, vor allem englischen Einflüssen. Die Stadt ist schön, modern, hat einen Hafen und ist von Natur umgeben. Eigentlich hat dieser Ort alles, was man sich wünschen kann. Man erhält alle internationalen Marken, findet jegliches Essen und muss trotzdem nicht auf den gewissen Hauch Exotik verzichten.

Diesen findet man, wenn man mit der Metro irgendwo hinfährt, aussteigt und sich treiben lässt. Einfach mal laufen, wohin die Füsse einem tragen, ohne Plan, ohne Ziel. Wenn man nicht weiss wohin man will, hat man Zeit, der Umgebung die ganze Aufmerksamkeit zu schenken. Man verliert sich in kleinen Gassen, wo man mit alten Männern ins Gespräch kommt, die ihre tägliche Runden Mahjong spielen. Oder man landet plötzlich in einem Friseursalon, wo einem mit Wonne die Haare gewaschen werden. Denn schliesslich bekommt man auch im kosmopolitischen Hong Kong nicht immer die Gelegenheit, eine Langnase so genussvoll zu befummeln. Auch wenns nur die Haare sind. Aber das alte Hong Kong, das findet man so am ehesten. Wenn die Beine langsam nicht mehr mögen, findet man immer schnell die nächste Metrostation, die einem wieder nach Hause bringt.

Hong Kong

Exotik findet man auch in gewissen Einkaufsstrassen. Hier wird wie in anderen asiatischen Ländern auch, in der selben Strasse auch die selbe Ware verkauft. Bekannt ist die Goldfischstrasse. Hier werden ganz viele Fischchen in kleine Plastiksäckchen gehalten, die auf ihren zukünftigen Besitzer warten. Die Platiksäcke sind halb mit Wasser gefüllt und zugeknotet, so knapp, dass sich die Fische zum Teil gar nicht umkehren können. Das Halten von Goldfischen hat in Asien jedoch grosse Tradition. Das gilt ebenso für Singvögel. Diese kann man natürlich auch in einer separaten Strasse besichtigen und kaufen. Gilt natürlich auch für alle weiteren Haustiere….

Goldfische in Hong Kong

Hong Kong ist aber auch reich, industriell und schnell. Während der Rush Hour eilen die Businessmen in ihre Büros, die Dienstmädchen in die Heime ihrer Arbeitgeber. Luxuswagen brausen vorbei und plötzlich steht man in den modernsten Geschäftsvierteln. Die Fassaden des Wolkenkratzers vor dir spiegeln diejenigen des nächsten, und so weiter, und so fort…. Eine endlose Reihe von Bürotürmen, gegenüber der luxuriösesten Modeketten, in denen aufgebretzelte Touristinnen aus Südkorea einkaufen.

Innenstadt Hong Kong

Am Sonntag zeigt sich die Stadt von einer ganz anderen Seite. Während wochentags die Strassen überquellen vor Menschenmassen, sind sie am freien Tag wie leergefegt. Die Gehsteige, Fussgängerbrücken und Parks sind aber überbevölkert – von Philippinas. Sie machen einen nicht unerheblichen Teil der Bevölkerung Hong Kongs aus und der Sonntag ist ihr gesetzlicher Freitag. Sie arbeiten als Kindermädchen in den Haushalten der Mittel- und Oberschicht.

Um sich überhaupt ein Leben in Hong Kong leisten zu können, sind beide Elternteile gezwungen, arbeiten zu gehen. Die Philippinas haben oft selbst Kinder und in ihrer Heimat keine Zukunftsaussichten. Sonntags rotten sie sich zusammen, legen Kartons auf den Boden, tratschen den ganzen Tag, essen Reis und skypen mit ihren Angehörigen. Nicht selten fliessen Tränen, wenn sie mit ihren Kindern skypen. Überall sind sie Sonntags, es ist kein Entkommen. Es scheint, als würde Hong Kong nur aus Frauen aus den Philippinen bestehen.

Die Philippinas in Hong Kong

Ein Entkommen aus dem Grossstadtdschungel ist einfach. Nur ins nächste Taxi springen und auf gehts zum nächsten Wanderweg. Diese sind in der ganzen Stadt verstreut und etwas ausserhalb, gibt es –zig Kilometer lange Trails.

Das Touristenherz schlägt höher, wenns mit dem Tram hinauf zum Peak geht. Bei Tag ebenso eindrucksvoll wie bei Nacht, wenn die ganze Stadt beleuchtet ist. Auch hier wird gejoggt, gespielt und spaziert. Es gibt einen wunderbaren Rundweg um den Peak, von wo aus Hong Kong von allen Seiten bestaunt werden kann. Die Aussicht über den Hafen ist jedenfalls sensationell…

Ja, der Hafen gibt ein besonderes Bild ab. Sich dort rumzutreiben, macht Spass. Es wimmelt von Touristen, die die Fähre von Kowloon nach Hong Kong oder in umgekehrter Richtung nehmen wollen. Aber auch Geschäftsmänner, Familien und die Philippinas mit den ihnen anvertrauten Sprösslingen, benutzen die Fähre zum Übersetzen in den jeweils anderen Stadtteil. Der Verkehr hat es sowieso in sich in dieser Stadt. Es gibt hier das doppelstöckige Tram, dass quer über die Insel Hong Kong fährt. Irgendwie so ein bisschen portugiesisch. Oder doch englisch, denn schliesslich gilt auch hier Linksverkehr.

Der Hafen in Hong Kong

Aber schau es dir doch am besten selbst einmal an. Die Stadt hat es in sich und lohnt einen Besuch. Nicht nur einen kurzen Abstecher, hier kannst du getrost ein bisschen länger bleiben. Denn langweilig wird es dir hier bestimmt nicht.

Und wenn doch, kannst du immer noch morgens mit alternden Chinesen ein Tänzchen im Park aufführen, ein Singvogelrestaurant besuchen oder das pulsierende Nachtleben austesten….

 

8 Kommentare

  • Marcel sagt:

    Schöner Artikel über diese Hammer Stadt! Ich war zuletzt „nur“ 5 Tage lang dort, hätte aber auch locker doppelt so lange bleiben können und es wäre nie langweilig geworden, da es eben so viel zu entdecken gibt…

    Ein kleiner Abstecher nach Macao lohnt sich übrigens auch 🙂

    Gruss
    Marcel

    • Sarah sagt:

      Vielen Dank! Macao wollte ich unbedingt besuchen, leider klappte es dann nicht, da ich meinen Pass für das Chinavisum abgeben musste und somit nicht einreisen konnte… Blöd. Aber das ist ja auch ein guter Grund, nochmals dorthin zu reisen! 😉

  • […] “China-Light”, mit vielen westlichen Einflüssen und vielen Expats die dort wohnen. Aber die Stadt ist faszinierend, nämlich nicht nur eine der üblichen Grossstädte, sondern mit ganz viel Grün, einem Hafen und […]

  • Markus sagt:

    Ich bin eher anderer Meinung. Hong Kong ist eine schöne Stadt, aber Hong Kong ist nicht China! Wer „nur“ in Peking oder Shanghai war auch nie in China. Wer als Langnase in China war, der war in China.

    Macau ist halt wie Vegas, sehr oberflächlich…

    @Rapunzel

    Schöne Seite, weiter so!

  • Steffi sagt:

    Hallo Sarah,
    also bis jetzt stand Hongkong nicht wirklich auf meiner Liste der Wunschreiseziele, aber Dein Artikel macht total Lust auf einen Besuch!
    Toller Bericht!
    Viele Grüsse
    Steffi

  • Johannes sagt:

    Kann alles nur bestätigen, war beruflich mehrfach in China und auf dem Rückweg immer 2-3 Tage (Nächte, hihi) Stopover in HK gemacht, Hammerstadt!!

    Hab ein bischen was gesehen von der Welt und bin sowieso eher der Städtetyp aber Hongkong ist einfach ein Mörderteil

    Wen alles klappt und Cheffe mitspielt darf ich März und Mai 2017 wieder da hin!!

    Pliehs kiep ze fingers krosst vor mieh!! 😉

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