Die Solentiname Inseln – Nicaraguas bestgehütetes Geheimnis

Nicaragua ist touristisch noch ein relativ unberührtes Land. Neuerdings habe ich Nicaragua ja zu meinem Lieblingsland erklärt. „Nicaragua?”, fragen da viele. „Daran habe ich bisher noch gar nie gedacht.” Ist irgendwie auch gut so.

Natürlich gibt es aber mittlerweile auch in Nicaragua eine Touristenroute, einen Backpackertrail. Einen Pfad, auf dem alle irgendwie Reisen. Aber es gibt grosse Teile des Landes, in die sich kaum ein Reisender verirrt. Dazu gehören die Solentiname Inseln ganz im Süden, nahe der Grenze zu Costa Rica. Ein Archipel mit 36 Inseln, mitten im Nicaragua See, in dem der Bodensee 15-mal Platz hätte. Die Inseln sind bekannt bei Naturliebhabern für die unberührte Tier- und Pflanzenwelt, ebenso durch die naive Malerei, durch die ihre Einwohner berühmt geworden sind.

Der Hafen der Isla San Fernando der Solentiname Inseln in Nicaragua.

Der Hafen der Isla San Fernando der Solentiname Inseln in Nicaragua.

Die Hautptstrasse auf der Isla San Fernando, eine der 36 Inseln des Solentiname Archipels.

Die Hautptstrasse auf der Isla San Fernando, eine der 36 Inseln des Solentiname Archipels.

Als ich am späten Nachmittag in der Hängematte auf der Terrasse meines Hotels liege und auf den Sonnenuntergang warte, kann ich kaum glauben, dass es so viele verschiedene Rufe von Vögeln gibt.

Bestimmt eine Stunde liege ich da und höre einfach nur zu. Wer sich schon mal in Meditation versucht hat, weiss wie schwer es ist, nicht zu denken und einfach nur zu sein. Auf der Isla San Fernando jedoch, gelingt mir das wunderbar. Tiefenentspannt winke ich der Sonne zu, die spektakulär, aber ohne grosses Pampam untergeht. Die Tierwelt dreht noch einmal kurz durch, schreit, klagt, ziept, quietscht und fiept. Als ich mich durch die Dunkelheit zum Abendessen begebe bin ich froh, habe ich eine Taschenlampe dabei. Ansonsten würde ich wohl auf die grossen Frösche trampeln, die unbeweglich auf dem Weg sitzen.

Nach dem Essen lese ich noch etwas. Licht gibt es abends, tagsüber ist hier kein Strom vorhanden. Kein Strom heisst auch kein Internet, kein Wifi, keine Handyverbindung. Digital Detox gezwungenermassen. Mir gefällts, ich lasse auch den Laptop gleich im Rucksack.

Der Sonnenuntergang ist auf den Solentiname Inseln besonders schön zu beobachten.

Der Sonnenuntergang ist auf den Solentiname Inseln besonders schön zu beobachten.

Am nächsten Tag geht es endlich los ins Los Guatuzos Wildlife Refuge, wofür ich eigentlich hergekommen bin. Mit dem Boot fahren wir ungefähr 40 Minuten, bis wir den Fluss Papaturro erreichen.

Schon als wir vom See langsam in den Fluss abbiegen und gemütlich vor uns hintuckern wird mir bewusst, was mich heute wohl erwarten wird. Denn schon nach 5 Minuten verlangsamt der Kapitän das Boot, mein Guide legt den Finger auf seine Lippen und deutet mir, ganz ruhig zu sein. Er deutet auf das Ufer, wo ich nur undurchdringliches Blätterwerk sehe. „Was?”, flüstere ich. „Kaiman”, meint er.

Angestrengt starre ich also ans Ufer, meine Augen fangen bereits an zu brennen, als ich ihn endlich sehe. Reglos liegt der Kaiman im Wasser. Ich knipse natürlich sofort los, solche eine Gelegenheit für ein Foto gibts vielleicht später nicht mehr. Die riesigen Zähne fallen mir glücklicherweise erst vor dem Laptop auf, als ich die Bilder sortiere.

Der Kaiman im Los Guatuzos Wildlife Center bei den Solentiname Inseln in Nicaragua.

Der Kaiman im Los Guatuzos Wildlife Center bei den Solentiname Inseln in Nicaragua.

Während des Tages sehen wir noch einige Kaimane. Sie sonnen sich am Ufer, aber ein so grosses Exemplar kommt mir nicht mehr vor die Linse. Dafür unzählige Vogelarten. Ich kann mich sonst nicht so für Vögel begeistern und die Ornithologen beäuge ich immer etwas skeptisch. Zu fremd ist mir das frühe Aufstehen und das „sich mit dem Fernglas in die Büsche” legen.

Im Los Guatuzos Wildlife Refuge gibt es unzählige Vogelarten.

Im Los Guatuzos Wildlife Refuge gibt es unzählige Vogelarten.

Mein Guide, der nicht viel älter als 20 ist, scheint aber all die Vögel zu kennen und ist selbst so voller Begeisterung, dass diese auf mich abfärbt. Nach einer Weile suche auch ich voller Euphorie das Grün nach neuen Vogelarten ab und freue mich wie ein Kleinkind, wenn der junge Guide mich lobt, wenn ich einen Vogel wiedererkenne.

Praktisch für mich, wenn die Tiere auf den Solentiname Inseln so schön posieren...

Praktisch für mich, wenn die Tiere auf den Solentiname Inseln so schön posieren…

Und noch ein Exemplar...

Und noch ein Exemplar…

Auch Schildkröten sonnen sich auf den Ästen, Affen schwingen sich durch die Bäume und die Reiher stehen den Fluss entlang Spalier. Als uns ein grosses Boot entgegenkommt, müssen wir ausweichen und uns ans Ufer drängen. Der Grössere hat natürlich Vorfahrt. Das Boot ist voll beladen mit Menschen und Waren. Es ist das Taxi in die Zivilisation. Es bringt Konsumgüter, Lebensmittel und Neuigkeiten in die entlegenen Siedlungen am Fluss.

Taxi in die Zivilisation... Dieses Boot garantiert den entlegenen Dörfern am Rio Papaturro Anschluss an die Solentiname Inseln.

Taxi in die Zivilisation… Dieses Boot garantiert den entlegenen Dörfern am Rio Papaturro Anschluss an die Solentiname Inseln.

Wir besuchen das ökologischen Zentrum Los Guatuzos. Dieses ist mit spanischer Zusammenarbeit seit 1999 in Betrieb. Das Zentrum wurde ursprünglich zur Erforschung der ansässigen Tier- und Pflanzenwelt gegründet, hat aber bald einmal die Möglichkeiten des Ökotourismus entdeckt. Heute kann hier auch übernachtet werden, nur 11 USD kostet ein Bett.

Wir stehen dann mal Spalier... Ganz normal auf den Solentiname Inseln.

Wir stehen dann mal Spalier… Ganz normal auf den Solentiname Inseln.

Auf der Fahrt auf dem Papaturro Fluss, werden wir von Affen beobachtet.

Auf der Fahrt auf dem Papaturro Fluss, werden wir von Affen beobachtet.

Ich unternehme hier eine Tour durch das Zentrum und den angrenzenden Wald. Zuerst einmal darf ich mir die Wetterstation anschauen. Von hier werden Daten ans nationale Institut in Managua gesendet. Ausserdem gibt es eine Aufzuchtstation von Kaimanen und Schildkröten. Auch ein Orchideengarten ist zu finden.

Im angrenzenden Wald erklärt mir der Ranger die Nutzung der unterschiedlichen Pflanzen und Bäume und zeigt mir riesige Kakaopflanzen. Besonders cool wird es, als wir über die Hängebrücken hoch oben über den Dschungel laufen. Die Sicht ist so eine ganz andere, einfach nur beeindruckend.

Schildkröten im Los Guatuzos Wildlife Refuge bei den Solentiname Inseln.

Schildkröten im Los Guatuzos Wildlife Refuge bei den Solentiname Inseln.

Ausflug in den Wald im Los Guatuzos Wildlife Refuge auf den Solentiname Inslen in Nicaragua.

Ausflug in den Wald im Los Guatuzos Wildlife Refuge auf den Solentiname Inslen in Nicaragua.

So macht das Entdecken des Waldes Spass!

So macht das Entdecken des Waldes Spass!

Einziger Wermutstropfen: Wir sehen kein Faultier. Hier gibt es so viele Faultiere, aber niemand kann eines finden. Es ist schon lange ein Traum von mir, diese Tiere endlich einmal live zu sehen. Obwohl ich schon an vielen Orten war, wo es sie zu Hauf gab, ist es mir bisher nicht vergönnt gewesen, diese in Natura zu sehen. Auch hier habe ich kein Glück.

Als der Guide von meinem Wunsch erfährt, läuft er mit mir später extra noch durch das angrenzende Dörfchen zu einer Baumreihe, wo es anscheinend IMMER Faultiere gibt. Nur eben heute nicht. Na ja. Dann muss ich weitersuchen… Dafür schaue ich mir die vom Zentrum gesammelten Skelette und eingelegten Schlangen, Fledermäuse und Kaimane an. Ist ja auch ganz interessant….

Das Skelett eines Kaimanes, im Hintergrund die konservierten Schlangen.

Das Skelett eines Kaimanes, im Hintergrund die konservierten Schlangen.

Als ich am Abend wieder in meiner Hängematte liege und dem Vogelkonzert lausche, wird mir erst bewusst, was ich heute alles erlebt habe. Morgen geht es mit dem Boot wieder aufs Festland nach San Carlos. Auch wenn San Carlos nur ein kleines Kaff ist, kommt es mir hier vor wie eine Grossstadt.

Die Solentiname Inseln sind wie ein verlorenes Paradies, ein geheimer Flecken Erde. Hier vergeht die Zeit anders. Ich war noch kaum einmal an einem so verlassenen und gleichzeitig so wunderschönen Ort wie auf den Solentiname Inseln in Nicaragua. Hier wird der Begriff „Garten Eden” plötzlich fassbar.

Abendstimmung auf den Solentiname Inseln in Nicaragua.

Abendstimmung auf den Solentiname Inseln in Nicaragua.

 

Kennst du diesen wundervollen Flecken Erde auch? Wie hat es dir dort gefallen?

 

Ich bedanke mich bei erlebe-costarica, welche mir dieses Tour durch ihren Baustein Ursprüngliche Inseln und vielseitige Tierwelt ermöglicht haben. Meine Begeisterung ist wie immer echt und unverfälscht.

 

15 Kommentare

  • Julia sagt:

    Hört sich traumhaft an! Ich glaube ich werde die Solentiname Inseln gleich mal auf meiner Bucket Liste aufnehmen. Danke für den tollen Bericht.

  • viola sagt:

    Echt ein super Beitrag, ich bin gerade in Nicaragua und die Inseln werden direkt in meine Route eingebaut!

  • Hallo Sarah,
    ich war im April dort auf der Nachbarinsel Mancarrón. Hierher hat sich in den 70ern Ernesto Cardenal zurückgezogen und eine kleine Künstlerkolonie gegründet. Ist sehr einsam. Ich war der Einzige Traveller dort. Man kann in einer Stunde mit dem Kajak nach San Fernando – dort scheinen mehr Leute zu sein, denn auf der Rückfahrt nach San Carlos stiegen sogar zwei(!) Traveller zu mir ins Boot…
    BG, Peter

    • Sarah sagt:

      Grössen- und Einwohnermässig is Mancarron die grösste Insel des Archipels. Ich glaube auch, dort steigen die meisten Touristen ab (von den wenigen, die es dorthin zieht). Ich habe Mancarron auch besucht und es scheint mir schon etwas mehr entwickelt als San Fernando – zumal es auf Mancarron in der Bibliothek sogar Internet gibt. Aber schön ist es auf beiden Inseln…

  • Marlene alias Couchabenteurer sagt:

    Hey,

    das sieht in jedem Fall schon mal toll aus. Wir haben uns in diesem Jahr aber gegen Nicaragua entschieden und fliegen in 3 Wochen nach Honduras.
    Wir hatten einfach das Gefühl, dass Nicaragua dieses Jahr nur so überrant wird von Backpackern, deshalb die Entscheidung fürs Nachbarland. Landschaftlich liegen die beiden Länder ohnehin sehr dicht beieinander. Deshalb bin ich nach Deinen Bildern schon sehr gespannt auf unsere Reise. Danke für den Beitrag.

    Lieben Gruss Marlene

    • Sarah sagt:

      Nicaragua wird immer wie beliebter, das stimmt. Honduras hingegen wird von vielen als zu gefährlich eingestuft und deshalb übersprungen. Somit hat Honduras ganz bestimmt weniger Touristen im Land als Nicaragua. Aber eines ist sicher: Spannend und wunderschön zu bereisen sind beide Länder!

  • […] dir von Zentralamerika zu erzählen. Da war zum Beispiel mein phänomenaler Trip auf die Solentiname Inseln im Süden von Nicaragua dabei oder eine Erzählung aus Léon, meiner Lieblingsstadt. Aber auch […]

  • […] etwas vom üblichen Reisepfad abweichen, empfehle ich dir einen Besuch auf den wunderbar einsamen Solentiname Inseln im […]

  • […] aber einige. Ziemlich viele sogar. Ich liebe die Ruhe und Ursprünglichkeit auf den Solentiname Inseln oder auch das Stadtleben in León. Und genauso liebe ich San Juan del […]

  • Julia Brüggemann sagt:

    Hey Sarah ,bitte hilf uns 😀 wir sind gerade in san Juan del sur und wir möchten unbedingt auf die solentiname Inseln.
    Wie bist du dahin gekommen ?
    Gibt es eine Alternative zu dem Weg 9 h Weg nach san Carlos ???
    Vielleicht unten über die Costa Rica Grenze oder colon?
    Und nochmal ein bisschen Zucker….wir lieben deinen Blog :))) du schreibst so schön realistisch und easy peasy.danke dafür .
    Liebe Grüsse aus Nica

    • Sarah sagt:

      Die Solentiname Inseln sind nicht sehr bequem zu erreichen. Aber wahrscheinlich ist genau das der Grund, wieso sie bis jetzt so unberührt sind. Du kannst über Los Chiles in Costa Rica nach San Carlos und von dort auf die Solentiname oder mit dem Bus über Managua um den ganzen See herum. Ich glaube, es gibt auch eine Fähre, bin aber nicht mehr sicher, ob die von Granada oder Ometepe fährt und die ist nicht jeden Tag. Was die Fähre anbelangt, musst du dich wohl vor Ort informieren.

      • Paul Kat sagt:

        Fähre von Granada / Ometepe (Altagracia) fährt seit September 2015 nicht mehr nach San Carlos bedingt durch den niedrigen Wasserstand bzw. fehlenden Tiefgang in San Carlos -RSJ.
        07.05.2016

        • Sarah sagt:

          Danke für die Info. Selbstverständlich ist der Fährbetrieb immer abhängig vom Wasserstand. Hoffentlich ist es bald wieder möglich…

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