Das erste Mal in Indien. Alleine. Als Frau.

Liest man Zeitung oder durchforstet man die Online-Newsportale könnte man zeitweise meinen, in Indien herrscht Krieg. Es wird einem abgeraten dorthin zu reisen. „Zu gefährlich“ oder „äusserste Vorsicht“ sind Attribute, die mit einer Indienreise in Verbindung gebracht werden. Vor kurzem habe ich Israel im selben Atemzug wie Indien gehört! Hier nochmals zum Mitschreiben: Indien befindet sich nicht im Krieg!

Und ob ihrs glaubt oder nicht, es lauert auch nicht hinter jeder Ecke ein Verbrecher und vergewaltigt wird man auch nicht automatisch, nur weil man nach Indien reist. Bevor jetzt aber gleich alle aufschreien und mir irgendwelche Verharmlosung vorwerfen, lest bitte zuerst meine Gedanken und Erfahrungen zu meiner Indienreise. Denn verharmlosen werde ich ganz bestimmt nichts. Vor einer Indienreise hört und liest man aber so viel verschiedenes, dass man ganz durcheinander kommen kann…

Strassenbild in Indien

Verhältnismässigkeit – Zählt die bei Indien nicht?

Ich bin in meinem Leben sehr viel gereist und Indien stand immer auf meiner Wunschliste. Viel zu ausserordentlich waren die Geschichten die ich immer gehört habe, ich musste das doch selbst erleben. Ich wollte nach Indien.

2012 machte dann der Fall der Massenvergewaltigung einer Studentin in Delhi Schlagzeilen, die an den Verletzungen gestorben ist. Kurz darauf folgte die Vergewaltigung einer Schweizerin, die mit ihrem Freund per Fahrrad durch das Land reiste. Und plötzlich schien es, als rissen solche Vorfälle nicht mehr ab. Die Medien berichteten fast nur noch darüber.

Selbstverständlich sollen diese auch über diese schrecklichen Taten berichten. Das das Augenmerk darauf gefallen ist, hat auch dazu beigetragen, die Diskussion über die Stellung der Frau in Indien anzufachen. Und diese ist leider nun mal sehr schlecht, bis gar nicht vorhanden.

Leider hat das im Westen aber dazu geführt, dass Indien nur noch als Land von Vergewaltigern wahrgenommen wird. Die Medien wurden undifferenziert und einseitig, der Tourismus ging zurück und viele Frauen wollten nicht mehr nach Indien reisen, schon gar nicht alleine. Es schien, als wären alle Männer Indiens grausame Bestien. Und Indien war als Reiseziel ein rotes Tuch….

Hier möchte ich auf einen Bericht von Bravebird verweisen, der sich mit der Verhältnismässigkeit dieser Berichterstattung auseinandersetzt. Ich verweise auf diesen Artikel, da mir der Blickwinkel der Verhältnismässigkeit extrem wichtig erscheint und dieser vielfach einfach ausser Acht gelassen wird.

Beispiel? Warum reisen in letzter Zeit alle nach Südafrika, verlieren aber kein Wort darüber, dass es dort eine der höchsten Vergewaltigungsraten der Welt gibt? Tagtäglich gibt es dort auch sogenannte „Lesbenvergewaltigungen“ um sie wieder „auf den rechten Weg zu bringen“. Aber ich lese immer nur von Safaris und Surfern in Kapstadt. Wieso ist das also bei den Reiseberichten und Medienbeiträgen über Indien so anders?

Genau als ich in Indien sitze und über dieses Thema recherchiere finde ich -zig Berichte, die mir sagen, dass die Schweizer Männer wohl vor allem mit ÖV unterwegs sind, um sich einen runterzuholen. Frage ich Google, merke ich, dass dies nicht mal annähernd ein Einzelfall ist. Es scheint, als würde dies zum Alltag in der Schweiz gehören.

Das stimmt so natürlich überhaupt nicht, aber wenn man sich von den Medien vereinnahmen lässt, würde man sehr schnell einmal diesen Eindruck der Schweiz erhalten. Soviel zum Bild, dass die Medien vermitteln…

 

Einseitige Berichterstattung macht unsicher

Ich kann aber kaum abstreiten, dass mich die Medien nicht auch beeinflusst hätten. Ich habe mir ernsthaft Gedanken darüber gemacht, ob ich denn wirklich als Frau alleine nach Indien reisen soll oder ob das nicht verantwortungslos sei.

Wie es doch immer ist, habe ich natürlich genau zu dieser Zeit wo ich mich mit einer Indienreise beschäftigt habe, unzählige neue negative Berichte über Indien gelesen. Ich versuchte also, die ganze Thematik in Relation zu sehen. Wie viele Einwohner hat Indien? Eine Milliarde? Und wie mancher Typ davon ist jetzt ein Vergewaltiger? Wie hoch ist das tatsächliche Risiko, dass mir etwas passiert? Schnell wurde mir bei den Überlegungen klar, wie sehr auch ich mich habe verunsichern lassen.

Da ich unbedingt nach Indien wollte, mich aber doch sehr habe verunsichern lassen, habe ich eine alternative, für mich neue Reiseart gewählt: Ich organisierte einen Fahrer. Der erste Teil meiner Reise habe ich alleine organisiert und bin mit Ashoks Taxi Tours gereist. Den zweiten Teil habe ich mit erlebe-fernreisen unternommen. Beides war für mich das erste Mal und es hat sich als Glücksgriff erwiesen. Absolut. Ich hatte eine fantastische Reise ohne die geringsten Probleme.

Mit privatem Fahrer durch Indien zu reisen kostet zwar mehr als mit öffentlichen Verkehrsmitteln, ist aber dennoch finanzierbar. Ich kann diese Art von Indienreise vorbehaltslos empfehlen. Ganz ehrlich, früher hab ich das ja belächelt und fand, man bekomme so ja nichts vom Land mit. Jetzt habe ich bemerkt, dass das gar nicht stimmt, sondern einfach nur eine bequemere Art zu reisen ist. Tun und lassen kann ich ja immer was ich will, ob ich jetzt mit ÖV oder mit Taxi in einem neuen Ort ankomme.

Beide Fahrer waren äusserst zuvorkommend, hilfsbereit und zuverlässig. Nicht nur, das immer alles pünktlich, sauber und organisiert war, ich habe mich zu jeder Zeit super sicher gefühlt. Auf eine gewisse Art ist man mit einem Taxifahrer bestimmt in einer Art Touristenblase. Wenn man sich das aber bewusst ist, kann man dem konkret entgegenwirken, z. B. indem man in indischen Hotels absteigt oder sich bewusst mit Indern umgibt anstatt mit anderen Touristen.

Mit einem eigenen Fahrer oder einer organisierten Tour zu reisen ist für Indienanfänger ein guter und sicherer Weg, das Land kennenzulernen. Für Frauen, die alleine unterwegs sind, ist dies der wahrscheinlich sicherste und auch angenehmste Weg durch Indien zu reisen.

Indien - ein organisiertes Chaos

 

Was ich tatsächlich in Indien erfahren habe

Entgegen allen Horrormeldungen: Ich habe in Indien eine super tolle Zeit erlebt und habe nur freundliche und hilfsbereite Menschen getroffen, die mir weitergeholfen haben. Ich habe ausnahmslos ehrliches Interesse erhalten, nicht zu spüren von Gaunereien und Abzockern. Kein einziger Mann hat mich belästigt oder auch nur lüstern angeschaut, ich wurde immer zuvorkommend und nett behandelt. Herzlichkeit, Gastfreundschaft und Offenheit – so habe ich Indien erlebt.

Die Entscheidung mit einem Fahrer zu reisen, war eine tolle Entscheidung. Ich habe Indien von einer wunderschönen Seite kennengelernt und die Lust, den Rest des Landes zu entdecken, ist jetzt noch viel grösser geworden.

Indien - hier wimmelt es von freundlichen und zuvorkommenden Menschen

 

Die Sache mit der Kleidung

Ein Thema, dass im Zusammenhang mit Indien immer wieder für Gesprächsstoff sorgt, ist die Kleidung. Obwohl es allen Indienreisenden klar sein sollte, dass kurze T-Shirts und Hotpants unangebracht sind, trifft man doch auf den Strassen immer wieder Touristen – Frauen wie Männer – die genau in diesen Kleidern rumlaufen.

Eine Hose, die bis über die Knie reicht und ein T-Shirt mit kurzen Ärmeln, geht an den meisten Orten in Indien problemlos, kürzer sollte es aber auf keinen Fall sein. Ich habe immer eine lange Jeanshose getragen, die weit geschnitten war. Ebenso ein Hemd mit 3/4 Ärmeln. Ich hatte ein Tuch dabei um mich wenn nötig zu bedecken, in Tempeln, auf der Strasse gegen Staub oder ähnliches. Ich wurde nie angemacht oder belästigt.

Natürlich hat das auch immer damit zu tun, wo genau man hinreist, welchen Menschen man begegnet und wie man sich verhält. Ich bin von Delhi nach Ladakh gereist und die Leute im Punjab ebenso wie in Himachal Pradesh sind für ihre Freundlichkeit und Offenheit bekannt. Aber Arschlöcher gibts überall, ich hätte ihnen auch hier begegnen können.

Ich muss aber auch sagen, mit meiner Reiseerfahrung habe ich mir auch ein sehr selbstbestimmtes Auftreten angewöhnt und das ist in Indien unabdingbar. Sag was du willst, was du nicht willst, und das darf dann gerne mal in einem herrischen Ton passieren. Für uns als Europäer arrogant und unhöflich, in Indien aber ganz normal.

Strassenbild in Indien

 

Mein Fazit

Indien ist ein eher schwieriges Reiseland und erfordert gute Vorbereitung, vor allem für all jene, die noch nicht so oft gereist sind. Es gibt viele schreckliche Dinge zu sehen, an die wir uns kaum gewöhnen können: unglaublich viele Bettler, die riesige Armut, der Dreck, der sich nie senkende Lärmpegel und ganz viele Ungerechtigkeiten, die erst auf den zweiten Blick sichtbar sind. Indien ist anstrengend und kann einem Reisenden das Letzte abverlangen.

Indien ist aber noch viel mehr: Faszinierend, launenhaft, farbenfroh, optimistisch und einfach wunderbar chaotisch. Es ist ein Land, dass man gesehen, erlebt, haben muss. Es ist jeden Stress und Ärger wert, denn Indien ist einfach unvergleichlich.

Ich habe mich auf Anhieb in das Land verliebt. Und ich werde zurückkommen. Garantiert!

 

Wie ist deine Meinung zu diesem Thema? Warst du auch schon als Frau alleine in Indien und wenn ja, wie hast du das Land erlebt?

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19 Kommentare

  • Simon sagt:

    Hi Sarah

    Der Artikel ist wirklich sehr gut geschrieben, vielen Dank dafür!

    Ich bin nicht so begeistert von Indien, trotzdem würde ich niemandem abraten, dorthin zu reisen.

    Die Sicherheit und der Schutz nach einem Verbrechen, gerade für alleinreisende Frauen, ist aber sicher nicht gleich hoch, wie beispielsweise in der Schweiz (trotz ÖV-Skandal ;). Das sollte man sich bewusst machen und sich informieren, wie in jedem anderen Land auch, damit man anschliessend selbst abschätzen kann, welche „Risiken“ man eingehen will. Mit ein wenig Umsicht, kann das Risiko auf praktisch Null minimiert werden.

    Es gibt übrigens genauso Gebiete in den USA, Stadtteile, die ich meide.

    Ich würde daher etwas vorsichtiger formulieren als du (vielleicht auch weil wir nicht so positive Erfahrungen gemacht haben), kann mit deinem Artikel aber sehr gut „leben“. Ich denke, es ist ermutigend, solche Erfahrungen zu lesen.

    Liebe Grüsse, Simon

    • Sarah sagt:

      Hi Simon, da bin ich total deiner Meinung. Vor jeder Reise, egal wohin, sollte man sich gut informieren und auch die negativen Seiten nicht ausblenden. Und wie du sagst, auch in Ländern wie den USA (und meiner Meinung nach auch in europäischen Ländern) gibt es Orte, resp. Stadtviertel, wo ich nach Einbruch der Dunkelheit auch nicht mehr alleine rumlaufen würde. Der Unterschied ist einfach, dass wenn es um Indien geht, die Berichterstattung nur darauf fixiert ist, was genau dann alles passieren kann. Bei einer Reise nach Amerika beispielsweise, wird das kaum zur Sprache gebracht. Bei Indien geraten viele sofort in Panik und das wahrscheinlich zu einem grossen Teil durch die undifferenzierten Medienberichte. Die setzen sich eben im Kopf fest, ob man will oder nicht.

      Ich jedenfalls hatte in Indien nur positive Erlebnisse und hoffe, dass es vielen anderen auch so geht. Denn meistens hört man ja einfach vom negativen…

    • Oli sagt:

      Eins vorweg: Über Gefühle kann man nicht streiten. Wenn sich jemand unsicher fühlt, dann ist das sein ganz persönliches Gefühl. Ich fühle mich zum Beispiel in der Schweiz nachts oft nicht so sicher, weil es keine Menschen auf den Strassen hat. Das ist aber rein subjektiv. Wenn jemand Indien nicht mag, dann ist das seine Sache. Ich muss nicht einverstanden sein, aber ich muss es akzeptieren.

      Anders ist das allerdings bei Aussagen zur Sicherheit, die sich doch einigermassen objektivieren lassen. Ich halte Indien nach wie vor für ein sehr sicheres Reiseland. Auch für Frauen. Ja, es ist anstrengend dort und es ist nervig. Und Belästigungen gibt es an allen Ecken – nicht nur sexueller Natur. Aber all das mag nerven, die Sicherheit beinträchtigt es noch nicht.

      Weil ja in der Berichterstattung vorallem Vergewaltigungen im Vordergrund stehen, sollten wir uns hier einmal die konkreten Zahlen anschauen. Wikipedia hat dazu eine eigene Statistik: http://en.wikipedia.org/wiki/Rape_statistics

      Wir sehen dort beispielsweise, dass Indien pro Einwohner eine fünf Mal niedrige Vergewaltigungsquote aufweist als Deutschland. Im Vergleich zu Schweden sind es sogar 30 Mal weniger. In Südafrika ist die Situation krasse 60 Mal schlimmer.

      Mir ist schon klar, dass man diese Zahlen nur mit Vorsicht vergleichen kann, weil ja nur die gemeldeten Vorfälle aufgeführt sind und je nach Gesetzeslage eine Handlung im einen Land noch legal sein kann und eine andere nicht (zum Beispiel Vergewaltigung in der Ehe).

      Trotzdem glaube ich nicht, dass die Dunkelziffer in Indien so gross sein kann, dass das südasiatische Land so viel gefährlich wäre als andere Länder. Indien, das ultimative Vergewaltigerland: Das ist in erster Linie ein Medienphänomen und nicht eine Frage der Sicherheit von Reisenden.

      • Sarah sagt:

        Ja, es ist immer „gefährlich“ mit diesen Zahlen zu argumentieren, da es je nach Gesetzeslage (Schweden) und Dunkelziffer doch manchmal eher fragwürdige Statistiken gibt. Man will sich ja aber auch irgendwie orientieren können. Auch ich glaube nicht, dass Indien gefährlicher ist als andere asiatische Länder. Aber sobald diese Vorurteile erst einmal im Kopf sind, wird man sie schwer wieder los. Ich selbst habe mich ja auch verunsichern lassen. Aber ich hatte schlussendlich eine super Zeit mit ausnahmslos freundlichen Bekanntschaften und kann nichts negatives über Indien berichten – sonst müsste ich es erfinden!

        Ach ja, und danke für deinen letzten Satz: Indien, das ultimative Vergewaltigerland: Das ist in erster Linie ein Medienphänomen und nicht eine Frage der Sicherheit von Reisenden. Da stimme ich dir absolut zu!

  • Super Artikel,Rapunzel…ich reise zwar nicht alleine nach Indien jedoch war ich aufgrund von äusserungen von meinem Umfeld bzgl dieser Thematik schon etqas unsicher…dein bericht hat meine bedenken nun ins richtige Licht geführt!danke dafür!am 4.11 gehts , los!!ich freu mich!

    • Sarah sagt:

      Negative Äusserungen und Angstmacherei kann einem sehr unsicher werden lassen, ich kenne das. Schön, konnte ich mit dem Artikel ein Gegenstück bilden. In Indien ist überhaupt nicht alles toll und schön und das Reisen kann sehr mühsam sein, aber es ist keineswegs so gefährlich wie es oftmals dargestellt wird. Viel Vergnügen in Indien!

  • Stefan sagt:

    Ein Artikel, der mir aus der Seele spricht!

    Obwohl man nichts verharmlosen darf: die in der Berichterstattung meist mangelnde Verhältnismässigkeit und fehldene Relation Vergewaltigungen ./. Einwohnerzahl stört mich auch.
    Trotzdem ist es natürlich ratsam, sich bekleidungsmässig dem Land etwas anzupassen und „merkwürdige Ecken“ zu meiden.
    Das gilt allerdings für viele Länder.

    Eine Touristin mit HotPants habe ich in Indien auch gesehen; da setzte bei mir schon fast Fremdschämen ein.

  • Danke, liebe Sarah, für diesen Beitrag, mit dem du Indien wieder ins „rechte“ Licht gerückt hast. Und ich gebe dir vollends Recht: Indien ist ein Land der Gegensätze und vermutlich ist es gerade deswegen so anziehend.
    Weiterhin alles Gute und viel Erfolg!
    Walter Bracun

    • Sarah sagt:

      Ob ich Indien wieder ins rechte Licht gerückt habe weiss ich ja nicht. Aber es ist einfach unglaublich, wie viel durch so einseitige Berichterstattung kaputt geht. Ausserdem wird werden ja oftmals vor allem die negativen Dinge beschrieben, vor allem eben, wenn es um Indien geht. Ich habe jedoch nur positive Erfahrungen gemacht und möchte das auch gerne weitergeben. Auch dir alles liebe! 🙂

  • Ist ja alles schön und gut, was du schreibst. Es ist auch wunderbar, dass du unbehelligt und unbelästigt durch Indien gereist bist. Doch das ist die Ausnahme! Ich sage ja nicht, dass Indien gefährlich ist. Aber die ständige Anmache, die Männer, die ihre Sexualität nicht im Griff haben, das ist einfach entsetzlich nervig! Und ich bin langsam von der Idee abgekommen, dass das nur an mir lag. Denn ich bin durch Ägypten, Nepal, Pakistan gereist, ohne auch nur annähernd so regelmässig sexuell belästigt zu werden wie in Indien! Es ist wichtig, das Elend der indischen Frauen immer wieder öffentlich zu machen. Wenn es die Inder durch Rückgänge beim Tourismus im Geldbeutel trifft, kann ich das nur begrüssen. Und wenn meine Meinung und Erfahrung nicht gilt, dann empfehle ich die Lektüre von dem Buch „Indien verdrängte Wahrheit“ von Georg Blume und Christoph Hein. LG Ulrike
    p.s. Mehr zu meinen Erfahrungen in Indien auf meinem Blog

    • Sarah sagt:

      Es ist halt einfach meine ganz persönliche Erfahrung, die ich beschreiben kann. Ich hatte eine tolle Zeit ohne Belästigungen. Ich kann ja nichts erfinden, was nicht war. Meine Erfahrungen waren positiv.
      Wenn jemand sexuell belästigt wird, ist es sowieso nie die Schulde derjenigen. Egal was vorangegangen ist. In einem Land wie Indien lässt sich mit Kleidung natürlich vieles vermeiden, aber auch wenn man für indische Verhältnisse „anständig“ gekleidet ist und trotzdem belästigt wird: Es ist nie die Schuld der Frau. In diesem Fall ist es immer die Schuld des Belästigers. Das ist ganz klar. Für dieses Verhalten gibt es meiner Meinung nach auch keine Entschuldigung.

      In meinem Artikel geht es in erster Linie um die Verhältnismässigkeit und um das Reisen als Frau (also als ausländische Frau) in Indien. Die Stellung der Frau in Indien ist da ein ganz anderes Thema und kommt in diesem Artikel gar nicht zur Sprache.
      Ich wollte in erster Linie aufzeigen, wie sehr wir uns von den Medien beeinflussen lassen. Es ist einfach unfair, die Männer eines ganzen Landes über einen Kamm zu scheren. Es lauert nicht hinter jeder Ecke ein Vergewaltiger. Das ist meine Meinung und an der halte ich fest. Ich habe die indischen Männer eigentlich als anständig und höflich erlebt. Wenn andere Frauen schlechte Erfahrungen gemacht haben, tut mir das leid. Aber das ist ja auch immer subjektiv. Ich fand die Männer in Sri Lanka beispielsweise viel, viel mühsamer. Obwohl viele die gegenteilige Erfahrung gemacht haben. Und es kommt auch immer darauf an wohin man reist. Indien ist riesig. Und sie Strecke nach Ladakh ist bestimmt nicht dasselbe wie z.B. in Rajastan.
      Liebe Grüsse, Sarah

      • Hallo Sarah,
        ahbe deine Antwort irgendwie sehr spät entdeckt und auch lange überlegt, ob ich dazu antworte. Du schreibst, es geht in Deinem Artikel nicht um die indischen Frauen. Dem stimme ich nicht zu: Wenn ein Volk seine Frauen nicht respektiert und mehr als schlecht behandelt, dann ist es kein Wunder, wenn auch fremde Frauen auch schlecht behandelt werden. Auch ich sage nicht, dass jeder indische Mann ein Vergewaltiger ist. Doch dass Du keine lüsternen Blicke, kein zufälliges Grabschen in Indien erlebt hast, nehme ich Dir nicht ab. Damit wirst du so einseitig, dass die Betonung dieses Faktes irgendwie seltsam klingt.
        Frau kann nach Indien reisen. Sie muss sich aber bewusst sein, worauf sie sich einlässt. Da darf man die Situation in Indien nicht verharmlosen.
        LG
        Ulrike

        • Sarah sagt:

          Indien ist ein schwieriges Reiseland, vor allem auch für Frauen, die alleine Reisen. Die Rechte der Frauen in Indien sind, wie leider in vielen weiteren Ländern auch, quasi nichtexistent. Dennoch kann ich nur von meinen persönlichen Erfahrungen berichten. Diese waren positiv – und ob du es glaubst oder nicht – auch mit indischen Männern.

  • Marcel sagt:

    Hallo Sarah,

    Ja Indien hat es mir auch angetan. Ich war zwar erst 3 Mal dort. Das erste Mal die klassische Route Dehli – Rajasthan – Agra. Das zweite Mal Kerala. Und letztes Jahr von Chennai der Küste entlang nach Süden und wieder durch Kerala über Bangalore zurück nah Chennai. Wo genau warst Du? Indien ist ja von State zu State verschieden. Ich mag vor allem die Gerüche, die Musikalität, die Farben und wie Du schreibst die Freundlichkeit. Angst hatte ich auch nie. Bei der ersten Reise hatte ich Durchfall den ich mit Antibiotika in den Griff bekam. Ich esse praktisch nie in Restaurants ohn Blick in die Küche. Ich liebe Früchte und Rohkost. Märkte besuche ich immer gerne. Und natürlich bin ich ein grosser Bewunderer von Mahatma Gandhi. Ich war an diversen Orten so im Museum in welchem sein letztes blutiges Hemd ist. Ich hoffe bald wieder zurückzukehren. Ich habe fernweh.

    Liebe Grüsse aus der kalten Schweiz
    Marcel

    • Sarah sagt:

      Indien ist tatsächlich in allen Staaten ganz unterschiedlich. Ich bin von Delhi über Punjab in den indischen Himalaya, nach Leh, gereist. Gerade in den Bergen ist die Lebensweise doch sehr unterschiedlich zu dem, was wir uns normalerweise unter Indien vorstellen. Aber diese Vielseitigkeit ist ja auch das spannende an diesem Land.

  • Lisa sagt:

    Hi Sarah,

    danke fuer diesen wirklich realistischen Bericht, Ich muss dir Recht geben, dass die ersten Infos die man ueber Indien bekommt schockierend und gar abschreckend sind. Ich bin erst seit einer Woche hier und habe noch nicht viel gesehen. Die naechsten vier Monate moechte ich nutzen ueber mich hinaus zu wachsen und das tolle Land in dem ich nun arbeite kennenzulernen. Das einzige Problem … ich bin alleine als Frau und habe nicht wirklich Reiseerfahrung. Hast du einen Tip wie ich meine Wochenenden angehen koennte? Scheinbar bin ich hier in Nashik in einer Ecke gelandet wo sich nicht viele reislustige Begleiter/innen finden lassen, also werde ich alleine losziehen.

    ich freue mich ueber jede Antwort !

    lg Lisa

    • Sarah sagt:

      Wenn du nicht gerne alleine unterwegs bist, dann suche dir eine Reisebegleitung. Wenn du dich mit weiteren Reisenden zusammentun willst, dann findest du am besten in nahegelegenen Hotspots Mitreisende oder Leute, die in der Nähe arbeiten (Cafés, Bars, Internet o.ä.). In Internetforen findest du Reisende aus der ganzen Welt. Schau doch mal beim Traveltalk vorbei, dort gibt es im Forum eine Rubrik für Reisepartner in Indien: http://www.traveltalk.weltreiseforum.com/topic1214.html
      Ich hoffe, das hilft dir weiter. Viel Vergnügen im Crazy India! 🙂
      Wenn du alleine losziehst, ist das auch super. Hast du Connections zu Einheimischen? Vielleicht können sie dich ja rumführen und dir die Gegend zeigen, bis du etwas sicherer bist. Höre immer auf dein Bauchgefühl, wende dich in Zweifelsituationen immer an Frauen anstatt Männer und gehe nicht in Verlassene Gegenden. Dies nur als grundlegende Sicherheitsrichtlinien. Aber schlussendlich musst du so Reisen, wie es für dich richtig ist.

  • Janine sagt:

    Liebe Sarah,

    ich reiste damals mit 21 Jahren alleine für mehrere Monate nach Indien. Leider musste ich sogar auf dem Fussboden von Mumbais Flughafen nächtigen, da ich durch die Zeitverschiebung verpeilt hatte, dass der Anschlussflug am nächsten Morgen war. Alles sehr aufregend kann ich dir sagen!
    Allerdings waren meine Erfahrungen durchweg positiv und ich verliebte mich in das Land! Indien hat mein Leben verändert! Ich war jedoch immer vorsichtig, habe die Gepflogenheiten respektiert und war bei Einbruch der Dunkelheit auch immer in der Unterkunft.

    In dem Artikel hast du das sehr schön zusammengefasst und realistisch niedergeschrieben :).

    Liebe Grüsse,
    Janine

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