Bandar Seri Begawan, die wohl langweiligste Hauptstadt der Welt

Du hast noch nie davon gehört und fragst dich nun, die Hauptstadt wessen Landes das sein soll? So schlimm ist das auch nicht, denn BSB, wie Bandar Seri Begawan abgekürzt genannt wird, gehört nicht gerade zu den Top-Städten der Welt. Mit nur 33’000 Einwohnern ist die Stadt mehr als überschaubar.

Bandar Seri Begawan ist die Hauptstadt von Brunei, einem kleinen Sultanat in Borneo. Das Land selbst hat etwas mehr als 412’000 Einwohner und ist bekannt für seinen Reichtum durch Erdöl- und Erdgasvorkommen und für seinen Sultan.

Wenn man von Malaysia einreist, hat man überhaut nicht mehr das Gefühl in Asien zu sein. Es ist sauber und ruhig. Zu ruhig. Man trifft kaum Menschen auf der Strasse an, alle fahren in Autos vorbei, die direkt aus dem Autosalon in Genf kommen könnten.

Ein Hoffnungsschimmer stellt der lokale Markt dar, jedoch auch der ist eine Enttäuschung. Nichts mit einem quirligen asiatischen Markt, nichts mit schreienden Händlern und umherfliegenden Hühnern. Lediglich ein paar Frauen sitzen träge im Schatten und warten auf Kunden, denen sie ihr Gemüse verkaufen können. Nichts wird einem aufgeschwatzt, keiner schreit rum. So ein ganz kleines bisschen fühlt sich Bandar Seri Begawan an wie eine Geisterstadt.

Bandar Seri Begawan

Die Stadt ist quasi zweigeteilt, in die Innenstadt und das Wasserdorf. Dieses ist ein Stadtteil, der auf Stelzen ins Meer hinaus gebaut wurde. Die meisten Einwohner besitzen ein Haus in der Stadt oder sonst wo im Inland von BSB und dann eine Zweitwohnung im Wasserdorf.

Dieser Stadtteil hat eigene Schulen, ein eigenes Krankenhaus, eine Feuerwehr und alles andere, was jeder normale Stadtteil sonst auch hat. Die Häuser sind mit Brücken miteinander verbunden, längere Strecken legt man mit dem Motorboot zurück. Dieser Stadtteil ist keineswegs der ärmeren Bevölkerung vorbehalten sondern dient, wie schon erwähnt, meist eher als Zweitwohnsitz.

Wasserdorf in Bandar Seri Begawan

Überall in Bandar Seri Begawan kann eine Tour durch das Wasserdorf gebucht werden. Die Preise varieren von 30-50 Brunei Dollar für zwei Stunden und führen auch hinaus in die Mangrovenwälder, wo man problemlos Wildtiere wie Affen und Krokodile beobachten kann. Es lohnt sich aber einen Guide zu suchen, der gut Englisch spricht und einem die Fragen zu Brunei auch beantworten kann.

Mein Guide sprach fliessend Englisch. Er erzählt mir alles über die Sultansfamilie. Wer mit wem verheiratet ist, wie toll sie alle sind und wie stolz er auf den Sultan ist. Denn der Sultan ist der beste, er kann alles und alle lieben ihn. Überall wo wir mit dem Motorboot vorbeifahren, ist angeblich ein Schrein eines verstorbenen Mitgliedes der Familie des Sultans. Vom Palast sehen wir allerdings nur das Dach.

Mangroventour in Bandar Seri Begawan

Bei soviel Schwärmerei für den Sultan werde ich stutzig. Es hört sich an, als wären wir hier im Paradies und als wäre die Gesellschaft perfekt. Es hört sich alles zu gut an um wahr zu sein. Zurück in meiner Unterkunft betreibe ich ein bisschen Recherche.

Ich finde heraus, dass der Besuch der Schule, der Universität sowie das gesamte Gesundheitswesen gratis ist. Auto, Wohnung und die Pilgerreise nach Mekka werden vom Staat subventioniert. Das ist ja alles ganz schön, aber als ich etwas weitergrabe, kommt dann noch ganz anderes zum Vorschein.

Moschee in Bandar Seri Begawan

Die Religionsfreiheit ist durch die Verfassung garantiert, wird jedoch durch erlassene Gesetze stark eingeschränkt. So ist es beispielsweise verboten, nicht islamische Schriften, wie die Bibel, einzuführen und die Verbreitung eines anderen Glaubens als dem Islam ist untersagt. Rede- und Pressefreiheit gibt es nicht, die Zeitungen sind mehr oder weniger nur Abdrucke des Pressebüros des Sultans.

Der Verkauf und der öffentliche Konsum von Alkohol ist verboten. In touristischen Hotels ist der Ausschank für Nichtmuslime allerdings gestattet.

Der Sultan gehört zu den reichsten Männern der Welt. Was er sich alles leistet, geht über die Vorstellungskraft des Normalbürgers hinaus: er lebt im grössten Palast der Welt, der über 1700 Zimmer hat. Er besitzt die grösste Sport- und Luxuswagen-Sammlung der Welt, für die er sich eine eigene Rennstrecke bauen lies (d.h. er ist Eigentümer von rund 5000 Autos). Seine Yacht ist 142 Meter lang und er besitzt Privatflugzeuge der Typen Airbus 340, Boeing 767 und Boeing 747. Angeblich kann er diese Flugzeuge auch selber fliegen.

Das ist ja alles schön und gut, er ist eben reich.  Was ich dann aber unglaublich fand ist, dass er nicht einfach nur Sultan ist, sondern Staatsoberhaupt, Premier-, Verteidigungs- und Finanzminster in einer Person und zugleich auch noch oberster Hüter der islamischen Staatsreligion ist. Er entscheidet einfach alles.

Als junger Mann war der Sultan für seinen ausschweifenden Lebensstil bekannt. Frauen, Luxus und Parties waren angesagt. Mit dem Alter jedoch, werde er immer mehr ein religiöser Eiferer, so lese ich. Im April 2014, als jetzt, wird in Brunei die Scharia, das religiöse Gesetz des Islam eingeführt. In wie weit sich dieses Rechtssystem erstreckt und ob es auch für Ausländer angewendet wird, ist bisher noch nicht bekannt.

Bandar Seri Begawan in Brunei

Ich verbringe nur zwei Tage in Bandar Seri Begawan, aber diese zwei Tage sind eigentlich genug. Abgesehen vom Wasserdorf, gibt es noch die Sultan Omar Ali Saifuddin Moschee zu besuchen. Sie sieht von aussen sehr schön aus, innen drin ist sie aber kleiner als erwartet und ist nicht so besonders.

Die Stadt bietet keine weiteren Attraktionen und auch nicht viel an Unterhaltung. Menschen trifft man nicht wirklich an, einen Tag mehr und ich hätte mich bereits gelangweilt. Es gibt jedoch auch Touren in den Regenwald, die bestimmt sehr schön sind. Brunei hat einer der am besten erhaltenen Regenwälder der Welt.

Moschee in Bandar Seri Begawan

Brunei ist als Reiseland nicht billig und auch nicht sehr backpackerfreundlich. Als Unterkünfte stehen fast nur teure Hotels zur Verfügung. Bei den ganz wenigen Hostels und Pensionen muss man sich dann wiederum auf sehr einfachen Standard und dreckige Zimmer gefasst machen.

Brunei zu besuchen war ein Erlebnis, ja. Aber ich würde nicht mehr zurückkommen. Ich war da, habe es gesehen und das reicht mir auch. Ich werde die zukünftige Entwicklung aber bestimmt beobachten.

Willst du noch mehr über Brunei erfahren? Die Reisebloggerin Kate hat einen spannenden Bericht über ihre Zeit in Brunei veröffentlicht. Du findest ihn hier (in Englisch).

Kennst du Brunei? Hast du vielleicht ganz andere Erfahrungen gemacht? Ich bin gespannt darauf, ab damit in die Kommentarfunktion!

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11 Kommentare

  • Oli sagt:

    Was du hier schilderst, klingt wirklich nicht spannend. Auf den Bildern sieht die Stadt allerdings nicht so schlecht aus. Zwei Tage Aufenthalt könnte ich mir auch vorstellen – und sei es bloss, um nachher mit einem weiteren Land prahlen zu können… 🙂

    Zum Thema Lob: Dass alle vom Sultan schwärmen scheint mir nicht so verwunderlich, wenn die Medien derart gleichgeschaltet sind, wie du schreibst. Insgesamt scheint er ja aber auch die Bevölkerung an seinem Reichtum teilhaben zu lassen. Den Menschen geht es zumindest material vergleichsweise gut und es scheint auch innerhalb des Landes keine grossen sozialen Spannungen zu geben. Da ist es dann auch nicht so tragisch, wenn nur wenig los ist.

    Und mal ehrlich: Welche Stadt mit 30.000 Einwohnern besticht schon mit einem tollen kulturellen Angebot und vielen Sehenswürdigkeiten?

    • Sarah sagt:

      Ja, ein Wahnsinnsangebot an Kunst und Kultur habe ich bestimmt nicht erwartet. Aber mehr als zwei, drei Cafés hat es eben wirklich nicht… Und das nenne ich dann schon langweilig. Es kommen ja auch wieder spannendere Städte! 🙂

  • Step sagt:

    klingt höchst seltsam alles, sollte es mich mal nach borneo verschlagen, seh ich mir brunei aber wohl trotzdem an – mein kuriosestes dieser flairlosen städte, wo sich ein diktator in gigantomanischer weise selbst verwirklichen muss, war bisher astana in kasachstan – riesige strassen, klotzige gebäude – und keine menschen auf der strasse, alles super künstlich. aschgabat in turkmenistan, nay pew daw (die neue hauptstadt myanmars) oder brasilia sollten auch noch in diese seltsame retorten stadt kategorie fallen. wenn man schon dort ist, muss man sich das eben auch ansehen – man reist ja nicht nur, um die schönsten sondern auch die seltsamsten plätze dieser erde mal gesehen zu haben 🙂

    • Sarah sagt:

      Stimmt genau, es muss einem ja nicht immer alles gefallen. Bandar war für mich ein spezieller Ort, ich bin froh bin ich dagewesen. Abe ich habe ihn eben als langweilig empfunden. Ich würde auch die von dir erwähnten Orte besuchen, allen voran Astana, diese Stadt muss wirklich speziell komisch sein! 🙂

  • Steffi sagt:

    War im Dezember 2012 in BSB. Die leeren Strassen lassen sich z.B. auch mit den sehr heissen Temperaturen gepaart mit der enorm hohen Luftfeuchtigkeit erklären. In den klimatisierten Geschäften an dem Platz auf dem ersten Bild hat es dann sehr wohl Menschen – und da hatte es sogar Weihnachtsdekoration. Weiter hat es in der Stadt einige kleine Cafes. Den Markt fand ich schon noch spannend, allein die ganzen fremden Früchte und die getrockneten Meerestiere (und ja ich war noch weitere 6 Wochen in Asien unterwegs). Zudem ist es auch da ruhig und erholsam, kein ständiges ziehen an den Armen, keine aufdringlichen Verkäufer. Und er ist schattig =)

    Am Fluss lebt es. Es warten Taxiboote zur Überfahrt in die Wasserstadt bzw. als Ausflugsboote durch die nahen Mangroven und ferneren Regenwälder – beides sehr zu empfehlen aufgrund der beeindruckenden Artenvielfalt.

    Wie erwähnt wird der Bevölkerung sämtliche Gesundheits- und Schulkosten etc. bezahlt, was ich für ein doch eher bedürftig entwickeltes Land sehr vorbildlich finde.

    Natürlich ist es kein Partyort – Alkoholverbot und sonstige islamische Regeln erklären dies rasch. Aber ich finde der Ort hat etwas ruhiges und lädt förmlich zum Entspannen und Runterfahren. Zudem sind die Menschen freundlich und hilfsbereit.

    Mir hat es sehr gefallen – da die Welt aber noch viele andere Plätze zum Entdecken hat, werde ich wohl so schnell nicht wieder dort hin reisen. Sollte sich die Gelegenheit aber ergeben, gerne wieder.

    • Sarah sagt:

      Eins vorneweg: die Menschen in BSB habe ich als unglaublich freundlich wahrgenommen, genau wie du. Ich hatte nur positive Erlebnisse.

      Die Stadt finde ich aber trotzdem langweilig, da es wirklich nicht sehr belebt ist. Da unterscheidet sich unsere Wahrnehmung, denn weder in den Geschäften, im Wasserdorf oder auf dem (sehr kleinen) Markt hatte es wirklich Menschen oder war etwas los. Daher ist mir Bandar auch wie eine Geisterstadt vorgekommen…

  • Neni sagt:

    Ich fand die Stadt ganz faszinierend. Es sind in der Tat immer wenige Leute auf der Strasse, aber einfach nur weil die Sonne so krass scheint. Ich war unterwegs und wurde von einem Briten, der mittlerweile in Brunei wohnt, gefragt ob er mich nicht mitnehmen soll. Er sagte uns, dass niemand bei dem Wetter rausgeht und eh alle arbeiten. Viele Menschen sind im Park um Sport zu machen oder halt wie schon gesagt, in den Malls. Das ist scheinbar überall in Asien so.

    Das mit dem Sultan habe ich nur am Rande mitbekommen, weil ich in seinem Museum war. Sonst waren alle skeptisch, sei es Taxifahrer oder Hotelleute.

    Das einzig ärgerliche war für mich, dass alles so früh schliesst. Öffnungszeiten wie in Deutschland, das war ich aus anderen asiatischen Ländern nicht mehr gewohnt.

    Ich war auch nur vier Tage in der Hauptstadt, war aber den ganzen Tag unterwegs und fühlte mich gut beschäftigt. 🙂

  • […] Der grössere Part gehört zu Indonesien, während der übrige Teil zu Malaysia gehört. Brunei ist natürlich auch nicht zu vergessen, obwohl dessen Platz in Borneo verschwindend klein ist. Der […]

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